Julia Seeliger
  • Im Wahljahr 2009: Parteipolitik und Web-2.0

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    7. March 2009 | Trackback | Internet ausdrucken
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    Obama wirft seinen langen Schatten voraus: Im Wahljahr 2009 spricht Deutschlands Web-2.0-Gemeinde darüber, welche Tools und Kommunikationskanäle auch in “good old germany” sinnvoll sind – und was sich nicht übertragen lässt. In diesem Artikel befasse ich mich mit dem Web-2.0 aus Parteiensicht, wobei man einiges auch auf andere politische Akteure beziehen kann. Ganz zum Schluss wage einen kleinen Ausblick mit etwas weiterem Fokus.

    Die Sonnenseiten: Was wird für die Parteien einfacher durch das Internet?

    • Öffentlichkeit für Themen und Personen erzeugen
    • Das liebe Geld – Spenden sammeln über das Netz
    • Engagement für gemeinsame Themen – ortsunabhängig

    Die Schattenseiten: Welche Probleme können aus Sicht der Parteien auftreten?

    • “Die Entmachtung der Pressestellen”
    • Das Unkontrollierbare: Skandale und Remixe im Netz

    Wie wird sich Parteipolitik verändern?

    • Transparenz: Ständige Rechenschaft
    • Personality 2.0: Authentisch musst du sein!
    • Twitter, Facebook et al: Kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck
    • Renaissance des Lokalen
    • Temporäre Projekte anstatt langfristige Bindung an eine Partei

    Zu Allerletzt

    • Tipp: Das Internet ist keine Spaßguerilla!
    • Perspektiven und Grundsätzliches

    Hierzu hat Markus Beckedahl kurz nach der US-Wahl schon einen Aufschlag (“Vergleich: Obama-Kampagne und deutscher Internetwahlkampf”) gemacht.

    Ganz neue Player wie Blogger und soziale Medien wie Facebook und Twitter müssen in einer Kampagne mitgedacht werden und verändern die Spielregeln. Man muss Angebote machen, die Menschen in politische Prozesse einzubinden. Und dies nicht nur durch die berühmte “Ochsentour”, sondern durch temporäre Angebote. Man sollte lieber in den Chancen denken, die das Netz für die eigene Kampagne bietet.

    Das sehe ich auch so und ich habe es in meinem Blog während meiner Parteiratszeit ja auch schon versucht zu realisieren: Das Internet und seine Tools als einzigartige Chance, Demokratie zu revitalisieren und ihr ein neues, modernes Gehirn zu geben.

    Die Sonnenseiten

    Öffentlichkeit für Themen und Personen

    Wer schon einmal auf der Straße, bei Regen und Schneematsch, Flugblätter für sein Anliegen verteilt hat, weiß Blogs und die Möglichkeit, im Internet zu publizieren, zu schätzen. Denn in mein Blog kommen jeden Tag mehr als 1000 Menschen freiwillig und sie lesen mindestens einen der dort publizierten Texte. Bei 1000 verteilten Flugblättern – hierfür benötigt man sicherlich drei Stunden – wird nur ein sehr kleiner Bruchteil gelesen, die restlichen landen sofort im Müll.

    Über das Internet erreicht man also eine sehr viel größere Zahl an Menschen, dies auf einem bequemeren Weg. Überdies erreicht man die Menschen sehr viel zielgenauer, denn sie kommen freiwillig, entweder, weil sie einen bestimmten Webauftritt mögen oder sie kommen über eine Suchmaschine.

    Das liebe Geld – Spenden sammeln über das Netz

    Liegt nahe – kann ich mithilfe des Internet zielgenauer, zielgruppenspezifischer an meine Nutzer herangehen, so wird es mir auch überzeugender gelingen, Spenden für mein Anliegen einzuwerben. Im kostenintensiven US-Wahlkampf nutzte das Obama-Team das Netz offensiv und geschickt – und es hat sich gelohnt, insgesamt sammelte Obama 656 Millionen Euro allein an Klein- und Kleinstspenden ein.

    Ähnliches könnte auch in Europa gelingen. Um erfolgreich bei der Spenden-Acquise zu sein, ist es wichtig, den Spendern konkret zu sagen, wofür ihr Geld ausgegeben wird. “Wir benötigen noch unbedingt 40 Euro für Flugblätter und 30 Euro für die Verköstigung der Aktivisten. Und wenn Sie 50 Euro übrig haben, können wir davon noch ein schönes Kostüm kaufen. Geben Sie 100 Euro, können wir zwei Kostüme kaufen. Und drei werden es, wenn Sie 150 geben.”

    Wer es besonders schön machen möchte, arbeitet mit Spenden-Fortschrittsbalken und niedlichen Visualisierungen der einzelnen Projekte.

    Engagement für gemeinsame Themen – ortsunabhängig

    Nicht zuletzt wurde die praktische Arbeit in einer Partei durch das Internet einfacher. Ganz klassisch, in den Augen mancher einsnullig – und dennoch unschlagbar gut: Die Mailingliste. Sie bringt Menschen, die in unterschiedlichen Städten wohnen, näher zusammen und ermöglicht einen permanenten Informationsaustausch und -abgleich. Heutzutage sind die meisten Dokumente digitalisiert und lassen sich über Mailinglisten schnell verteilen.

    Schon viele Jahre diskutiert die Grüne Jugend die unterschiedlichsten Themen via Mailingliste, der Bundesvorstand des Jugendverbandes arbeitet unter der Woche, wenn keine Sitzungen oder Telefonkonferenzen sind, ebenfalls hauptsächlich über eine interne Mailingliste. Die Grünen machen das mit ihren Bundesarbeitsgemeinschaften und Gremien genauso. Ich selbst habe mithilfe einer Mailingliste erfolgreich dazu beigetragen, junge linke Menschen bei den Grünen zu vernetzen.

    Auch wenn sie nicht bunt und lustig ist, so gehört die Mailingliste auf jeden Fall in die Liste der demokratisierenden Internet-Neuerungen hinein.

    Parteipolitische Arbeit via Internet findet meiner Meinung nach immer noch hauptsächlich auf Mailinglisten, und eher weniger in Blogs oder gar bei Facebook oder Twitter statt. Allerhöchstens Foren und Wikis kann man m.E. in die Liste der “Arbeitsinstrumente” hineinzählen. Ob Entwicklungen wie Twixdagen – eine Seite, die die Twitter-Feeds schwedischer Abgeordneter aggregiert – zu mehr Transparenz beitragen, wäre zu beobachten. Inwieweit in Communities wie meineSPD.net oder in den unzähligen mixxt-Communities politische, Output-orientierte Arbeit stattfindet, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Die Grünen werden ja demnächst eine eigene Community launchen, ich bin sehr gespannt, ob dort mehr als nur kurzfristiger Vernetzungs-Spaß (neudeutsch auch: “Chatten”) stattfindet.

    die Schattenseiten

    “Die Entmachtung der Pressestellen”

    Nicht alle werden diesen Aspekt als “Schattenseite” sehen, jedoch macht das Internet mit seinen Tools eine kontrollierte Kommunikation für die klassische Presse- und Öffentlichkeitsarbeit komplizierter. Gut erinnere ich mich noch an meine Wahl in den Parteirat, als plötzlich den Verantwortlichen bei den Grünen die helle Angst im Gesicht stand: “Wird die jetzt alle Parteiratssitzungen live bloggen?”.

    Via Kontaktformular sollte heutzutage jeder Politiker für Journalisten direkt erreichbar sein. Inzwischen wurde auch schon von mindestens einer Agentur direkt aus Volker Becks Blog “Beckstage” zitiert. Es stellt sich die Frage, warum Journalisten überhaupt noch über die Pressestellen gehen, zumal sie ja auch teilweise massive Kritik an deren “Verschlossenheit” haben. Vermutlich ist dies eine Art Agreement unter Politikern und Hauptstadtjournalisten, das sich aus dem gemeinsamen “Gegner” Web-2.0 / Blogs speist.

    Ich meine, dass die “Entmachtung der Pressestellen” nur eine Frage der Zeit ist. Langfristig wird, so meine These, die “Politiker-Persönlichkeit” gestärkt. Darauf werde ich aber weiter unten noch näher eingehen.

    Das Unkontrollierbare: Skandale und Remixe im Netz

    Ganz grundsätzlich kann man sagen: Im digitalen Zeitalter können Dokumente milliardenfach kopiert und an fern versteckten Orten online gestellt werden. Was einmal im Netz ist, wird sich nicht wieder einholen lassen. Und: Peinlichkeiten und Kommunikationsfehler werden im Internet schonungslos demaskiert. Ein schönes Beispiel aus dem Hamburger Landtagswahlkampf: Hinnerk Fock und SkyDumont.

    Da spielt auch der Streisand-Effekt mit: Eine Information, die Einzelne auf Teufel komm raus aus dem Netz entfernen wollen, wird sich um so schneller verbreiten, je größer der Druck ist, sie zu verheimlichen. Hierfür ein weiteres schönes Beispiel, diesmal aus der jüngeren Zeit: Die Abmahnung des Bloggers Markus Beckedahl von netzpolitik.org.

    Dies erfordert von Politikern zum einen mehr Disziplin beim Umgang mit Kameras. Ich finde einige hart gescholtene Youtube-Auftritte von Claudia Roth toll und gar nicht peinlich (zB das mit “den Knollen”, das finde ich nett und authentisch), das Interview zum Türkei-Thema am Rande des “Ball des Sports” hätte man aber lieber vermeiden sollen.

    Insgesamt sind das Beispiele, dass Politiker – genauso wie alle anderen Personen des öffentlichen Interesses – noch herausfinden müssen, wie sie in der digitalen und vernetzten Zeit kommunizieren.

    Mein Rat wäre: Bewusst kommunizieren, genau überlegen, welche Aspekte der Persönlichkeit zu inszenieren sind und vor welchen lieber die Tür geschlossen wird. Mindestanforderung – außer für Porno-Stars – sollte die Schlafzimmertür sein.

    Grundsätzliches zu den Chancen, die das Internet für Politik bietet

    Transparenz: Ständige Rechenschaft

    Wer es gut machen möchte, bietet seinen Nutzern einen ständigen Rückkanal an. Nicht nur in Wahlkampfzeiten, nein, während der gesamten Legislatur sollte ein moderner Politiker für Feedback bereit stehen. Dieses Feedback sollte, wenn es “gut” ist, auch in politische Prozesse eingehen. Bisher sieht die Allgemeinheit davon nicht so viel. Schon heute ist es natürlich möglich, in Abgeordnetenbüros anzurufen (für den Bundestag ist das die 030/227-0 – und dann sagt ihr einfach: “Ich würde gerne mit MdB XYZ sprechen.” und schon werdet ihr durchgestellt) oder eine E-Mail zu schicken, aber transparent und öffentlich ist das nicht.

    Zwar existieren auch Angebote wie Abgeordnetenwatch, wo sich schon heute in einem öffentlich zugänglichen System Fragen stellen lassen, jedoch fehlt hier das Menschliche und das Individuelle. Abgeordnetenwatch sollte von der Bundesregierung angeboten (und bezahlt) werden, es wird aber nicht eine gut organisierte direkte, persönlichere Kommunikation mit der “Politiker-Persönlichkeit” ersetzen können. Hierzu ist das System doch zu statisch.

    Fazit: Ständige Rechenschaft ist gut. Eher technokratisch anmutende Angebote wie Abgeordnetenwatch sollten durch weitere, persönlichere Kanäle ergänzt werden. Dies liegt in den Händen der Politiker-Personen und der Parteien – denn diese haben das Geld für die Konzeption von Webauftritten zu verteilen und entsprechende Prioritäten zu setzen.

    Personality 2.0 – Authentisch soll es sein

    Die Frage nach der Inszenierung der eigenen Person über das Internet betrifft nicht nur Politiker, sondern jeden Menschen, der sich dem Netz nicht vollends verweigert. Als besonders im Focus der Öffentlichkeit stehende Personen sollten sie sich aber besonders viele Gedanken zu ihrer Netz-Person machen.

    Ein Politiker-Auftritt sollte authentisch sein. Es ist nicht schlimm, wenn “der Bürger” erfährt, dass ein Politiker gerne Tennis spielt, sich für seltene Baumsorten erwärmen kann, an einer seltenen Allergie leidet oder Modelleisenbahnen sammelt – und es schafft zusätzliche Sympathie, wenn dies auch mal im Dialog mit den Nutzern rüberkommt. Auch im Netz kann, ja sollte es “menscheln”.

    Und vielleicht lässt sich das Private ja auch mal mit etwas politischem verknüpfen, bestimmt gibt es in den Weiten des Internet jemand, der von einem seltenen Baum-Virus gehört hat, der sich vielleicht auch bald in unserer Region verbreiten wird. Und dieser Mensch kommt über eine Suchmaschine auf das Web-Portal des Politikers und kann ihm direkt diese Information berichten.

    Auch hier wieder: Das Internet bietet neue Möglichkeiten der Kommunikation. Politiker sollen ihre Individualität in den Mittelpunkt stellen.

    Ungewöhnliche Anliegen kommen auf neuen Wegen zu Öffentlichkeit, wenn dies angebracht ist. Und: Bürger fühlen sich eventuell besser repräsentiert, wenn sie wissen, dass sich ein bestimmter Politiker ganz besonders für eine bestimmte Baumart einsetzt oder sich für bestimmte Allergien interessiert, obwohl er doch gar keine Gesundheitspolitik macht.

    Nicht zuletzt ist die Erosion der Bindekraft der Parteien ein gutes Indiz dafür, dass die Politiker-Persönlichkeit in Zukunft wichtiger werden wird. Wenn es die Parteien weiterhin nicht schaffen, über das Netz Bindekraft zu entwickeln, so wird die direkt und authentisch kommunizierende, sich ernsthaft kümmernde Politiker-Person eine Chance für die Demokratie sein.

    Sollte es den Parteien doch gelingen, attraktive Angebote für die Bürger zu entwickeln, so ist der Aspekt “Politiker-Person 2.0” für die Zukunft eventuell nicht ganz so relevant. Dies kann aber nur gelingen, wenn die Parteien auch wirklich mit dem Wunsch nach einer Revitalisierung der Demokratie an ihre Web-Strategien herangehen. Parteienmüdigkeit bekämpft man nicht durch bunte Browser-Spiele, sondern durch die Möglichkeit wirklichen Mitmachens auf Augenhöhe. Will man lediglich Wähler binden, also während des Wahlkampfes eine Art Top-Down-Kommunikation mit “dem Wähler” führen, so werden die Anliegen der Parteien, im Netz präsent zu sein, verpuffen.

    Twitter, Facebook et al: Kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck

    So viel Unterhaltung und Zerstreuung diese vielzitierten Dienste doch bieten – man sollte nicht vergessen, dass die Aktivität aus diesen “Netzwerken” zu einem Output führen sollten. Zweitens ist aus meiner Sicht die Privatisierung von Parteipolitik in diese Netzwerke zu kritisieren: Was ist mit denjenigen, die sich dort nicht anmelden möchten? Was ist mit eventuell internen Daten und Diskussionen?

    Die Obama-Kampagne hat deutlich gemacht, dass es sinnvoll ist, in derartigen Plattformen aktiv zu sein. Sie hat aber auch gelehrt, dass diese Plattformen nur als Mittel dienen sollen, eine Aktivität in Facebook reicht nicht aus, denn dort erreicht man zum einen nur eine sehr beschränkte Zahl an Nutzern – die wenigsten Menschen haben mehr als 1000 Freunde – und zum anderen, wie oben schon angeklungen, würde Politik auf diese Art und Weise in einen privaten Raum verschoben – das kann nicht das Ziel sein!

    Die Obama-Kampagne nutzte Facebook, Youtube und Co., um Menschen für my.barackobama.com zu interessieren. Dies kann man auf den bundesdeutschen Wahlkampf übertragen: Man bietet die Informationen in unterschiedlichen Plattformen an, um dann auf einem in die Partei-Webseite integrierten Kampagnen-Portal – das ist besten Falle sogar “Spaß” macht – weiteres Material und weitere Möglichkeiten, aktiv zu werden, anzubieten.

    Fazit: Für die Öffentlichkeitsarbeit sind Facebook, Twitter und Co. Gold wert. In den Wahlkämpfen 2009 werden sie eine wichtige Rolle spielen.

    Sie können auch dazu dienen, neue Mitglieder für eine Partei zu gewinnen – und wenn das nur für ein einziges kleines Projekt innerhalb der Parteiaktivität (zB “Der Familienvertrag” oder “Grüne Politik für das Internet”) oder eine einzelne Aktion vor Ort (“Umarme die tausendjährige Eiche an der Ecke Hauptstraße/Dorfstraße”) ist.

    Zwischenruf: Aktionen und Lokalisierung – Kein Facebook-Monopol!

    Diese neuen, direkten und nutzerspezifisch individualisierten Kommunikationskanäle müssen aber nicht via Facebook organisiert werden. Genauso können die Parteien Aktions-Communities konzipieren lassen. Sie sollten dies aus meiner Sicht tun. Auch, weil es ihnen ermöglicht, den vielen Menschen, die von der drögen Parteiarbeit abgeschreckt sind oder die sich nicht fest an eine politische Partei binden wollen – Menschen, die grundsätzlich oder in Teilen mit den Zielen der Partei übereinstimmen – eine niedrigschwellig angelegte Möglichkeit zum parteipolitischen Handeln zu geben.

    Renaissance des Lokalen

    Noch einmal das Beispiel mit dem Baum an der Ecke Hauptstraße/Dorfstraße, der im Rahmen einer politischen Aktion von Aktivisten, die über das Internet motiviert wurden, umarmt wird: Es ist mithilfe von Computer und Internet möglich, noch zielgenauer herauszufinden, welche Person vor Ort an welchen Themen und lokalen Aktionen interessiert ist. Menschen können sich nach ihren Vorlieben eintragen und für Aktionen und Demos angefragt werden. Denkbar ist es auch, dass die Aktivisten ebenfalls Vorschläge für Aktionen und Initiativen einbringen können. Nicht nur, aber auch für Parteien, könnte ein solches, auf lokale Vernetzung und Aktivierung von Menschen für (partei)politische Prozesse ausgerichtetes System, gute Dienste tun.

    Temporäre Projekte anstatt langfristige Bindung an eine Partei

    Genauso lassen sich auch Menschen generell temporär für Projekte aktivieren. Gerade in einer Zeit, in der die Bindewirkung der Parteien abnimmt – und von vielen eine Politikmüdigkeit beklagt wird – eine angenehme Perspektive.

    Tipp: Das Internet ist keine Spaßguerilla!

    Keine leeren Versprechungen machen: Diskussionen, deren Ergebnisse ignoriert werden, frustrieren. Deswegen nichts ankündigen, was am Ende nicht eingehalten wird. Wenn Unterschriften für eine Übergabe gesammelt werden, so müssen diese wirklich übergeben werden. Wenn in einer Diskussion eine politische Position entwickelt wurde, muss diese wirklich in einen Prozess eingehen, zumal wenn dies zu Beginn angekündigt wurde.

    Grundsätzliches

    Das Internet kann eine gleichberechtigtere Kommunikation zwischen Politiker-Personen und Bürgern ermöglichen. Es kann neue, unkonventionelle Ideen aus den Tiefen des Netzes hervorbringen, die dann in politische Prozesse Eingang finden können. Es wird nicht nachhaltige Politik an die Öffentlichkeit bringen und deutlicher als bisher machen, welche Politiker sich für die Anliegen der Bürger interessieren und sich kümmern und welche sich eher für ihre Nebentätigkeiten und ihre Lobby-Verpflichtungen die Hacken wund laufen.

    Jedoch werden das Internet und die digitalen Möglichkeiten nur, wenn sie für wirkliche Partizipation und Transparenz benutzt werden, diese Ziele ermöglichen. Andernfalls würde das erstrebenswerte Ziel, durch das Internet die Demokratie und politische Diskurse zu revitalisieren, verfehlt.


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62 Responses to “Im Wahljahr 2009: Parteipolitik und Web-2.0”

  1. “So viel Unterhaltung und Zerstreuung diese vielzitierten Dienste doch bieten – man sollte nicht vergessen, dass die Aktivität aus diesen “Netzwerken” zu einem Output führen sollten. Zweitens ist aus meiner Sicht die Privatisierung von Parteipolitik in diese Netzwerke zu kritisieren: Was ist mit denjenigen, die sich dort nicht anmelden möchten? Was ist mit eventuell internen Daten und Diskussionen? “

    So what? Dieser Einwand gilt für alle Kommunikationskanäle. Wer sich lokalen Diskussionsrunden verweigert, wird dort eben nicht erreicht. Wer keinen Fernseher will, verpasst Talkshowauftritte und tagesschau. Ich sehe da weder etwas netzspezifisches noch ein kritikwürdiges Prinzip. Die logische Konsequenz aus Sicht der Parteien ist schlicht, sich wie bisher schon nicht auf einige wenige Kommunikationswege zu beschränken, sondern Inhalte breit zu streuen.

  2. schöne analyse.

    kann insbesondere den teil zu facebook unterstreichen: inzwischen erreichen mich beinahe täglich einladungen zu gruppen und/oder causes. aber viele von denen werden nicht wirklich gelebt. der einzige zweck von vielen gruppen/causes scheint deren bloße existenz zu sein, eine wirklich politische diskussion bzw. kommunikation findet nur in einem kleinen teil der gruppen statt.

  3. sich wie bisher schon nicht auf einige wenige Kommunikationswege zu beschränken, sondern Inhalte breit zu streuen.

    Nun ja – ich wollte nur mal deutlich machen, dass Facebook jetzt nicht das Allheilmittel ist, und dass man seine politische Arbeit nicht dorthin verlagern kann (und dass ich dies aktuell auch nicht beobachte) sondern dass Facebook ein zusätzlicher Kanal sein kann, um Leute zu interessieren, aber nicht, um politisch zu arbeiten. Da seh ich auch, wie gesagt, ein mögliches Demokratiedefizit – Stichwort Privatisierung von Politik in Facebook und Co.

    Wie gesagt, ich sehe immer noch Mailinglisten als Medium der Wahl. Da hat sich nicht viel geändert in den letzten Jahren.

  4. Bin gespannt, ob das Mitgliedernetzwerk (oder ein funktionales Äquivalent dazu auf einer der großen Plattformen) das Ende der Mailinglisten-Ära einläutet.

  5. “Da seh ich auch, wie gesagt, ein mögliches Demokratiedefizit – Stichwort Privatisierung von Politik in Facebook und Co.”

    Eben diese Bewertung finde ich nur mäßig passend. Twitter und Facebook sind per se nicht privater oder öffentlicher als eine Zeitung oder eine Veranstaltung im Saal eines Restaurants. Ebensowenig wie es zu Demokratiedefiziten führt, wenn man Veranstaltungen in Hotels oder -privaten- Kongresszentren macht, sehe ich da bei Nutzung von Netzwerkzeugen, die privat betrieben werden, grundsätzliche Probleme. Aufwand und Nutzen sind jeweils sorgfältig abzuwägen, das ist alles.

  6. Sehr gute und unterstützenswerte Initiative!

    Ich glaube, die Scheu vieler Politiker kommt schlicht aus der Unkenntnis dieser neuen Kommunikationskanäle. Wie Kommunikation über Blogs funktioniert kann beispielsweise eigentlich nur jemand verstehen, der selber eines schreibt oder zumindest genug davon gelesen hat, um deren Wert und Identität zu begreifen.

    Sehr viele Menschen, die in klassischen Kommunikationsformen denken, tun sich damit sehr schwer. Das sehe ich nahezu täglich in der Wirtschaft und ich vermute mal, dass es in der Politik nicht viel anders ist.

    Da hilft eigentlich nur erklären, zeigen und wenn möglich besser machen. Ich denke mal, dass der erste deutsche Politiker, der wirklich erfolgreich Web 2.0-Methoden einsetzt, eine Wirkung haben dürfte, die mit der von Obama vergleichbar sein könnte.

  7. Lieber Nils,

    du kannst gerne Facebook als Rettung für die Demokratie hochleben lassen, wie es dir gefällt, ich habe aber den Eindruck, dass du hier bruchstückhaft zitierst, was dir ins Bild passt und andere Argumente ignorierst.

    Nach meiner Erfahrung findet bei Facebook allerhöchstens Campaigning für einzelne Themen statt, Textarbeit ist mir da noch nicht aufgefallen und das würde mir auch nicht gefallen.

    Da mach ich mir lieber mein eigenes, dezentrales System mit ner Mailingliste. Kann ich ja bei Facebook drauf hinweisen, politisch arbeiten will ich da aber 1) nicht gern (du weisst nicht, was mit evntuellen “internen” Diskussionsbeiträgen vielleicht in 30 Jahren von Facebook angestellt wird, ich hab das lieber bei mir, dezentral, wo ich es im Notfall auch löschen kann) und 2) (ganz praktisches Argument) findet dort und in anderen Plattformen ernsthafte Textarbeit (ich mein damit, politische Arbeit, die übers Link-posten und mal einen flapsigen Kommentar beim Büti hinterlassen hinausgeht) einfach nicht statt. Das hab ich – zumindest für uns Grüne – so beobachtet, und das sagt doch auch schon was.

    Mich würde auch noch interessieren, warum du hier so laut “Facebook Facebook” sagst. Solltest du finanzielle Interessen haben, kennzeichne dies bitte (zB wenn du bei Facebook Berater bist oder so, ich weiß das ja nicht).

    Ach ja. Vielleicht würde die Beantwortung dieser Frage helfen, unsern Dissens aufzuklären: Was verstehst du unter “politischer Arbeit” ?

  8. Liebe Julia,

    nichts läge mir ferner, als Facebook zu bejubeln. Zur Klarstellung vorab: Ich habe keinerlei wirtschaftliche oder sonstige Verbindung mit Facebook, zur Zeit habe bei denen nichtmal einen account. Ich profitiere weder direkt noch in irgendeiner mir erkennbaren Weise mittelbar vom Erfolg Facebooks, Twitters oder ähnlicher Plattformen.

    Und es ging mir auch nicht darum, Facebook und Co. als “Rettungsmittel für die Demokratie hochleben” zu lassen. Mir ist schleierhaft, wie Du das aus meinen Statements herausgelesen haben willst.

    Ich stimme Dir auch dahingehend zu, dass von Dritten bereitgestellte Plattformen systembedingt weniger gut geeignet sind, *interne* Arbeit zu unterstützen, aus den von Dir genannten Gründen.

    Meine Einwürfe bezogen sich jedoch auf die externe Kommunikation. Da hat jedes einzelne unter den derzeit verfügbaren Web-Werkzeugen spezfische Vor- und Nachteile, aber ich fands etwas weit hergeholt, ein Demokratiedefizit zu konstatieren. Worin besteht dieses denn Deiner Ansicht nach? Und warum besteht es so bei dem privat betriebenen Twitter, aber nicht bei offline-Plattformen, die sich in Privateigentum befinden?

  9. Ich habe lediglich gesagt, dass ich parteipolitische Arbeit nicht in Facebook verlagern möchte. Die Beantwortung, was Du darunter vrstehst, steht noch aus, ich meine, dass sich an einem Dissens im Verständnis, was eigentlich “politische Arbeit” ist, unser kleiner Konflikt entzündet hat.

    Wie andere Diskutanten hier auch schon angeführt haben, fehlt ihnen ebenfalls der zweinullige Ort für “wirkliche” politische Arbeit. Sie sehen Facebook da ebenfalls nicht als Alternativ-Ort der Zukunft für grundlegende Diskussionen, schon gar nicht für die innerparteilichen Auseinandrsetzungen.

    Wenn du meinen Artikel ganz liest, wirst du feststellen, dass ich eine Menge positive Aspekte, und vor allem auch für die Öffentlichkeitsarbeit, genannt habe.

  10. “Die Beantwortung, was Du darunter vrstehst, steht noch aus, ich meine, dass sich an einem Dissens im Verständnis, was eigentlich “politische Arbeit” ist, unser kleiner Konflikt entzündet hat.”

    Mag sein. Unter politischer Arbeit einer Partei verstehe ich sowohl den internen Meinungsbildungsprozess als auch das externe Campaigning, das Befeuern des öffentlichen Diskurses insgesamt und nicht zuletzt natürlich gestaltende politische Arbeit im formelleren Sinne, also Parlaments- und Regierungsarbeit.

    Ich warte aber im Gegenzug noch auf die Beantwortung meiner Frage, worin genau Du ein Demokratiedefizit bei -privat betriebenen- online-Plattformen siehst. :)

  11. worin genau Du ein Demokratiedefizit bei -privat betriebenen- online-Plattformen siehst.

    Ich sehe gute Gründe, sich bei Facebook nicht anzumelden. In diesem konkreten Fall ist die Hürde zu hoch.

    Gerade die Ereignisse der vergangenen Wochen haben es doch wieder gzeigt, was mit den Daten der Facebook-Nutzer passieren kann. Mir ist das einfach nicht sicher genug.

    Generell wünsche ich mir eine “Öffentlichkeit” für Politik. Das Ziel sollte sein, durch das Internet mehr Öffentlichkeit als zuvor zu realisieren und nicht, bestehende Defizite im Netz zu reproduzieren. Deswegen würde ich den gezogenen Vergleich mit abgeschlossenen Wirtschafts-Lobby-Veranstaltungen auch zurückweisen, zumal er auf Grüne im Vergleich zu anderen Parteien auch wenig zutreffend ist.

  12. “Fazit: Für die Öffentlichkeitsarbeit sind Facebook, Twitter und Co. Gold wert. In den Wahlkämpfen 2009 werden sie eine wichtige Rolle spielen.”
    Deinem Fazit möchte ich ein wenig widersprechen. Du hast Rechte, wenn du den Wert von Facebook, Twitter und Co. für die Öffentlichkeit und die Öffentlichkeitsarbeit erkennst. Allerdings werden sie nicht so wichtig für den Wahlkampf 2009 sein, weil es ihnen an einem wesentlichen Punkt mangelt: an einer professionellen, organisierten Nutzung der Medien für den Wahlkampf (die gerade erst begonnen wird), die lange genug andauert, um bereits authentisch zu sein.
    Ich will hier als Beispiele Volker Beck und Thorsten Schäfer-Gümbel anführen; VB nutzt Facebook, sein Blog und Twitter schon länger, intensiv und – will ich mal behaupten – systematisch. Er tut es bewusst. TSG hingegen sah seine Chance in den “neuen” Medien und nutzte sie. Nur dass seit der Hessenwahl bei Facebook wenig und bei Twitter defacto gar nichts mehr passiert, von Youtube mal ganz zu schweigen.
    Will sagen: egal, wie wichtig das Web 2.0 für Politik und Wahlkämpfe sein kann, wird es im Wahljahr 2009 diese Bedeutung nicht bekommen können, weil ein wesentliches Merkmal der Politik die Glaubwürdigkeit und Authentizität ist. Um einen authentischen Webwahlkampf zur Bundestagswahl 2009 führen zu können, wurde die Nutzung der “neuen” Kommunikationsformen zu spät in Angriff genommen.

  13. @pillenknick: Nun ja, du nennst doch selbst einen prominenten Grünen, der für eine authentische web2.0-Nutzung durch einen Politiker steht. Mag bei anderen Parteien anders sein, aber für Bündnis 90/Die Grünen sehe ich durchaus die Möglichkeit eines authentischen Webwahlkampfs 2009.

  14. Was einmal im Netz ist, wird sich nicht wieder einholen lassen. Ein schönes Beispiel aus dem Hamburger Landtagswahlkampf: Hinnerk Fock und SkyDumont.

    Guck dir den verlinkten Artikel mal an: “Dieses Video ist aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von Freie Demokratische Partei Deutschlands (FDP) nichtmehr verfügbar.”

    Mag sein, dass es das Video irgendwo anders gibt und im allgemeinen hast du ja auch Recht. Aber so 100%ig stimmt das auch nicht, dass man Sachen nie aus dem Netzt kriegt.

    Ansonsten finde ich den Artikel top! :)

  15. Guck dir den verlinkten Artikel mal an: “Dieses Video ist aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von Freie Demokratische Partei Deutschlands (FDP) nichtmehr verfügbar.”

    Hm, also nix unter Creative Commons veröffentlichen und immer schön auf die eigenen Urheberrechte pochen …

    … scheint mir keine sympathische Strategie. Besser wäre es, die “Angst vor’m Fliegen” (Kontrollverlust) abzulegen.

    Hab das mit Sky DuMont und Hinnerk Fock auch als Beispiel für eine verfehlte “Viral!” Politik genommen. Manche kennen den Fall ja noch, ist aber schon Special Interest. Für alle anderen: “Hanno.de – blau-gelbes Auge”.

    In meinem Blogbeitrag habe ich das nun korrigiert und den Artikel “Virales Eigentor bei der FDP Hamburg” von Klaus Eck verlinkt, anstatt das Youtube-Video, das weniger interessant ist.

  16. @Till: in Grenzen d’accord – Volker Beck ist eine rühmliche Ausnahme. Gleichwohl die Grünen von allen großen Parteien die wohl internetaffinste ist, ist auch sie noch von einer durchgängig systematischen Nutzung entfernt, wenn auch weniger weit als andere Parteien. Als Gegenbeispiel zu Volker biete ich daher – grünenintern – Renate Künast. Schön, dass es sie gezz bei Facebook und Twitter gibt, schön, dass die Facebook-Seite regelmäßig gepflegt werden soll – aber zu Authentizität gehört in diesem Fall dazu, dass sie sich darum kümmert, nicht, dass eine Webredaktion oder ähnliches dahinter steht (Negativbeispiel ist TSG, der zumindest zeitweise agenturgetwittert wurde: siehe hier
    Insofern sehe ich weniger für Bündnis90/Die Grünen einen authentischen Onlinewahlkampf als vielmehr für einzelne Politiker von B’90/Die Grünen – gleichwohl ich die Möglichkeit sehe, dass deren Vorreiterrolle auf das Image der Gesamtpartei abfärben kann.
    Letztlich führt kein Weg daran vorbei, dass PolitikerInnen die Medien im Internet ernstgemeint in ihren Alltag integrieren und nutzen – nur das ist authentisch.

  17. Toller Beitrag!

    PS: “Focus” ist der Name eines Nachrichtenmagazins – das Wort, das Du meinst, schreibt sich “Fokus”.

  18. Toller Beitrag!

    Danke! 😀

    PS: “Focus” ist der Name eines Nachrichtenmagazins – das Wort, das Du meinst, schreibt sich “Fokus”.

    Hab’s geändert, danke für das Feedback!

  19. Bei vielem Zustimmung. Man sollte aber nicht den Fehler machen, in Deutschland durch das Web 2.0 eine Dynamik zu erwarten, wie sie Obama mit seiner Kampange geschaffen hat.

    Kürzlich beim Spiegelfechter – mit dem ich sonst in wenig übereinstimme – eine These gelesen, der ich nur zustimmen kann: Vor einer ähnlichen Entwicklung steht unser Parteiensystem und nicht zuletzt der Parteienproporz.

    Gäb es ne direkte Kanzlerwahl, säh das vielleicht anders aus. Mit von Parteigremien ernannten (und dann noch vom Parteitag bestätigten) Kanzlerkandidaten, ist niemals solch eine Begeisterung und Dynamik an der Basis zu erreichen.

    Die neuen Medien werden neue Akzente setzen. Man sollte aber nicht zu viel erwarten.

  20. Und noch ein Nachtrag: So weit ich das mitbekommen habe, war ein sehr wichtiger Bestandteil der Obama-Kampange loszulassen. Will sagen, die Kontrolle über Teile der Kampange abzugeben. Das Plakat mit dem ikonenhaften Obama-Portrait ist aus so einer Aktion entstanden, wo jemand aus Eigeninitative, ohne Top-Down Strukturen gehandelt aktiv geworden ist und, weil das Ding so populär wurde, es in die offizielle Kampange mit eingebunden wurde.
    Den Mut und diese Flexibilität trau ich wenigen unserer Politiker zu.

  21. Äh ja – ich habe am Anfang darauf hingewiesen, dass man nicht alles übertragen kann. Natürlich haben wir hier auch ein völlig anderes politisches System in der Bundesrepublik Deutschland. Das sollte doch klar sein!

    Aber du würdest mir doch wenigstens zustimmen, dass die Parteien etwas tun sollten, damit sie wieder mehr Bindekraft entwickeln, und dass sie dies auf jeden Fall auch im Internet tun sollten?

    Und das mit dem “Loslassen” halte ich auch ein bisschen für Heldenkult. Die Leut haben bei der Obama-Kampagne ziemlich genaue Anweisungen erhalten, was sie für Obama und Amerika tun können … ^^

  22. Hi Julia,

    ein zweiter kleiner Fehler ist mir aufgefallen.

    Im Satz “Ganz zum Schluss wage einen kleinen Ausblick mit etwas weiterem Fokus.” fehlt ein “ich”.

    Vielleicht hast du ja Lust, den Fehler zu korrigieren.

    Ansonsten ein wirklich gelungener Artikel.

    LG Jörn

  23. @fpk: Auch Obama wurde von einem Parteitag einer Partei als Präsidentschaftskandidat gewählt 😉

    Aber ich stimme der Analyse zu, dass Parteien in Deutschland eine andere Rolle zukommt (Obama baut inzwischen sowas wie “Ortsvereine” auf), dass deswegen Personalisierung anders läuft, und dass deswegen alles, was nur funktioniert, wenn es auf eine Person zugeschnitten ist, eben nicht funktioniert.

    Aber: eigentlich müsste eben genau vor diesem Hintergrund Web2.0 das ideale Medium sein, um Projekte/Themen zu setzen. Wie das genau klappt, muss wohl noch erfunden werden. Aber mit Hilfe des Netzes z.B. den grünen Wahlkampf zu einem “Bürgerbegehren” mit massiver Dynamik für einen “green new deal” oder ein Grundeinkommen (ja, ich weiss, das nicht …) zu machen — sowas könnte ich mir prinzipiell als erfolgsversprechend vorstellen. (Bzw. mich davor gruseln, wenn ich mir die potenzielle rechtskonservative Web2.0-Dynamik zu “Ausländer raus” etc. vorstelle).

  24. Gut, ich hatte ja vorgeschlagen, das “Web 2.0” zu benutzen, um Menschen für Projekte und Aktionen zu motivieren. Wäre das nicht was?

    Dass man Obama nicht 1:1 übertragen kann, nehme ich jetzt mal als trivial an.

    Aber das man diese Technologien (in allen Bereichen, auch bei den Spenden zB) auch sinnvoll in Europa nutzen kann, sollte doch auch klar sein. Man muss es nur auf die Rollen der Parteien abstimmen.

    Ich habe hierzu in dem Artikel Vorschläge gemacht.

    Man könnte es noch genauer differenzieren in “Was Internet für die innere Parteiendmokratie verbessern kann” und in “Wie Politiker mithilfe des Internet besser kommuniziern können” und drittens vielleicht noch “Was Internet zu Transparenz und zu Öffentlichkeit von Inhalten beitragen kann”.

    Noch mehr Vorschläge? Schreiben wir den nächsten Artikel gemeinsam in meinem Wiki?

    😀

  25. @Julia

    nicht nur wenigstens zustimmen, sondern, wie gesagt, bei sehr vielem. Natürlich wird das Netz ne wichtige Rolle spielen und die Parteien sollten es nutzen.
    Die Unterschiede zur anderen Seite des großen Teichs sind aber doch ziemlich groß. Weshalb ich dachte es sei angebracht, noch mal drauf hinzuweisen. Was dort mittlerweile im Netz passiert, dagegen lebt Deutschland weitgehend noch ziemlich 1.0

    @Till

    Auch Obama wurde von einem Parteitag einer Partei als Präsidentschaftskandidat gewählt

    Nachdem er eine Kampange gegen innerparteiliche Konkurrenten gewonnen hat mit Wahlen in allen Staaten. Schon ein enormer Unterschied. Stell dir einfach vor Steinmeier etwa hätte gegen drei oder vier Gegenkandidaten antreten müssen und die Ochsentour durch alle Bundesländer jedesmal mit Wahl durch die gesamte Basis. Wer so ne Kampange mit seinem Kandidaten mitmacht hat ein etwas anderes Verhältnis zu ihm, als der SPDler zu Steinmeier.

  26. Schreiben wir den nächsten Artikel gemeinsam in meinem Wiki?

    Live bei EtherPad ist noch viel 2.0iger 😉

    fpk: Du hast natürlich Recht, dass die Vorwahl die Leute an den Kandidaten bindet. Das kann man in Deutschland nicht nachmachen. Aber wenn du dir mal vergangene Wahlkämpfe anguckst, ist da eine ähnliche personalisierung vollzogen worden. “Zweitstimme ist Joschka-Stimme”, etc. Das schöne ist ja, dass man versuchen kann das auf die SpitzenkandidatInnen zuzuschneiden und gleichzeitig mit gezielten Facebook-Gruppen etc halt auch Leute über die Themen binden kann. JedeR hat ein Thema, dass ihn/sie emotional bindet. Das finde ich auch wichtig, dass das auch stattfindet. Eine inhaltsleere “Change-Kampagne” will ich eigentlich auch nicht!

  27. Ehrlich gesagt hat die Politik bei mir da zunächst die große Hürde zu überwinden, dass mir erstmal wieder das Vertrauen vermittelt werden muss ernstgenommen zu werden. Und dann dauert es wohl noch länger, bis ich Parteipolitik wieder ernstnehmen kann.

    Nicht ernst nehmen würde ich, wenn plötzlich eine offensichtlich outgesourcte und von den eigentlichen Personen abgekoppelte Internet- (von mir aus auch das Wort ohne Bedeutung: Web 2.0-) Klitsche den “Web-Job” macht und irgendwelchen nichtssagenden Müll in Twitter, Facebook und Co kippt.

    Nein: Ich will, dass die Leute das selber machen. Selber kommunizieren, und möglichst nicht nur Einweg-Kommunikation. Solange ich nicht, und jetzt kommt mein Kernaspekt, _Authentizität_ in den Info-Happen sehe, ist mir eigentlich egal, ob die Betonköppe ohne Technologie-Verständnis(-willen) sich bei Anne Will anschreien, was in Twitter machen lassen oder ins Big-Brother-Haus gehen.

    Transparenz und Öffentlichkeit von Inhalten nimmt ein Wähler doch eh nicht ernst. Das einzig halbwegs vertrauenswürdige sind doch die Plenarprotokolle, den Hochglanzkrempel nimmt den Parteien doch eh keiner ab. Natürlich sind Inhalte wichtig. Aber die sind ja zumeist lächerlich beschönigend, ohne konkrete Ansätze, reine Zieldiskussionen im Wolkenkuckucksheim von ein paar Campagneros, die sich einbilden, mit dem richtigen Layout von Publikationen Wählerzuwächse hinzubekommen.

    Ich denke daher, das Web(2.0) bietet vor allem die Chance, sich den Schneematsch beim Flyer-Verteilen zu ersparen. Und es ist ein guter Kommunikationsweg, um immer “nah dran” zu sein. Man darf sich dabei bloß nicht darauf zurückziehen, dass man ja in Wirklichkeit “weit weg” ist.

  28. @ Gregor

    Eine inhaltsleere “Change-Kampagne” will ich eigentlich auch nicht!

    Hm. Frage ist, wie sehr man sich festlgen und konkret werden kann, wenn man mehr als 150 Mio. Menschen hinter sich bringen muss. Der kleinste Nenner ist dann wohl die Begeisterung für ne charismatische Figur wie Obama. Je größer die Arena, desto banaler die Aussage.

  29. […] Kritische Gedanken aus grüner Sicht zu verstärkten dezentralen Netzaktivitäten von Parteien und Politikern insgesamt finden sich übrigens bei Julia Seeliger. […]

  30. katharina körting

    @Hans-Werner, du schreibst: “Ehrlich gesagt hat die Politik bei mir da zunächst die große Hürde zu überwinden, dass mir erstmal wieder das Vertrauen vermittelt werden muss ernstgenommen zu werden.”
    Das klingt verständlich, aber “DIE POLITIK” – die gibt es gar nicht. Es gibt Leute, die sich politisch engagieren, sei es in Parteien, in Bürgerinitiativen, bei attac, als Blogger etc. Diese politisch engagieren sind entwder ganz oben in den Gremien oder ganz unten in den Kommunen – und bewirken viel oder wenig, je nachdem, das hängt immer auch von den anderen Leuten ab, mit denen sie es gemeinsam tun. Und es gibt Leute, die sich nicht politisch engagieren und tatsächlich alles, was “DIE POLITIK” macht, blöd finden.
    Ich meine:
    Nur meckern gilt nicht mehr.
    Je mehr Leute sich in dieser oder jener Form einbringen, desto weniger Leute stehen als selbsternannte Zaungäste in der Tribüne, als ginge sie das alles nicht so viel an, schauen zu, kommentieren wie die Alten in der Muppetshow
    “Und dann dauert es wohl noch länger, bis ich Parteipolitik wieder ernstnehmen kann.”
    Ich schätze, die Sache ist so ernst, wie wir sie nehmen, und wie wir sie zwingen zu sein.
    Niemand hat den Anspruch darauf, dass es jemand anders für ihn gut macht. Warum sollten die Bedingungen zum Politikmachen von alleine besser werden?
    Solange diese Anspruchshaltung so verbreitet ist wie bei uns hier, kränkelt die Demokratie. “Die Politiker” tun, was sie können, und wem das zu wenig ist, der sollte es selbst versuchen. Mitbestimmung ist keine Badewanne. Meckern und Motzen können wir alle ganz wunderbar, selber Hammer und Nagel in die Hand nehmen wäre konstruktiver

  31. Hm. Frage ist, wie sehr man sich festlgen und konkret werden kann, wenn man mehr als 150 Mio. Menschen hinter sich bringen muss. Der kleinste Nenner ist dann wohl die Begeisterung für ne charismatische Figur wie Obama. Je größer die Arena, desto banaler die Aussage.

    Da hast du natürlich Recht. Die Frage ist: will man die Leute um jeden Preis hinter sich bringen? Ich nicht. Obama ist in 8 Jahren eh weg, die Grünen brauchen das Vertrauen der BürgerInnen noch länger! Also lieber das Vertrauen von Leuten wie Hans-Werner zurückgewinnen als kurzfristige “Fans” befriedigen!

  32. @katharina / auch @Gregor:
    Ich bin mir schon bewusst, dass eine klare Verweigerungshaltung herausklingt. Dennoch: Zu den politisch Aktiven gehöre ich auch, und zwar mit Überzeugung der gesellschaftlichen Notwendigkeit eines solchen Engagements. Konkret (wohl aber immer noch zu allgemein) meinte ich schon die Parteipolitik, um die sich der Artikel ja dreht. Lassen wir die Extrem(ist)en mal beiseite: Die Parteipolitik hat bei mir als solche viel verspielt. Sie präsentiert sich eigentlich auch lagerübergreifend methodisch und formell ziemlich gleich. Daher mein Über-einen-Kamm-scheren. Mein Kommentar ist als Ansporn zu lesen, sich als Parteipolitiker ernsthaft mit dem neuen Medium auseinanderzusetzen. Ich sehe als konkretes Problem der Parteipolitik in der Kommunikation zum Wähler nämlich vor allem mangelhafte Authentizität. Was den Wähler doch interessiert ist: Was ist das für ein Mensch, den ich (ab-)wählen soll, was sind seine Werte? Sobald da die entsprechende Kommunikation nach Presse-Klitsche und PR-Fuzzies klingt, kann ich den ganzen Kommunikationsversuch nicht mehr ernstnehmen. An diesem Punkt möchte ich das kurze, aber prägnante Statement von Gregor unterstreichen, dass er eben nicht um jeden Preis alle überzeugen will. Ich unterstelle mal, dass das auch wirklich kein_e Politiker_in will, aber ggf. bereit ist, das als Kompromiss zu betrachten. An diesem Punkt hat sie/er sich aber schon von einem Gutteil an Authentizität verabschiedet. In der Tat wäre ich sicher für ein, zwei Parteien auch wirklich “zurückzugewinnen”.

    Niemand hat den Anspruch darauf, dass es jemand anders für ihn gut macht. Warum sollten die Bedingungen zum Politikmachen von alleine besser werden?

    Nö, da habe ich keinen Anspruch drauf. Es geht nämlich gar nicht um Ansprüche, hat schließlich auch niemand einen Anspruch ‘drauf, von mir gewählt zu werden. Es geht darum, wie man an meine Stimme kommt, wenn man sie will. Mehr nicht.

    Und ich halte ein außerparlamentarisch organisiertes oppositionelles Agieren nicht für Demokratie-schädlich, sondern als ein absolut notwendiges Korrektiv zu eben dem, was ich mir erlaubt habe, allgemein als “Parteipolitik” zu bezeichnen. Deren Mechanismen lassen sich ja vielleicht gar nicht (oder nicht so gut) aus Engagement von innen heraus verbessern, sondern erfordern ja möglicherweise öffentliche Kritik gerade auch von bekennenden Politik-Betriebs-Hassern wie mir :-)

  33. Ja, aber, hier geht es doch gerade um eine Vitalisierung der PARTeIpolitik durch das Web 2.0 :-)

    Wie können Parteien wirklich wieder interessant für Menschen wie dich, Hans-Werner, werden. Wenn es da interssante Mitmach-Möglichkeiten für dich gäbe, zB wirklich via Web einfluss zu gewinnen – wäre das nicht was?

  34. Julia, auf dein kurzes “hoho”: Findste “abwägend” besser? Dann änder ichs gern.

  35. nee schon okay, ist ja deine meinung – finde meinen artikel halt eher “optimistisch”

  36. guter debattenanfang. am rande gefragt zu “Obama 656 Millionen Euro allein an Klein- und Kleinstspenden ein”. Muss es nicht richtig heißen: 53.8 % unter 200 Dollar? Zitat aus opensecrets PM (22.10.08): “For all their influence at the polls, guys like Joe the Plumber aren’t typically campaign contributors. You’re more likely to see John the Bond Trader bankrolling these campaigns.”
    bin da kein experte, nur dieser “obama-mythos” deckt sich nicht so richtig mit den zahlen, vgl zitierte PM.

  37. Ja ja – an den Zahlen hatte der @bueti bei Twitter auch schon Zweifel geäußert, aber ich hatte die in mehreren Quellen zitiert gefunden und auch auf die Schnelle keine anderen gefunden.

    Ansonsten danke für das Lob. Wer macht sich denn da noch so Gedanken darüber, haste mal n paar Links?

  38. Quellen sind auch nicht mehr das was sie mal wahren 😉 Links zu “Zahlen-Obama-Wahlkampf-Finanzierung”?

  39. Also, ich lass’ mich mal auf den

  40. Liebe Julia,

    Du schriebst:

    Über das Internet erreicht man also eine sehr viel größere Zahl an Menschen, dies auf einem bequemeren Weg. Überdies erreicht man die Menschen sehr viel zielgenauer, denn sie kommen freiwillig, entweder, weil sie einen bestimmten Webauftritt mögen oder sie kommen über eine Suchmaschine.

    Ja, das ist wohl so. Die meisten davon kommen freiwillig und nicht zufällig vorbei. Trotzdem darf man hier nicht dem Fehlschluss erliegen, dass man nur noch mit den offensichtlich interessierten sprechen müsse. Dieser Fehlschluss droht ein klein wenig, auch wenn ich ihn dir natürlich nicht unterstelle – man sollte es nur in diesem Kontext betonen.

  41. […] Seelinger, eine netzaktive Grüne, hat gerade einen recht langen Beitrag über Web 2.0 und Wahlkampf aus Sicht von Parteien veröffentlicht. Dort schreibt sie: […]

  42. Trotzdem darf man hier nicht dem Fehlschluss erliegen, dass man nur noch mit den offensichtlich interessierten sprechen müsse.

    Zweifellos, das läge mir fern. Aber ich denke, man erreicht via Web auch Leute, die man vielleicht auf anderen Wegen nicht (mehr) erreicht.

    Zweitens mag ich auch nicht ganz von dem Gedanken ab, dass schon allein neue Kommunikationswege (wenn sie wirklich “offen” stehen!) eine Menge positives Potenzial für die Demokratie freisetzen könnten.

    Aber du hast schon recht, wie geht man auf die Leute zu, die nicht von selbst auf einen zugehen. Da muss man sich halt überlegen, wie man die Leute anspricht, wenn sie auf die “klassischen” Angebote der Parteien nicht abfahren.

    Finde allerdings, dass dies eine ziemlich grundsätzliche Frage ist, die man unabhängig vom Web diskutieren muss. Das gilt genauso für Offline-Strategien, dass sie diesem Anspruch gerecht werden müssen.

  43. Hallo,

    (auf die Gefahr, es bei den 42 (!) Kommentaren hier überlesen zu haben)

    was denkt ihr über das Paar Zentralisierung (Effektiver? Zeit sparend? Übersichtlichkeit?) vs. Dezentralisierung (Freier? Kreativer? Besser?)
    –> wie verhalte ich mich bei Einladungen in neue Netzwerke?

    Politik als Menschen: rückt der/die PolitikerIn näher an den/die BürgerIn? PolitikerInnen haben doch jetzt schon viel zu tun, wenn sie noch ein Webprofil pflegen müssen – weil die Konkurrenz das auch tut – dann bleibt ja noch weniger Zeit sich mal inhaltlich zu bilden… manche PolitikerInnen sind jetzt ja schon 90% Selbstvermarkter :(
    Lösungen?

    Ich denke die Ressource “Zeit” spielt hier eine Rolle… wer sie hat, der hat den Vorteil. Oder?

    nachdenklich… Georg

    PS: nix demokratierevolution… es bilden sich doch immer “hegemonien” (siehe Facebook)

  44. @43: Hallo Georg, könntest Du bitte Deinen Hinweis auf Hegemonien in Hinblick auf Facebook etwas konkretisieren? Was meinst Du mit Hegemonie bei Facebook?

    Interessierte Grüße

    Peter

    @Julia: Glückwunsch und vielen Dank für den sehr informativen Artikel!

  45. Transparenz: Ständige Rechenschaft, das ist doch das Stichwort in deinem Artikel, dass mich gleich angesprochen hat, und das man auch Hans-Werner entgegenwerfen muss oder darf, man muss dies ja nicht gleich so negativ deuten, dass hier wieder Profimedienpromoter alles kaputt machen .Authenzität wird siegen. Julias Blog ist ziemlich authentisch, wenn ich auch nicht immer einer Meinung mit ihr bin. Man sollte Internetdruck erzeugen, damit fast jeder Politiker gezwungen wird, im Internet zu bloggen und sich zu stellen. Da wird sich dann Lüge von Authenzität trennen. Meine Lieblingsfrage an einen Blog von Arbeitsminister,… ääähhhh Entschuldigung Arbeitslosenstatistikfälscher Olaf Scholz wäre doch heute:

    Wie ist es möglich, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Januar 2009 um 704000 sinkt, während die Zahl der Arbeitslosen im selben Monat nur um 386000 steigt. Rätsel.Rätsel. Vielleicht ein Phämomen der Quantenmechanik??

  46. Hallo Julia, sehr interessanter Artikel, nur ein weiterer Gedanke zu den Schattenseiten: Die Nutzung der neuen Möglichkeiten elektronischer Kommunikation darf m.E. immer nur als Ergänzung, nicht als Ersatz für herkömmliche Formen der Kommunikation zwischen Politik und Wähler, auch zwischen Partei und Mitgliedern, genutzt werden.

    Wir sollten bei aller Euphorie immer noch berücksichtigen, dass wir auch (vor allem ältere) Mitglieder/Anhänger/Wähler haben, die modernen Kommunikationsstrukturen nicht folgen können/wollen oder diesen ablehnend gegenüber stehen.

    Aus der Praxis als Kreisgeschäftsführer: Es gibt Mitglieder, die auf eine Mailinfo mit pdf-Anhang antworten, dass man doch bitte nicht so „exotische“ Programme verwenden möge, die ihr PC nicht öffnen kann ;-). Hinzu kommt, dass immer noch so ca. 25% unserer Mitglieder über 50 Jahre nicht per Mail erreichbar sind, weil sie vermutlich keinen Internetzugang (oder keinen PC) haben. In dieser Gruppe (nicht nur bei Mitgliedern auch bei potenziellen Wählern) hilft uns Web 2.0 überhaupt nicht weiter. Deshalb: Trotz Twitter, Blog und Co. den guten alten Brief und den (nicht immer guten) Wahlkampfstand nicht vergessen!

  47. Ich finde es sehr schade, daß auch bei den Grünen Twitter, Facebook usw. anscheinend völlig unreflektiert für den Wahlkampf genutzt werden. Sicherlich erreicht man auf diese Weise auch einige Menschen, die sich anders schwer als Wähler gewinnen lassen. Meinetwegen soll auch weiter Wahlkampf mit diesen Diensten betrieben werden.

    Ich würde aber gerade von den Grünen erwarten, diese Webdienste mit ihren Schwierigkeiten und Probleme auch in der Öffentlichkeit kritisch zu betrachten. Julia sieht immerhin “gute Gründe, sich bei Facebook nicht anzumelden”, hat da aber über 600 sog. “Freunde” (ich weiß allerdings nicht so genau, ob das für Facebook-Verhältnisse viel ist).

    Es ist für mich völlig unverständlich, warum so viele Menschen, die eigentlich auf Datenschutz bedacht sind, diese Dienste anscheinend regelmäßig nutzen. Wäre da ein wenig Konsequenz nicht angebracht?

  48. […] Beitrag der Zeitrafferin Julia Seeliger ist kaum etwas hinzuzufügen. Lesenswert. Wie wird sich Parteipolitik […]

  49. Spannender Beitrag, allerdings möchte ich beispielhaft in einem Punkt widersprechen. Die Spendenbereitschaft hat überhaupt nichts mit dem Web 2.0 zu tun. Hier handelt es sich um national unterschiedliche Phänomene. Die Finanzierung einer Wahlkampagne auch durch hohe Summen von Kleinspendern spielt in Europa keine Rolle, während das Spendensammeln in den USA wichtiger Teil des Wahlkampfs ist. Internetkampagnen haben in den USA den Hauptzweck der Spendengenerierung – die Wählergewinnung über Internet tritt dem gegenüber sogar eindeutig in den Hintergrund. In Europa spielt die Spendensammlung über Internet kaum eine Rolle. Das wird sich auch nicht mit der Weiterentwicklung des Internet (Stichwort “Web 2.0”) ändern, da dieser Unterschied nicht durch mögliches Potential sondern durch politisch-kulturelle Grundeinstellungen bestimmt wird.

  50. Wieso, kann man nicht durch entsprechende Tools und Webangebote – zb Helpedia oder betterplace oder noch ganz andere Ideen (zB andere Software und Web-Tools) das Spenden-Sammeln auch für kleinere Akteure vereinfachen?

  51. Es ist für mich völlig unverständlich, warum so viele Menschen, die eigentlich auf Datenschutz bedacht sind, diese Dienste anscheinend regelmäßig nutzen.

    Ich denke nicht mehr, dass man sich aus sowas konsequent fernhalten kann. Ich zumindest kann das nicht, weil für mich die sozialen Netzwerke auch einen Mehrwert innehaben. Ich setze jetzt eher auf eine selbstbestimmte Steuerung meiner digitalen Identität, soweit dieses möglich ist.

    Da es aber Menschen gibt, die sich nicht bei Facebook anmelden wollen, finde ich es nicht richtig, dorthin in starkem Maße Parteipolitik zu verlagern. Nutzen kann man diese Netzwerke für Campaigning jedoch, bzw. ich finde das richtig. Jedoch soll deswegen ja nicht in Facebook Parteiarbeit gemacht werden, sondern außerhalb. (Im besten Falle: “Öffentlich”, aber auf jeden Fall “so öffentlich wie möglich”)

    Ich finde es sehr schade, daß auch bei den Grünen Twitter, Facebook usw. anscheinend völlig unreflektiert für den Wahlkampf genutzt werden.

    In diesem Artikel gehts nicht primär um Wahlkampf, sondern um das drüber hinaus.

  52. Ich denke nicht mehr, dass man sich aus sowas konsequent fernhalten kann. Ich zumindest kann das nicht, weil für mich die sozialen Netzwerke auch einen Mehrwert innehaben

    Das halte ich für einen sehr wichtigen Aspekt, der in vielen Debatten zum Thema “Web 2.0 vs. Datenschutz” vernachlässigt wird. Natürlich gibt es neue Gefahren durch Online-Portale wie Facebook, aber bei vielen Kritikern habe ich das Gefühl, dass sie den Nutzen ignorieren und Online Social Networking schlicht als Zeitvernichtung sehen.

    Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass die Fähigkeit, digitale Kommunikationsmedien sinnvoll zu nutzen, etwa dieselbe Bedeutung hat wie “klassische” soziale Fähigkeiten wie Gesprächs- oder Präsentationskompetenz.

  53. Der Posaunist

    Ich Sachen Web 2.0 und Twitter, habe ich einen sehr illustren Bericht des Freiburger Satirikers und Kabarettisten Dr. Satori gefunden. Eigentlich sind es mehrere Artikel, die allesamt unter http://www.pseudolus.de angesehen werden können.

    Er übertreibt zwar ungemein, aber “leider” ist seinen Berichten sehr viel Wahrheitsgehalt enthalten.

  54. Naja, sooo schlimm sind diese Sartori-Artikel ja nicht. Und durch die Gestaltung der Seite weiß man gleich, wie die Artikel zu bewerten sind 😛

  55. Sag mal Julia,
    wie bist Du denn drauf? Kritik = Block (#Twitter)? Nicht mal wirklich Kritik. Ist das Kommunikation im Web 2.0? Dann sind Deine ganzen Theorien nur das was ich sehe: Aneinandergereihte Gedanken, die Du selbst nicht nachvollziehen willst. Sorry!
    Gruß
    Ralph

  56. Auch wenn ich sowas wie eine “Politikerin” bin – ich vertrete übrigens die Auffassung, jeder Mensch sollte – nach seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten – die Möglichkeit nutzen, sich politisch einzumischen, also eine Art “Politiker” zu sein – habe ich ja wohl das Recht, mir selbst auszusuchen, mit wem ich auf welchem Kanal kommuniziere. Wenn du jetzt beleidigt bist, ist das nicht mein Problem.

    Du hast überdies keine inhaltliche Kritik an einer politischen Position von mir geäußert, sondern dich abfällig über meine Design-Fertigkeiten geäußert. Deine Ätz-Kommentare kannst du behalten. Ich übe gerade, aber es ist schon ganz gut.

    Ach ja – kommunizierst du im Offline-Bereich mit jedem, der dir blöd kommt? Findest du, dass Politiker das tun müssen? ich finde das nicht.

  57. Hehe, Du hashtaggst #design und ich frage, ob Du nicht eher Baukasten meinst, wenn Du Dir WP-Templates zusammenklickst. Was ist daran falsch?

    Ätz-Kommentar?

    Dass Du Buetis Seite gemacht hast ist doch ok. Finde ich auch nicht schlecht. Du hast Dir Gedanken gemacht und lernig by doing auch im Twitter nachgefragt, wie Du mit Plugins umgehen sollst und in einem Template etwas ein oder ausschalten kannst.

    Du hast Antworten bekommen, die Dir weitergeholfen haben, auch ich habe Dich auf Fehler hingewiesen, als Du highlife die Seite online stelltest, obwohl noch ziemlich buggy (eine heiße Sache, wie ich meine).

    Damit die Antwort nicht völlig OT wird: So wie Du reagiert hast, wirst Du natürlich auch als PolitikerIn reagieren. Wenn unangenehm – dann _block_. Und das widerspricht dann wirklich den o.g Aussagen.

    Also nicht so empfindlich. Austeilen tust Du doch auch ganz gern. 😉

    Und übe schön weiter – Es wird schon!

    Gruß
    Ralph

  58. Vielleicht mal konstruktiv rangehen? Was ist verbesserungswürdig?

    Die Seite sieht recht augenfreundlich aus und funktioniert in den meisten Browsern, ist valide und fast barrierefrei (wir haben kein Transkript zum Youtube-Video bereit gestellt, da würde ich aber abfeiern, wenn die Grünen auch nur an sowas denken würden). Wackeln bei dir die Mittel-Navigationen oder stört dich, dass wir noch keine Datenschutzerklärung geschrieben haben?

    Bisschen konkreter wäre schon sinnvoll, meine ich damit 😉

    Das mit dem “Wie man in den Wald ruft” kann ich übrigens postwendend zurückgeben.

    Übrigens: Das @bueti-Design bitte im entsprechenden Artikel und nicht hier weiterdiskutieren.

    Danke.

  59. Oh mann, ist das langweilig, diese anti-intellektuellen Schnarchnasen von den wozu-brauchen wir-Philosophie-wenn wir-unsere-Gremien[und den Wald]-haben-Gruenen glauben auch noch bei der letzten Trivialitaet (‘facebook ist nicht alles’) es kaeme aus dem Mund eines gebildeten Menschen. Ihr debilen Geistes-Nullstellen, wirklich, dumm wie Brot, tausendmal am Tag.

  60. Ach Andreas Klein, willst du wieder besondere Aufmerksamkeit? Das muss der Grund sein, warum du mir auch bei Facebook Nachrichten schickst.

    Solltest du wirklich am Thema interessiert sein: Kannst du in deiner Kritik evtl. mal konkreter werden? Immer dieses “Julia, du bist spießig wie eine Versicherungsbeamte” et al. nervt echt. Ich würde zwar nicht gerne in einer Versicherung arbeiten wollen, aber ich habe nette Freunde, die sowas machen.

  61. Der Posaunist

    Was sich dieser Kabarettist Dr. Satori nun ich Sachen Natogipfel und Barack Obama geleistet hat, ist nun wirklich sehr grenzwertig. Angeblich sei der Staatsschutz hinter ihm her.

  62. […] Samstag, 4. April, 2009 | Von: Thorsten Wiechmann | In: Politik 2.0| Der folgende Artikel wurde im Original von Julia Seeliger, die als Zeitrafferin blogt, verfasst und veröffentlicht. Er ist unter […]