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zeitrafferin

Julia Seeliger
  • 15. Juli 2009 | 20 Kommentare | Trackback | Internet ausdrucken
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    Die letzten beiden Tage war ich beim Polycamp auf dem Rankenhof in Groß Köris (Google Satellit).

    Ganz normal entspannen: Sonnenbad beim Polycamp

    Ganz normal entspannen: Sonnenbad beim Polycamp

    Das war ein netter, kleiner Kurzurlaub. Es war aber auch mein Anliegen, mal ein paar Menschen, die das Beziehungskonzept “Poly” leben, näher und “in Echt” kennenzulernen. Mir war es auch wichtig, herauszufinden, ob es aus den Reihen der polyamoren Menschen politische Forderungen gibt. Vor einiger Zeit hatte ich in Poly-Foren mal anrecherchiert, ob es politische Forderungen gibt, allerdings keinerlei verwertbares Ergebnis erhalten.

    Nach einigen Gesprächen bin ich nun ein kleines bisschen schlauer: Im Grunde erheben die meisten polyamoren Menschen (im Kontext Familienpolitik) vergleichbare Forderungen, wie sie auch beim Familienvertrag genannt werden. Einige nannten auch noch “mehr Toleranz für Poly-Beziehungen” bzw. “für Beziehungen jenseits der monogamen Zweierbeziehung”.

    Die Stimmung auf dem Camp ist recht angenehm und weniger esoterisch als erwartet. Die Teilnehmenden sind zwischen 15 und ca. 70 Jahre alt, nicht mitgerechnet einige Kinder, die ihre Eltern zum Polycamp begleiten.

    Nach Barcamp-Manier werden von den Teilnehmenden selbst Workshops angeboten – Themen waren bisher “Singen”, “Tango”, “Basteln”, “Massage”, “Body-Painting”. Genauso selbstorganisiert die Küche – jeden Tag kocht jemand anderes, immer ist auch veganes Essen mit dabei. Gestern abend lief “Themroc“, ein krasser, französisch-styliger Film aus den 70er Jahren. Übernachtet wird in Zelten oder (teurer) in den Räumlichkeiten des Rankenhofs – dem “Chalet” oder dem “Bootshaus”. Apropos Bootshaus: Am Ufer warten drei Kanus, ein Ruderboot und ein Tretboot auf See-und-Kanal-Erkundungsreisende.

    Die Meinungen der Anwesenden zu Polyamorie sind vielfältig – die einen sehen Poly als politisch linken Ansatz, sie sehen darin eine grundsätzliche Auflösung des Eigentumsbegriffs. Manche sind pragmatisch – sie wollen sich eine Beziehung zu einem geliebten Menschen nicht durch’s Fremdgehen kaputtmachen lassen, wiederum andere finden diese Lebens-Organisationsform in Netzwerken hochmodern und avantgardistisch.

    Das Poly-Camp (Wiki mit vielen Infos) läuft noch bis zum 19. Juli, es findet auf dem Rankenhof in Groß Köris (Google Map) statt. Der Teilnahmebeitrag für die Übernachtung auf dem Zeltplatz (für eine halbe Woche, also die verbleibende Zeit) beträgt 50 Euro.

    Zum Weiterlesen

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  • 2. November 2007 | 23 Kommentare | Trackback | Internet ausdrucken
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    Mit Freier Liebe hat ja “Monogamie ist keine Lösung” eigentlich gar nicht so viel zu tun. Trotzdem nett, dass die taz das Zitat in ihrem Artikel “Du und ich und ich und er” aufgriff. Da geht’s um Polyamory – das ist, wenn sich mehr als zwei lieben. Und das auf die Reihe bekommen.

    In den USA ist aus den Polyamoren eine kleine Bewegung geworden. Sie fordert rechtliche Gleichbehandlung. Dazu gehören: gemeinsames Sorgerecht für Kinder, Regeln für die Erbfolge, Krankenhausbesuche, alles, was monogamen Paaren eben auch zusteht.

    Auch Karin und Rainer hätten nichts gegen eine rechtliche Gleichstellung mit monogamen Lebensformen. Aber das ist Zukunftsmusik. Einmal hielt Julia Seeliger von der Grünen Jugend eine Rede mit dem Titel “Ist Monogamie die Lösung?”. Das sorgte für ein bisschen medialen Wirbel und war dann schnell wieder vorbei. Und die Landrätin Gabriele Pauli (CSU) verharrte mit ihrem Vorschlag, die Ehe auf sieben Jahre zu begrenzen, beim Konzept der seriellen Monogamie.

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  • 24. Oktober 2007 | 72 Kommentare | Trackback | Internet ausdrucken
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    So meinte ich das nicht mit der Anerkennung “neuer Lebensformen”, liebe Bundesregierung:

    In einer Nacht- und Nebelaktion ist kurzfristig von der Koalition ein Regierungsentwurf zur Reform des Wohngeldes aufgesetzt worden, der es NiedrigverdienerInnen quasi unmöglich macht, in eine WG zu ziehen.

    Die Bundesregierung plant künftig bei der Berechnung des Wohngeldes alle Mitglieder einer sog. Wohn- und Wohnwirtschaftsgemeinschaft heranzuziehen. D.h. künftig werden alle Wohngemeinschaften, von der Alten WG, der Studenten-WG bis zur Berufstätigen-WG das Einkommen potentieller Mitbewohner prüfen müssen. Bei nicht abschätzbaren Armutsrisiken wie Krankheit oder Arbeitslosigkeit werden sie durch die geplante neue Regelung mit in die Haftung genommen. Auch für zu Unrecht erhaltenes Wohngeld eines WG-Mitgliedes sollen sie haften. Diese Strategie der Zerschlagung von modernen Wohn- und Lebensformen ist nicht neu. Schom beim Arbeitslosengeld II hatten SPD und CDU zum 01.08.2006 per “Fortentwicklungsgesetz” die Umkehr der Beweislast bei nicht-ehelichen Lebengemeinschaften eingeführt.

    Rund 10 Prozent der Alleinstehenden leben laut statistischem Bundesamt mit anderen Personen unter einem Dach, sprich in einer Wohngemeinschaft.

    Interessant auch die dazugehörige Bewertung von Markus Kurth (PDF)

    Die Strategie der Zerschlagung von modernen Wohnformen ist nicht neu. Schon beim Arbeitslosengeld II hatten SPD und CDU ab 01.08.2006 per „Fortentwicklungsgesetz“ die Umkehr der Beweislast bei nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften eingeführt. Seither gilt immer schon dann die Vermutung der Bedarfsgemeinschaft, wenn Partner länger als ein Jahr zusammenleben. In diesem Falle wird im SGB II das Vorliegen einer Verantwortungs- und Einstehensgemeinschaft vermutet. Diese kann allerdings noch widerlegt werden. Nach dem Willen der Bundesregierung soll das beim Wohngeld nicht mehr möglich sein sein. Mit der geplanten Reform des Wohngeldes geht die Bundesregierung über das im SGB II geltende Prinzip der Verantwortungsgemeinschaft hinaus.

    Gefunden im Newsletter von Markus Kurth, der immer wieder lesenswert ist. Mehr zu diesem Thema findet sich auch auf Markus’ Webseite.

    Auf Tacheles Sozialhilfe wird zudem kritisiert – Markus kritisierte das kürzlich in einer Bewertung des Vorgangs ebenfalls – dass das Wohngeld seit 2001 nicht mehr an die tatsächlichen Bedarfe angepasst wurde. Das ist nicht nur ungerecht, sondern führt auch zu Fehlentwicklungen.

    Außerdem hat die Bundesregierung nicht die Chance ergriffen, die Wohngeldleistungen zu erhöhen. Die letzte Erhöhung fand 2001 statt. Seither sind die Mieten, insbesondere die Warmmieten deutlich gestiegen. Mit einer Anpassung der Leistungen würde die Bundesregierung auch der zunehmenden Zahl sog. “Aufstocker” im ALG II entgegenwirken, die ausschließlich die sog. Kosten der Unterkunft erhalten. Denn die Wohnkostenhilfe für Erwerbstätige ist eigentlich nicht Aufgabe der Grundsicherung für Erwerbslose. Diese wird jedoch von einer steigenden Anzahl von erwerbstätigen GeringverdienerInnen in Anspruch genommen, da die Kostenerstattung im ALG II als ergänzende Leistung attraktiver ist.

    Diesen (PDF) halte ich für den entsprechenden Gesetzentwurf. Dort findet sich nach Runterscrollen:

    Haushaltsmitglieder Wohngeld Gesetzentwurf

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  • 17. Oktober 2007 | 21 Kommentare | Trackback | Internet ausdrucken
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    Wie nicht anders zu erwarten war, hat mich einer der nachfolgenden AutorInnen kritisiert. Georg Kammerer schreibt in Jungle World 41:

    Allerdings muss man das dem Herren – so Julia Seeliger – nachsehen. Ist doch »›schneller, unverbindlicher Sex‹ für Männer eine attraktivere Option«, während Frauen, die »abseits von Zweierbeziehungen vögeln möchten, (…) das wohl mehrheitlich im Rahmen von ›romantisierten Freundschaften‹« tun. Vor allem das würde ich bezweifeln. Genaue Erhebungen liegen mir ebenso wenig vor wie Frau Seeliger.

    Richtig, der Einwand musste kommen. Ich hatte das vermutet, weil ich – biologistisch oder nicht – der weiblichen Sexualität eine höhere Kompliziertheit unterstelle. Woher kommt denn das Gerede vom vorgetäuschten Orgasmus, und wie häufig tun Frauen das, wie häufig tun Männer das? Ich weiß, dass es auch Fälle gibt, in denen Männer das tun, ich habe davon gelesen. Ohne jetzt irgendjemand zu nahe treten zu wollen: Ja, ich meine, dass die weibliche Sexualität komplizierter ist als die von Männern. Wenn mir hier jetzt hundert supertolle, freundliche, emanzipative, softe, süße, komplizierte, Wimpster-Männer – mehr zu Wimpstern in der “Lust-Zeitschrift” und in der “GQ” – unter diesen Artikel hineinposten: “Hey Julia, ich bin auch kompliziert, wenn ich emotional blockiert bin, kann ich nicht kommen” und dazu noch Statements von (heterosexuellen) Frauen kommen wie “Ach, mein Sexualleben war von Anfang an total unkompliziert, alles total einfach, und vor allem wussten die Typen schon in der Schulzeit super Bescheid!” dann nehme ich das natürlich selbstredend zurück.

    Harte Zahlen, die sich statistisch auswerten lassen, bieten die NutzerInnen-Zahlen in Dating-Börsen. Der geringe Anteil aktiver Frauen dort kann als Argument gelten, dass es in der Tat deutlich mehr Männer als Frauen gibt, die “schnellen, unverbindlichen Sex” suchen. Wenn in solchen Börsen mehr 20 Prozent Frauen aktiv sind, dann gilt das unter Insidern schon als “viel”. Nicht umsonst ist es deswegen üblich, dass Männer fürs Mitspielen zahlen müssen, Frauen aber kostenlos auf die Jagd gehen.

    Immerhin hindert sie die Selbstverständlichkeit, mit der sie die Gründe für die vermeintlichen moralischen Verfehlungen des Autors in seinem Geschlecht sucht, nicht daran, nur wenig später Geschlechterstereotypen als ein gesellschaftliches Hauptübel zu identifizieren. Was dann aber schon wieder relativ egal ist, denn an diesem Punkt sind Seeligers Ausführungen längst zur bloßen Aneinanderreihung von realpolitischen Forderungen und Gratisphrasen zusammengeschrumpft. Sogar für den mittlerweile obligatorischen Linkspartei-NPD-Vergleich findet die junge Grüne noch Platz. Für substanzielle Ideen und Anmerkungen zu Fragen moderner Beziehungsführung leider kaum.

    Nun, es existiert ein Unterschied zwischen Rollenbildern und körperlichen Unterschieden. Männer und Frauen laufen deswegen auch nicht im 100-Meter-Lauf gegeneinander. Es gibt Differenzen, die man anerkennen muss, die Auswirkungen haben, mit denen man im täglichen Leben umgehen muss. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass ohne die Anerkennung dieser Differenzen keine wirksame Gleichstellungspolitik möglich ist; erst dann ist eine produktive Kritik an denjenigen möglich, die behaupten, dass Frauen für den Herd und das Babybett gemacht sind und Männer für die Lohnarbeit.

    Zweitens wurde ich wegen “Monogamie ist keine Lösung” angefragt und wollte auch darüber schreiben. Im Vorgespräch hab ich auch darauf hingewiesen, dass die Parole sozial- und gesellschaftspolitisch aufzufassen ist und nur wenig mit “Freier Liebe” zu tun hat. Das tut mir ein bisschen leid für die Jungle World, aber nächstes Mal beschränke ich mich auf das eigentlich geforderte Thema – versprochen!

    Multimedia: Wimpster bei Polylux

    Der schüchterne Typ auf der Party zu sein, der in der Küche traurig dasitzt, der wird immer jemand kennen lernen …

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