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zeitrafferin

Julia Seeliger
  • 23. März 2010 | 8 Kommentare | Trackback | Internet ausdrucken
    scissors

    Ich war ja dafür, das letzte Panel des Politcamps “Leser-Bashing” zu nennen. Nun ja, ich neige zur Zuspitzung.

    Ich fand das Panel übrigens super.

    Görlach, Bücker, Seeliger, Wenzlaff, @heiko.

    Wir (Alexander Görlach vom Blog The European, Teresa Bücker vom Freitag, Karsten Wenzlaff vom SPD-Mitgliedermagazin Vorwärts, Moderator @heiko und ich) sprachen darüber, bei welchen Themen besonders kontroverse Kommentare zu erwarten sind, wie man auf den einzelnen Webseiten mit der Community umgeht und ob/wann man Kommentare löscht.

    Ich vertrat die Position, dass man sich auf seiner Seite nicht alles bieten lassen muss und dass man dann auch ruhig mal “zensieren” solle. Das war klare Kante und regte auch auf. So lange wir aber bei der taz kein ausgereifteres Communitykonzept als aktuell haben, sehe ich nicht, dass man hier angesichts der Realitäten, die auch Meinungen, die das Gleichheitsprinzip und die Würde des Menschen infrage stellen, einschließen, anders verfahren sollte.

    Am Ende hatte ich noch einen kleinen Disput mit dem Piraten @tauss, wir stritten uns über ein Weizenbaum-Zitat und die Freheit der Presse.

    Das Internet ist ein großer Misthaufen, in dem man allerdings auch kleine Schätze und Perlen finden kann.

    Joseph Weizenbaum, Computergesellschaftskritiker


    Foto: Thomas Vogt/CC-BY


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  • 23. März 2010 | 7 Kommentare | Trackback | Internet ausdrucken
    scissors

    Avantgardistisch der Politcamp-Workshop mit Kontrollverlust-FAZ-Blogger @mspro zum Thema “Gruppen und Demokratie”. Der genaue Titel ist mir entfallen. @mspro definierte Gruppen (abgeschlossen, Regeln, …) und kam dann zu seiner These von der “Verteilten Realität”.

    Distributed Reality.

    Damit ist etwas gemeint, was ich für die persönliche Kommunikation absolut unterschreiben kann und auch schon in unterschiedlichen Umständen ebenfalls als These gebracht habe, ich nannte es aber “individualisierte Kommunikation”.

    Die Facette Freundeskreis

    Ich finde, jeder kann sich seine eigene Facette Freundeskreis modellieren. In der Praxis funktioniert das zum Beispiel über Spamordner, Twitter-Blocks, /ignore-Funktionen und andere derartige Aktionen. Sprich: Ich mache mir meinen eigenen Freundeskreis, und mit wem ich nicht reden möchte, mit dem muss ich auch nicht reden. Und es gibt ja auch stärkenorientierte Möglichkeiten.

    Das führt dann durchaus zu einer Auflösung von Gruppen, denn jedes Individuum hat seinen eigenen, selbst (durch Blocks und Favoriten) definierten Kreis, mit dem es kommuniziert. Hier hat das Netz etwas Neues möglich gemacht (gleichwohl ist auch richtig, dass es “früher” nicht notwendig war, sich mit Argumenten, die aus dem gesamten weltweiten Netz kommen, auseinanderzusetzen). Dennoch.

    Mein Dissens mit @mspro fängt bei seinen beiden anderen Beispielen an, die er über die persönliche Kommunikation hinaus nannte.

    Individualisierte Wahrheit

    Zum einen habe ich ein Problem mit individualisierter Wahrheit. @mspro nannte die Wikipedia – er stellte die These in den Raum, dass man doch einfach einen “Fork” – das ist eine Art Abzweigung, man kopiert den Artikel und schreibt ihn selbst auf einem anderen Server weiter – machen solle, wenn einem die in einem Wikipedia-Artikel genannten Wahrheiten nicht gefallen würden.

    Daran stört mich zum einen der Relativismus: Es gibt Fakten, die man verifizieren kann. Zum anderen finde ich eine solche Herangehensweise im Grundsatz neoliberal, es wird nur noch auf den Aufmerksamkeits-Markt gesetzt.

    Zum Glück funktioniert die Wikipedia so relativistisch genau nicht: Sie ist eine Enzyklopädie, sie ist keine Demokratie und schon gar nicht ist sie ein Markt. Über die in der Wikipedia genannten Fakten wird nicht abgestimmt, sie müssen vielmehr belegt werden.

    Demokratie braucht Fakten

    Die Übertragung des radikalen Individualismus bzw. die völlige Auflösung von Gruppen auf Demokratie bereitet mir noch mehr Sorgen. Man würde in einem solchen System sicherlich zu einer weniger wahrheits- und rechenschaftsbezogenen Form von Politik kommen. Charismatische Strömungen, die auf Gefühle setzen, könnten hier mehr Auftrieb bekommen.

    Geld, Interessen, Macht

    Zum Dritten sind demokratische Entscheidungen ein hartes Ringen um Interessen. Oftmals steht viel Geld auf dem Spiel, wie zum Beispiel bei der Frage, wie hoch der Hartz-IV-Satz sein soll oder ob die Macht der großen Energieunternehmen beschnitten werden soll.

    Viertens lassen sich Prozesse und Geldflüsse bei einem solchen individualisierten Modell schwerer transparent machen. Als Beispiel mag dienen, dass die Parteienfinanzierung klaren Vorgaben unterliegt. Schwieriger wird es schon bei den Bürger- und Volksbegehren. Schon hier lässt sich kaum herausfinden, wer die jeweilige Kampagne finanziert.

    Widerstreitende Positionen sind in @mspros Modell aber wohl kaum durchdacht. Das gipfelte in dem Witz “Unfollow the Police” (erdacht von @sebaso @moeffju und mir). Analog: “Unfollow the StVO”. Es geht nicht, dass sich jeder seine eigene grüne Ampel macht – für Geld und Gewalt hat sich mir in dem ansonsten aber sehr spannenden und unterhaltsamen Workshop keine Lösung präsentiert.

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  • 23. März 2010 | 7 Kommentare | Trackback | Internet ausdrucken
    scissors

    In der Woche vor dem Politcamp fand für mich das Thema “Wie wollen wir arbeiten?” auch bei der taz statt. Wir hatten eine kleine Debatte zur “Digitalen Bohème”. Dass das Thema dann im aktuellen SPIEGEL weiter diskutiert würde, wussten wir nicht. Passend weiter ging es auf dem Politcamp.

    Lumma, Böhning, Sooth, Seeliger, Plöger (von links).

    Hier diskutierten wir (Björn Böhning, Nico Lumma, Peter Plöger, Sebastian Sooth und ich) darüber, ob das Netz ein freieres Arbeiten ermöglicht, ob Freiberuflichkeit mehr Selbstbestimmung bedeutet und was in einer immer mehr flexibilisierten Arbeitswelt für sozialstaatliche Voraussetzungen geschaffen werden müssen. Besonders im Blick hatten wir die Kreativarbeiter/innen, sprich: die so genannte “Digitale Bohème”.

    Es ist aus meiner Sicht so, dass das Buch “Wir nennen es Arbeit” – das faktisch den Begriff der digitalen Bohème prägte – und die darauf folgende Mediendebatte zwar eine Menge Aufmerksamkeit erzielt haben, harte sozialpolitische Forderungen für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Freiberufler aber nicht entwickelt wurden. Zwar wird in dem Buch, wenn ich mich recht erinnere, durchaus so etwas wie eine gute Kinderbetreuung gefordert. Wirkliche Vorschläge zur Überwindung prekärer Arbeit bei Kreativarbeitern werden aber nicht gemacht.

    Genannt wurden in unserem Panel Folgendes (bitte um Ergänzung):

    • Interessenvertretungen (Beispiel: Aktion Butterbrot)
    • Einbeziehung von mehr Menschen in die Künstlersozialkasse und Steuerzuschuss hierfür (finde ich problematisch)
    • Grundeinkommen (finde ich problematisch)
    • Anerkennung der Tatsache, dass selbstbestimmtes Arbeiten wichtig und möglich ist – für Freiberufler und Festangestellte
    • Anerkennung der Tatsache, dass das Netz als Infrastruktur Arbeit grundlegend ändert
    • Motivation, das Thema weiter zu verfolgen

    Von manchen wurde gesagt, dass “ja nur gelabert wurde” und dass kein Ausweg genannt wurde. Das liegt aus meiner Sicht daran, dass bisher noch kein Ausweg für einen gerechten Sozialstaat in einer zunehmend flexibilisierten Arbeitswelt – das ist in den Nachrichten zu lesen und mit Zahlen belegbar – gefunden ist.


    Foto: Thomas Vogt/CC-BY


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