Julia Seeliger
  • Wrangelkiez abermals unter Beschuss

    0
    21. May 2008 | Trackback | Internet ausdrucken
    scissors

    Auf Grund offenbar abermals aufflammender Vorurteile gegen den Wrangelkiez dokumentiere ich hier die Stellungnahme der Schülervertretung des OSZ Handel in der Wrangelstraße. Hart trafen die Schüler/innen die abermals aufflammenden Vorurteile gegen ihren Kiez nach den gestrigen Geschehnissen. Das OSZ musste von der Polizei geräumt werden, weil man dort – nach einem anonymen Anruf – einen Amokläufer vermutete.

    Stellungnahme der Schülervertretung des OSZ Handel I in der Wrangelstr. zu den Vorfällen vom 20.5.08

    Das OSZ Handel I hat sich in den letzten Jahren durch verschiedene Projekte einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Diese Projekte befassten sich im Kern mit der Stärkung der Demokratie, Förderung von Toleranz und ein interkulturelles, friedliches Miteinander und wandten sich gegen jegliche Form von Rassismus, Diskriminierung und Gewalt.

    So wurde unsere Schule 2007 zur „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage”. Dieses war nur möglich, weil sich eine große Mehrheit der SchülerInnen und LehrerInnen hinter die Grundsätze des Projektes stellten und viele sich an der Umsetzung beteiligten.

    Auch in diesem Schuljahr fand wieder ein SoR-Projekttag statt, der sehr erfolgreich war und von allen SchülerInnen mitgetragen wurde. Die SchülerInnen setzten sich an diesem Tag in unterschiedlichen Workshops unter anderem mit den Themen Mobbing, Homophobie, Antisemitismus und Leben in anderen Kulturen auseinander.

    Zudem wurde im Zuge der erneut aufgeflammten Jugendgewaltdebatte von der SV eine Unterschriftensammlung zu der Aussage „Ich bin gegen Gewalt und Diskriminierung und für ein tolerantes und friedliches Miteinander” durchgeführt.

    Ziel war es, zu zeigen, dass wir eine Schule mit vielen verschiedenen Nationen sind, die einen friedlichen Schulalltag miteinander erlebt und sich gegen die Stigmatisierung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund stellt. Dieses Engagement wurde auch von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries während einem Besuch am OSZ gewürdigt.

    Alle Projekte wurden in der Presse lobend erwähnt und stießen in Berlin auf reges Interesse und trugen dazu bei, dass der „Wrangelkiez”, der als Problemkiez gilt, ein großes Stück lebens- und liebenswerter wurde.

    Umso härter treffen uns die Geschehnisse des gestrigen Dienstag und deren unabsehbaren Folgen für unsere Schule, da sie durch eine teilweise fragwürdige Berichterstattung in ein negatives Licht gerückt wurde.

    Unser Dank gilt der Schulleitung und auch der Polizei, die alles machbare dafür tat, um die SchülerInnen zu schützen.

    Die Evakuierung des Gebäudes verlief reibungslos und war den Umständen angemessen. Das Verlassen des Geländes war aufgrund der Tatsache, dass die SchülerInnen dieses nur einzeln verlassen durften, zwar unangenehm, jedoch wichtig, da der Verdacht bestand, dass sich der mutmaßlich bewaffnete Mann unter den SchülerInnen befindet.

    Dass nun eine psychologische Betreuung durch Fachkräfte angeboten wird, erscheint uns sinnvoll und angemessen.

    Da noch keine genauen Informationen zum Hergang bekannt sind, äußern wir uns noch nicht zu konkreten Plänen der SV im Umgang mit dem Geschehenen. Sicher ist jedoch, dass dies in der weiteren SV-Arbeit nach Gesprächen mit der Schulleitung eine wichtige Rolle spielen wird.

    Bei Rückfragen stehen wir Ihnen selbstverständlich jederzeit zur Verfügung!


    Einsortiert: bildung, multikulti, vielfalt
    Verschlagwortet:

  • auch noch zum Thema




Comments are closed.