Julia Seeliger
  • Popkomm: Anti-DRM-Aktion bei SonyBMG

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    24. September 2007 | Trackback | Internet ausdrucken
    scissors

    Folgender Text ist übernommen aus netzpolitik.org. Ich hab übrigens auch schon bei der letzten Aktion mit dem Kopierschutz-DRM-Banner mitgemacht.

    Auf der Popkomm haben wir heute mit unserem großen “Kopierschutz entmündigt“-Banner eine kleine Aktion am SonyBMG-Stand gemacht. SonyBMG kooperiert bisher nicht mit Anbietern, die ihren Kunden Musik-Downloads ohne Restriktionen und Kopierschutz anbieten wollen. Hierfür würde sich das MP3-Format anbieten. Wir raten daher zu einem Boykott von SonyBMG-Musik, die mit Kopierschutz ausgeliefert wird. Die Firma Sony war verantwortlich für das Rootkit-Desaster, wo Millionen CDs mit Schadsoftware ausgeliefert wurden. Gleichzeitig ist Sony einer der größten Hersteller von Hardware mit eingebauten Kopierschutzsystemen.

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    Praktischerweise waren zum Zeitpunkt der kurzen Aktion u.a. ein ARD-Kamerateam und ein dpa-Fotograf anwesend. Mal schauen, ob was in der Tagesschau kommt. Die vier Bilder gibt es auch in einem hochauflösenden Format (1 / 2 / 3 / 4). Diese können gerne kostenfrei mit Quellenangabe “netzpolitik.org” verwendet werden.

    Und hier gibt es gibt es noch etwas programmatischen Hintergrund zur Aktion: Kopierschutz entmündigt!

    Hier gibt es mal fünf kurze Punkte, weshalb man sich kritisch mit dem dort beworbenen Themen DRM / Kopierschutztechnologien auseinander setzen solltest.

    Warum solltest man sich Gedanken darüber machen?

    1) Man verliert die Kontrolle über die eigene Hardware. Die Kontrolle über den eigenen Computer und elektronischen Geräte übernehmen die Anbieter der DRM-Systeme. Diese können das Medienverhalten der Konsumenten einschränken und überwachen. Und Nutzern jederzeit den Zugriff auf die erworbenen Medien entziehen. Schau mal in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

    2) Man verliert traditionelle Verbraucherrechte. Man verlierst das Recht, die erworbenen Medien zu verkaufen oder zu verleihen. Man ist oft nicht mehr in der Lage sein, Privatkopien anzufertigen oder die eigenen Medien mit Freunden und Familie zu teilen.

    3) Man sollte sich Sorgen um die eigene Privatsphäre machen. Wer möchte schon, dass eine detaillierte Übersicht über das eigene Medienverhalten ähnlich gespeichert wird, wie die Telefonrechnung? Auf den Servern von Firmen, die man nicht kontrollieren kann und ggf. mit dem Zugriff durch Sicherheitsbehörden? Wo Data-Mining Programme mehr über eine Person herausfinden können, als man denkt? Will man, dass die Musikindustrie weiss, wann man im Schlafzimmer Kuschelrock hört?

    4) DRM-Infrastrukturen eigenen sich hervorragend zur Zensur. Mit denselben Systemen, die hier den Medienkonsum kontrollieren wollen, können in z.B. China auf allen Rechnern die Wörter “Demokratie” oder “Dalai Lama” zensiert werden.

    5) Kopierschutz und DRM-Infrastrukturen sind teuer und müssen von irgendwem bezahlt werden. Die Rechnung ist ganz einfach: Man zahlt als Verbraucher höhere Preise und die Künstler bekommen weniger Einkommen.

    Kopierschutz entmündigt Verbraucher in ihrem Medienkonsum. Man kann die Macht als Verbraucher nutzen und diese Technologien einfach boykottieren!

    Kopierschutz ist liberal?

    Sony hat heute auch auf der Popkomm eine Kooperation mit Musicload beschlossen. Dazu gibt es eine, in der Argumentation etwas merkwürdige, Pressemitteilung:

    Joachim Franz, Vice President Musicload, zur Kooperation: „Wir begrüßen die Entscheidung von Sony – einem der weltweit bedeutendsten Hersteller von Musikplayern – seine mobilen Endgeräte für das Audioformat WMA zu öffnen. [...]„Einheitliche Standards sind hierfür ein entscheidender Faktor.“ Aus diesem Grund setzt Musicload verstärkt auf Kooperationspartner, die neben dem kopierschutzfreien MP3-Format auch mit dem weit verbreiteten und liberalen DRM von Microsoft arbeiten.

    Das Windows-Media-Audio-Format enthält sogenanntes Digitales-Rechtekontroll-Management (DRM) und ist unserer Meinung nach überhaupt nicht liberal, sondern ganz im Gegenteil: Es entmündigt Konsumenten bei ihrem Musik-Konsum.

    Eine ähnliche Aktion hatten wir im vergangenen Jahr schonmal anlässlich der IFA in Berlin gemacht: Kopierschutz entmündigt!


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8 Responses to “Popkomm: Anti-DRM-Aktion bei SonyBMG”

  1. Ja, sicherlich, Kaufmusik sollte DRM-frei sein, um im Vergleich mit den Mitbewerbern (Tauschbörsen), die seit jeher DRM-freie Musik im Angebot haben, mithalten zu können.

    Aber warum gerade MP3? Dieser Codec ist patentbehaftet und total veraltert. Frei von Patenten ist z.B. die OGG-Familie, während der moderne Nachfolger von MP3 bei gleicher Dateigröße wesentlich verlustfreier komprimiert. In letzterem Format verkauft z.B. Apple im iTunes-Store DRM-freie Musik, aber eben nicht von Sony, die das nicht wollen und sich damit richtig viel Umsatz entgehen lassen.

    Man gewinnt echt den Eindruck, dass manche Musikfirmen lieber mit Abmahnungen ihr Geld verdienen, als damit, den Kunden einfach das zu verkaufen, was diese kaufen wollen.

  2. Man gewinnt echt den Eindruck, dass manche Musikfirmen lieber mit Abmahnungen ihr Geld verdienen, als damit, den Kunden einfach das zu verkaufen, was diese kaufen wollen.

    Meine Rede! Die Musikindustrie sollte sich wirklich endlich wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren – nämlich gute Musik herausbringen und diese in guter Qualität an die Kundinnen und Kunden zu verkaufen, und zwar mit einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell! Eine Möglichkeit ist hier die von Fairsharing und auch den Grünen vorgeschlagene Abgabe auf Internetzugänge, eine Art “Kulturflatrate”.

  3. Die trauen sich das aber nicht. Weil die denken, dass dann niemand mehr Musik kauft. Oder wesentlich weniger als jetzt. Dabei gibts nichts schöneres als ein physisches Stück Musik in Händen zu halten. Zumindest wenn man die Musik mag.

    Wie bewegt man diesen Koloss MI jetzt in eine andere Richtung? Konsumverweigerung ist ein erster Schritt. Aber wenn niemand mehr kauft, sind ja immer die Piraten schuld. Und dann wird noch mehr abgemahnt. Und irgendwann kauft niemand mehr und tauscht auch niemand mehr. Was machen die dann mit der Musik?

  4. ..bemerke dies: jede Art von Daten-reduzierter Musik klingt im Grunde genommen scheisse, Datenreduktion ist etwas fuer HipHop-Kiddies in der U-Bahn und Mathematiker an der TU. Ich erinnere mich, schon in den achtziger Jahren der Digitalisierung der Musik nichts abgewonnen zu haben, CD’s klingen nach wie vor seelenlos und duerr, selbst nicht-datenreduzierte Kopien sind ein schepperndes Inferno. Ich bevorzuge Vinyl aus Antiquariaten oder Vinyl-Direktimporte, gerade bestellte ich diese wunderbare Doppel-LP einer wunderbaren Berliner Band mit einer noch viel wunderbareren Saengerin direkt aus Kalifornien in jenem kleinen Platten-Laden in der Pueckler-Strasse, schlappe 24 euro und der Inhaber war gluecklich.

  5. Tja, Klang ist immer subjektiv – und neulich las ich noch, dass selbst Wissenschaftler nun sich ganz und gar nicht einig darüber sind ob Vinyl nun wirklich besser ist oder ob unser Gehirn uns das nur einfach impliziert…
    Es ist ja schön, wenn man Vinyl mag, das generelle Abkanzeln weil man meint alleinige Weisheit zu besitzen sehe ich immer als sehr kritisch an. Zwar gibts viele Künstler, die wieder auf Vinyl veröffentlichen, aber das sind nun längst nicht alle. Zudem sind zwar auch einige Netzlabels durchaus in der Lage schöne Vinylplatten herzustellen, das Meiste aber was dort veröffentlicht wird sind nun mal MP3s. Und den Vorteil meine Musiksammlung unterwegs anzuhören möchte ich nun mal nicht missen. Bei Klassik mag das MP3-Format seine Nachteile haben, sicher. Gerade in dem Bereich wird auch mehr Vinyl und sogar mehr CDs verkauft – ohne Kopierschutz übrigens, wie seltsam, das sollte doch gar nicht gehen wenn die Komponisten so lange schon tot sind und die Werke gemeinfrei im Netz…
    Ogg-Vorbis hat sich nicht durchsetzen können weil kaum ein MP3-Player – pardon – Tonwiedergabegerät das Format abspielen kann. Beim Kauf muss man sich also schon mal darüber informieren, ob das Teil dass auch kann – ebenso wie nicht alle WMA, AAC oder AACplus abspielen können, von FLAC mal ganz zu schweigen was immerhin noch ein Format wäre…
    MP3s haben sich halt durchgesetzt, weil sie einfach und schnell im Netz verbreitet werden konnten und können, die meisten Softwareabspieler das Format problemlos abspielen können – ebenso wie die überwiegende Zahl der Hardware-Geräte – und weil damit Musik, abgesehen mal von der Kassette für den mobilen Zugang erschlossen wurde.
    Na ja, ich bin ja auch nur ein “Hiphip-Kiddie” – I’m in ur attitude…
    Ad Astra

  6. Zum Thema: http://www.golem.de/0709/54912.html
    ”Studie: DRM-Systeme verstoßen gegen Datenschutzgesetze”

  7. Prospero, das ganze hatte eher die Farbe von Ironie- um das etwas auszuwetzen, koennte man bemerken, dass es das gute Recht eines Profit-orientierten Proll-Labels wie Sony BMG ist, seine Kunden zu schroepfen, man koennte hier wie Christoph sprechen: wer dort produziert oder konsumiert, ist eben selbst schuld, der Markt koennte solche Dinge regeln, denn in Wirklichkeit ist es doch nur gerecht, dass schlechter Musikgeschmack und der Proll im Hirn auch zuenftig bestraft werden. Scheiss-Musik zum hohen preis, sozusagen. Umgekehrt ist es nur gerecht, wenn lebende Kuenstler, aber die finden sich ja bei Sony-BMG nicht, auch gerecht entlohnt werden und nicht staendig daran denken meussen, wie sie ihre naechste Stromrechnung bezahlen, denn wirklichen Kuenstlern geht es ja i.A. genau so.

    Nur um den hier verwendeten Begrif ‘wirklicher Kuenstler’ nach unten hin abzugrenzen: ich kannte einmal eine Frau, sie war die juengere Schwester eines alten Schulfreundes, die jahrzehntelang in ihrer kleinbuergerlichen Berliner Vorstadtwohnung zubrachte und ein Mauerbluemchen-Dasein fristete-wogegen ja zunaechst mal nichts, oder nur wenig, einzuwenden ist- diese Frau aber bekam irgendwann mit, dass nur wenige Kilometer von ihr entfernt, genauer gesat: in Prenzlauer Berg, die Prollbewegung und der stupide Markt begonnen hatte, die Alternativkultur in etwas widerwaertiges zu transformieren, sie begriff sofort was zu tun war: sie liess sich ihre nicht ganz gerade Nase operieren und sprach hernach in Dutzenden ‘castings’ diverser Unterhaltungsindustrieunternehmungen vor und siehe da: sie wurde entdeckt, zog sich fortan wie eine (noch dazu bilige) Prostituierte an, pflasterte in diesem Zustand diverse Sony-BMG-cover und Zeitschriften-Rueckseiten und wurde im Duo (wenn ich micht nicht taeusche: ‘two&two’) mit einem Menschen, der noch um Groessenordnungen weniger Charisma oder Faehigkeiten aufwies als sie (was nicht ganz leicht war), zum Star. Heute studiert sie BWL.

  8. ..sorry, das Duo heisst: ‘two in one’, wie konnte ich das verkennen, ich dokumentiere das an dieser Stelle (ein radikaler Kopierschutz haette uns schon an dieser Stelle vor vielem bewahrt):

    http://vids.myspace.com/index.cfm?fuseaction=vids.individual&videoid=8935446