Julia Seeliger



5 Responses to “Fürs Klima, fürs Huhn, für den Bauch: Bio”

  1. Ja, die Bewußtseinsbildung, was unter dem Schlagwort “Bio” eigentlich noch alles zusammen kommt, fehlt den meisten Mainstream-Medien total. Daher finde ich Deinen Hinweis richtig & wichtig, weil er eben nicht nur das Produkt, sondern auch die Produktionsrahmenbedingungen als wichtigen Bestandteil von “Bio” hervorhebt.

    Die Reduktion auf “schmeckts besser oder nicht?” überspielt nach wie vor die Tatsache, daß die konventionelle Landwirtschaft fröhlich ihre Gifte ausbringt, die komischerweise keiner pur essen würde, aber im Sinne des “Pflanzenschutzes” ja unumgänglich sein sollen.

    Leider ist auch vielen Mainstream-Bio-Käufern nicht klar, was sie mit ihrem auf “hauptsache Bio” verengten Einkaufsverhalten anrichten. Ich kannte mal jemand, die nur in den Biosupermarkt ging, weil es dort so “billig” wäre, sie wollte auf keinen Fall in ein Naturwaren-Fachgeschäft. Weißmehlbrötchen waren ihre Lieblinge in dem Laden …

    Auch die Transportproblematik bei nicht-regionalen Produkten ist vielen relativ schnurz. Am meisten regt mich allerdings der Verpackungswahn bei Kosmetik- und Körperpflegemitteln im Naturwarenbereich auf, wo immer mehr aufwendig gestaltete Umverpackungen auftauchen, die meinen Papiermüll fröhlich vergrößern. Früher konnte ich einfach eine Tube Zahnpasta kaufen, heute ist ein Karton drumherum. Genauso bei Rasiercreme, Gesichtswasser und anderen Produkten.

    Kurzum – das wesentliche Konzept einer Annäherung der Naturwarenbranche an den Mainstream-Kunden mit all’ seinen angezüchteten Macken kann nicht darin liegen, daß man sich stets nur nach unten anpasst, auch wenn das in den letzten Jahre immer häufiger der Fall ist. Eine Verbreiterung der Kundenbasis sollte nicht zu Lasten derer gehen, welche die Branche jahrzehntelang die Treue gehalten haben und sie überhaupt erst ermöglicht haben.

  2. uh, oh, Julia, was würden nur die Veganer zu deinen ‘die koennen auch mal ins Gruene’-Reflektionen sagen, ich dachte du bist ohnehin semi-Vegetarierin, du koenntest evtl. einmal eine Diskussion über Fischarten, die unter Tierschutz-Aspekten vertretbar konsumiert werden koennen und solche bei denen dies nicht der Fall ist, bringen, das ist tatsaechlich um einiges weniger klar zu formulieren.

  3. > Am Freitag wurde ich von Radio Teddy, einem privaten Kinderradio, zu Bio-Essen interviewt.

    Wie auf deren Website zu sehen, wurden auch Food Nannies wie Künast und Wiener interviewt. Da dürftest du dich positiv abheben.

    > aber muss es denn auch jeden Tag Fleisch sein?
    > aber wer braucht Frühkartoffeln und Spargel im März?

    Ist halt Geschmackssache. Gut ist, wenn man die Möglichkeiten dazu hat.

    > Wer Gemüse isst, das “jetzt” in der Region wächst, isst eben auch Gemüse, das nicht so weit hergebracht wurde

    Global konsumieren heißt auch, über den den Tellerrand der eigenen Scholle hinauszublicken. In die dörfliche Agrarromantik sollte man nicht abgleiten. Ich will nicht aufstehen, wenn der Hahn kräht.
    Und Produkte aus der Nachbarschaft sind nicht per se besser als Produkte von einem anderen Kontinent.
    Weder eine bananlose DDR noch Konsumnationalismus/-regionalismus erscheinen mir erstrebenswert.

  4. Lieber Christoph,

    ich habe mit Bedacht darauf hingewiesen, dass auch Ananas mal sein “darf”. Wenn die Transportkosten bzw. die ökologischen (und auch natürlich die sozialen) Folgekosten des Transports in der Ananas internalisiert würden, dann hätte ich überhaupt kein Problem damit, jeden Tag Ananas zu essen.

    Lieber Andreas,

    ich habe schon früher mal auf den Fisch-Planer von Greenspeace hingewiesen. Da steht alles zu den verschiedenen Fischsorten, und welche bedroht sind.

  5. ” Wenn die Transportkosten bzw. die ökologischen (und auch natürlich die sozialen) Folgekosten des Transports in der Ananas internalisiert würden, dann hätte ich überhaupt kein Problem damit, jeden Tag Ananas zu essen.”

    nun ja, unabhaengig davon- und das ist kein Argument der regionalen Mystik- ist nicht jede potentielle Folge taeglichen Ananaskonsums durch ‘internalisierte Folgekosten’ kompensierbar, einen Blick auf die CO_2-Bilanz etwa des eigenen Tuns zu werfen scheint mir durchaus nicht zwangslaeufig mit Konsumnationalismus zu korrelieren. Tatsaechlich ist es ja so, dass auf Tagungen von Klimaforschern sogenannte CO_2-Klingelbeutel herumgereicht werden, in die jeder seinem Gewissen und seiner Fluglaenge entsprechend, Ablass entrichtet, Schellnhuber kommt auf ein Saldo vom 100 (in Worten: einhundert) Fluegen jaehrlich, was im Zeitalter der elektronischen Kommunikation in der Wissenschaft ziemlich nahe an purem Zynismus ist. Es ist ziemlich schwierig, sich vom Regionalitaetswahn einiger Kreise abzugrenzen, ohne in das Gegenteil zu verfallen, das scheidende Moment ist vielleicht der Rationalismus, solange es also gute rationale Argumente dafür gibt, tendenziell regionaler zu kaufen, sollte man es evtl. auch tun. Solange man keine ‘Regionalfeste’ mit Blasmusik und Goethe-Lesungen a la Anthroposophen veranstaltet, liegt man evtl. noch im ‘sicheren’ Bereich.