Julia Seeliger
  • Rauchverbot: Die grünen Nannies

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    5. July 2010 | Trackback | Internet ausdrucken
    scissors

    Es macht ja nicht immer Spaß, Mitglied der Grünen zu sein. Zum Beispiel im letzten Jahr, als sich 15 Bundestagsabgeordnete bei der Abstimmung um die Netzsperren enthielten. Ohne zu wissen, worum es eigentlich ging – aber die Kinder, die Kinder!

    Jetzt wieder so eine Aktion: In Bayern unterstützte man ein Volksbegehren zum Nichtraucherschutz – dieses war gestern erfolgreich und Bayern bekommt jetzt das härteste Rauchverbotsgesetz Deutschlands. Und der bayerische Landesvorsitzende Dieter Janecek, eigentich ganz nett, aber auch schon durch schwarz-grünes Geflirte, strategisch mangelhafte Initiativen auf dem Bundesparteitag (Rostock) und durch Sympathie für Regionalgeld aufgefallen, twitterte gestern abend

    Wenn der #Volksentscheid heute erfolgreich ist, wirds Zeit für konsequenten #Nichtraucherschutz in ganz Deutschland. Auf gehts!

    Heute morgen bei Facebook sprach er schon von ganz Europa. Und morgen dann .. nun ja.

    Inzwischen haben mehrere Landesverbände bzw. Fraktionen der Grünen, unter anderem Rheinland-Pfalz, NRW, Sachsen und Thüringen angekündigt, ebenfalls solche Volksbegehren für totale Rauchverbote anzustoßen oder sich an ihnen zu beteiligen. Das Elend geht also weiter.

    Dass man sich bei dem bayerischen Vorbild-Volksbegehren mit Spinnern, die in ihrer quasireligiösen Art mit Abtreibungsgegnern vergleichbar sind, gemein gemacht hat – geschenkt. Man wird sich am Infostand schon verstanden haben, denn man hatte ja das gemeinsame Ziel eines harten Rauchverbotsgesetzes ohne Ausnahmen. Erfolgreich euphemisiert heißt das bei denen ja auch nicht “Rauchverbot” sondern “Nichtraucherschutz”.

    Leider sind viele Grüne beim Thema Rauchen so drauf, dass sie schnell schon mal das richtige Maß verlieren. Auch der zuständige Fachpolitiker im Bundestag, der drogenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Harald Terpe. Er (oder sein Büro) twitterte gestern als Antwort auf

    @korbinian: nein. ich will clubs und kneipen wo dem hedonismus und der gesundheitsschädigung gefrönt werden darf

    @terpeundteam: Dann mußt Du auch Leute gut finden, die mit 200 durch die Fußgängerzone brausen.

    Terpe hat diesen Tweet inzwischen gelöscht. Und manchen klingt ja noch Bärbel Höhns ganz einfache Lösung in den Ohren: “ein gesetzliches Rauchverbot im Auto zum Schutz von Kindern”.

    Die Grünen im Saarland in der ungeliebten Jamaika-Koalition scheinen kein anderes politisches Projekt als den Nichtraucherschutz zu haben, so Max Plenert. Und in Österreich schmieden die Grünen jetzt gar ein Anti-Rauch-Bündnis mit den Rechtspopulisten.

    Was sagt uns das?

    Eigentlich muss man sich nicht so aufregen. Aber die Tendenz nervt. Wieder mal haben die grünen Nannies zugeschlagen und freuen sich feixend an ihrem verbieterischen Erfolg. Undifferenzierte Vergleiche wie der von Terpe werden gezogen. Bei Twitter fallen hehre Worte von der Freiheit, die dort endet, wo die Freiheit der Anderen berührt ist. Entleert.

    Wenn die Grünen sich zum Ziel gesetzt haben, eine Partei der sauberen Umwelt, des sauberen Internet und der sauberen Gesundheit zu sein, dann werden sie für mich langsam unattraktiv. Ich muss mir diese lehrerhafte Arroganz nicht mehr geben. Die Arroganz in der falschen Gewissheit, auf der richtigen Seite zu stehen. “Mineralwassertrinkende Grüne” schrieb Jürgen Leinemann in seinem Politiker-Buch “Höhenrausch”. Kontrolle und Selbstdisziplin – grüne Werte?

    Dieser ganze Quatsch, den die Nannies da regelmäßig veranstalten, ist nicht durch Beschlüsse auf Bundesebene gedeckt. Bei den Netzsperren nicht, und bei der Anti-Rauch-Intiative auch nicht. Für die Initiativen der Landesparteien eigentlich egal, dennoch gut zu wissen.

    Eine Verschwörung der Realo-Spießer (“Achse Janecek-Künast”) dürfte das aber nicht sein. Wäre auch Unsinn, wo ist die Anschlussfähigkeit, andere Parteien sind beim Rauchen ja nicht so radikal. Es ist wohl eher eine tiefsitzende Einstellung des “Ich kann es besser und helfe deinem schwachen Fleisch mit einem Verbot”. Was mehr und mehr nervt.

    Viele lustige grüne Spontis sind alt geworden und haben nun Kinder. Und die ehemaligen K-Gruppler haben tendenziell wohl eh weniger Probleme mit Verboten.

    Bei grünen Parteitagen wird die Zeit, in der zu Innen- und Rechtsthemen diskutiert wird, übrigens gern für Kaffee- und Raucherpausen genutzt. Vielleicht liegt da der Hase im Pfeffer. Etwas mehr Theoriebildung könnte nicht schaden. Nicht nur, aber auch im Innen- und Rechtsbereich.

    Buchtipp, untermalt von Musik


    Einsortiert: demokratie, drogen, staat
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103 Responses to “Rauchverbot: Die grünen Nannies”

  1. […] Seeliger über das (bayerische) Rauchverbot und Bündnis 90/Die Grünen: Die grünen Nannys. Tags: Grüne, Julia Seeliger, Nanny State National, […]

  2. Oh man. Frau Seeliger, dieser Blog-Eintrag ist genauso MURKS wie ihr letzter TAZ-Kommentar. Furchtbar, diese Sichtweise. Es geht hier um Nichtraucherschutz !
    Als Mitglieder der Grünen kann ich sagen, dass innerhalb der Grünen, speziell der Grünen Jugend, der Nichtraucherschutz viel zu lasch statt zu radikal gesehen wird. Schön, dass es in Bayern jetzt endlich mal an ders lief.
    Raucher können rauchen wenn sie das möchten. Bitte, das ist ihre Freiheit. Aber Nichtraucher, die die absolute Mehrheit in Deutschland bilden, müssen vor dem gesundheitsschädigenden Schwaden geschützt werden! Nicht nur in Kneipen oder Bierzelten.
    Wenn ich auf einem Stadtfest durch die Menge laufe und sich vor mir einer eine Zigarette anzündet, habe ich keine Möglichkeit auszuweichen. Dieser Jemand qualmt genüßlich den Rauch in meine Richtung und ich bekomm die Scheiße ab. Und das auch als Jugendlicher oder Kind.
    Furchtbar!
    Wir müssen den Nichtrauchern die Möglichkeit geben, ihre Gesundheit vor dem Rauch der Raucher zu schützen!
    Also, weiterqualmen. Aber dann zuhause!

  3. Ich habe meinen Eintrag explizit unter Kenntnis solcher

    Wenn ich auf einem Stadtfest durch die Menge laufe und sich vor mir einer eine Zigarette anzündet, habe ich keine Möglichkeit auszuweichen. Dieser Jemand qualmt genüßlich den Rauch in meine Richtung und ich bekomm die Scheiße ab.

    Argumente geschrieben. Ja, solche Argmentationen motivierten gar, diesen Blogartikel und auch meinen taz-Kommentar “Auf eine Zigarette” zu schreiben. Sie also wollen Sie das Rauchen auch unter freiem Himmel (auf Stadtfesten) verbieten?

    Ich muss Sie allerdings bitten, nicht noch einmal persönlich/beleidigend zu werden. Ist Ihnen das möglich, oder soll ich sie gleich in den Spamschutz verschieben?

    Ach ja, für die anderen Leser hier zur Einordnung: Der Typ könnte auch ein Fake sein, der nur den grünen, verbotsverliebten Loha spielt. Wenn er echt ist, ist sein Kommentar eine schöne Demonstration dessen, was in dieser Partei für Einstellungen existieren.

  4. Na, ich ging schon davon aus, dass Sie damit leben können wenn ich schreibe dass ich diesen Artikel für “MURKS” halte. In meinen Augen ist dies nichts beleidigendes sondern freie Meinungsäußerung. Wenn das anders rüberkam, tut es mir leid.

    Ich bin der Meinung, dass ich als Nichtraucher, der keinen Passivrauch abbekommen will, auch das Recht haben sollte auf Stadtfeste zu gehen.
    Mir wäre es lieber die Menschen würden von alleine zur Einsicht kommen, dass auf solchen Festen auch Kinder & Jugendliche und zehntausende anderer Nichtraucher unterwegs sind, die ihren Passivrauch nicht abkriegen möchten.
    Außerdem muss es doch ohne Probleme möglich sein, mal ein paar Stunden ohne eine Zigarette auszukommen, wenn man sich eben für ein paar Stunden im öffentlichen Raum (der speziell bei Festen voller Kinder, Jugendlicher & anderer Nichtraucher ist) aufhalten möchte.
    Menschen, denen es aufgrund einer solch starken Sucht nicht möglich ist für einige Stunden auf eine Zigarette zu verzichten, genießen meinn volles Mitleid. Wer einer solch krassen Sucht unterworfen ist, würde von mir sowieso den Tipp erhalten eine Raucherentwöhnung mitzumachen.

    Mir wäre es lieber die Menschen würden von alleine feststellen, dass sie andere Gefährden wenn sie auf solchen Veranstaltungen rauchen und es deswegen lassen.
    Als letztes Mittel würde ich ein Rauchverbot bei solchen Festen jedoch nicht ausschließen. Längst sind zum Beispiel Branntweinverbote bei solchen Veranstaltungen (größtenteils) akzeptiert. (Wobei ich von diesen nichts halte, denn wer Branntwein konsumiert schädigt dadurch keine Mitmenschen).

  5. Hallo Julia,

    ich beabachte auch sehr besorgt den um sich greifenden Gesundheitsterror. Genau zu diesem Thema möchte ich dir, aber besonders den fanatisch Gesunden ein Buch von Juli Zeh empfehlen. Es geht um eine Geschichte in einem fiktiven (?)Staat der von einer Gesundheitsdiktatur beherrscht wird.

    http://www.schoeffling.de/content/buecher/437.html

  6. Liebe Julia Seeliger.

    Dieser Text zeigt mir, dass Du einen Konflikt mit Dir herumträgst, der sich nun am Thema “Nichtraucherschutz” manifestiert: Du bist anscheinend aktiv damit beschäftigt, Dir die Sinnfrage der Grünen zu stellen.

    Dieser Konflikt ereilt alle Grünen irgendwann, irgendwie und bei jeder kommt er von einer anderen Seite. Die Sinnfrage lautet: “Müssen Grüne ihre Ideale auch vorleben oder reicht es, wenn sie sich für Minderheiten und gegen Ungerechtigkeit, für eine bessere Welt und gegen Reaktionismus einsetzen.”

    Scheiß drauf, dass bis dato auch auf Grünen-LDKen und -BDKen gequalmt wird, zum Glück nicht mehr _im_ Saal, aber direkt bis zur Tür. Scheiß drauf, dass Bayern jetzt erstmal wieder die Messlatte hochgehängt hat. Das verwäscht sich schon wieder.

    Aber es ist gut, dass die Grünen diesen Volksentscheid mit unterstützt haben. Denn er hilft, die Bedingungen auch mal für eine MEHRHEIT besser zu machen, da die Raucher/innen nun mal die zahlenmäßige Minderheit darstellen. Und das Qualmen wird sich über kurz oder lang von allein erledigen, durch immer höhere Kosten, durch immer weniger mitrauchende “Freunde”, durch die sich langsam, aber immer mehr durchsetzende Erkenntnis, dass fast nur noch Asis qualmen. Rauchen ist out – und die Grünen haben ein Mehrheitsthema unterstützt.

    Den Grünen jetzt vorzuwerfen, sie seien deswegen lehrerhaft arrogant, ist an dieser Stelle mehr als unpassend, liebe Julia.

    Nichts für ungut, aber ich verstehe grüne Politik noch immer so, Rahmenbedingungen so zu verbessern, dass es für alle besser wird, ohne dass man deswegen auch selbst verpflichtet wäre, in allem immer “mit gutem Beispiel” voranzugehen. Zum Beispiel kenne ich nur wenige Grüne, die nur Mineralwasser trinken. Und viele Grüne, die noch rauchen. Denn Rauchen ist eine Sucht, von der man erstmal loskommen muss. Ein erster Schritt ist, zu sagen: “Ich will nicht mehr rauchen.” Ein zweiter Schritt ist, alle fadenscheinigen (sic!) Argumente PRO Rauchen einfach nicht mehr zu benutzen.

    Gute Aktion, der neue Nichtraucherschutz in Bayern. Gute Aktion – auch mit den Grünen.

  7. Lieber Ulf,

    vorweg: Die Mehrheit hat nicht immer recht. Und obs ne Mehrheit war (ohne Quorum) – auch das ist zweifelhaft. Meine Kritik geht aber nicht in Richtung des in Bayern nicht vorhandene Quorums. Ich sehe das eher politisch-inhaltlich-lebensweltlich.

    in der Tat stört mich das Nanny-Verhalten, das manche Grüne an den Tag legen, schon länger. Erst die dicken Kinder, jetzt das Rauchen. Man bekommt derartige Eischätzungen (“lehrerhaftes, von oben herab Behandeln”) übrigens von Mitgliedern anderer Parteien so zugetragen – ungefragt.

    Nebenbei gesagt: die meisten vormals drogenpolitisch Engagierten sind inzwischen ausgetreten.

    Vielleicht mal über den eigenen Tellerrand blicken, anstatt diesen Artikel als spontanen Ausbruch zu sehen. Ich kenne die grüne Partei auf unterschiedlichen Ebenen schon ganz gut.

  8. Martin Schmid

    Liebe Julia,

    Die Anti-Rauch-Intiative ist zumindest in Bayern durch den Beschluss des Landtagswahlprogramms 2008 gedeckt.

    Liebe Grüße,
    Ein Neu-Sachsen.

  9. Die Anti-Rauch-Intiative ist zumindest in Bayern durch den Beschluss des Landtagswahlprogramms 2008 gedeckt.

    Klar. Die können ja in Bayern jeden Quatsch machen, der ihnen sinnvoll erscheint (Autonomie der Landesverbände).

    Aber auf Bundesebene, wollte man da zum Thema weitermachen, müsste man dann erstmal einen Beschluss herbeiführen. Zurzeit gibt es keinen Beschluss für ein totales Rauchverbot – weder als Einzelbeschluss noch im Wahlprogramm 2009. So viel Ehrlichkeit muss sein, wenn man über die politischen Inhalte der Grünen spricht.

  10. Liebe Julia.

    Ich schaue über alle Tellerränder, die ich finden kann; das ist zwanghaft bei Selbstdenkern.

    Aber ich kann mich nunmal des Eindrucks nicht erwehren, dass es Dir überhaupt nicht ums Rauchen oder den Schutz der Nichtraucher geht.

    Und dass Mitglieder “anderer Parteien” die Grünen als lehrerhaft ansehen, würde ich persönlich eher im witzigen Bereich abheften. Du warst wohl noch nie auf einer Ratssitzung im schwärzesten Landkreis Deutschlands?

    Du bist ja Niedersachsin wie ich – eigentlich solltest Du, obwohl jetzt wohl meist in Berlin, mitbekommen haben, dass sich hier seit dem 01.08.2007 fast alle Wogen längst geglättet haben, quasi alle Wirte mittlerweile zufrieden sind wegen erhöhter Umsätze, alle Nichtraucher/innen endlich froh sind, mal wieder ausgehen zu können, ohne sich und ihre Kinder (!) dem Mief auszusetzen und abends angewidert ihre zuvor frisch angezogenen Ausgehklamotten schon in die Wäsche oder gar in die Reinigung geben zu müssen.

    Feiern und Spaß haben braucht keinen Rauch. Kinder auch nicht. Und Nichtraucher müssen leider durch Gesetze vor dem Rauch geschützt werden, da Raucher größtenteils uneinsichtig handeln, was andere angeht. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

  11. JS > Die können ja in Bayern jeden Quatsch machen, der ihnen sinnvoll erscheint (Autonomie der Landesverbände).

    Liebe Julia, willst Du jetzt “untergeordneten” Organen von Parteien eigene Beschlussfähigkeiten und -möglichkeiten absprechen? Mach lieber mal ne Pause von dem Thema – und rauch eine. Vielleicht beruhigt das ja. 😉

  12. Lieber Ulf,

    Sie verstehen nicht ganz. Die können in Bayern beschließen, was sie wollen, aber man muss nicht erwarten, dass das alle gut finden. Tun Sie nicht so, als würde ich die Autonomie dieses Landesverbandes angreifen.

    Dass es mir nicht nur um das Rauchen geht, sollte aus diesem Artikel deutlich werden. Herzlichen Glückwunsch, dass Sie das begriffen haben (Entschuldigen Sie meine harschen Worte, aber genau das ist das Thema des Artikels).

    Wie gesagt, schauen Sie mal über den Tellerrand. Aber ich habe auch keine Lust, mich ständig zu wiederholen.

  13. so n typ halt

    >Dass man sich mit Spinnern, die in ihrer quasireligiösen Art mit Abtreibungsgegnern vergleichbar sind, gemein gemacht hat – geschenkt.

    Mit solchen Argumentationslinien disqualifizierst du dich aber wirklich als Diskussionspartnerin. Bisher war ich wirklich besseres von dir gewöhnt.

  14. Mit solchen Argumentationslinien disqualifizierst du dich aber wirklich als Diskussionspartnerin.

    Nö, ist ne realistische Einschätzung. Wird übrigens von einigen Grünen geteilt. Hab ja nicht gesagt, dass alle, die für totale Rauchverbote sind, so drauf sind. Aber wie da schon teilweise argumentiert wird, dieses “die Kinder”, dieser offene Hass gegen Kritiker – genau wie Abtreibungsgegner. Sektenhaft.

    Und ob du besseres von mir gewöhnt bist – das weiß ich nicht. Du kommentierst nun mal anonym.

  15. Matthias Schneider, Duisburg

    Natürlich macht es nicht immer Spaß, Mitglied der Grünen zu sein. Aber was macht schon immer Spaß ;-))
    Es macht mir z.B. keinen Spaß, wenn das abwegige Stimmverhalten einiger grüner Bundestagsabgeordneten für die Netzsperren mit der Kampagne für ein Rauchverbot in Gaststätten verglichen wird. Aber sei es drum.
    Dann darf ich nämlich auch mal was vergleichen.
    Ich springe in den Diskussionsraum für den Lärmschutz. Sollen es da auch die grünen Nannys sein, die herrschsüchtig den Gauckistisch-geprägten Freiheitsjüngern das Autofahren, Laubwegblasen, Stahlproduzieren und Rasenmähen verbieten wollen ?
    Nicht der Lärmkonsument schränkt die Bewegungsfreiheit, die Lebensqualität bis zur Gesundheit des Lärmenden ein. Sondern anders herum.

  16. Ja ja … ich merke schon, ich werde ein ähnliches Schicksal wie Ralf Fücks erleiden … sollte ich irgendwann mal wieder auf der BDK reden (geht zurzeit leider nicht, wegen journalistischer Tätigkeit), werde ich von Buhrufen glücklicher Gesundheitsfanatiker_innen überschüttet werden…

    Man hats nicht leicht an einem solchen Tag, an dem ein Landesverband nach dem nächsten sich in Ankündigungen übersteigt, ebenfalls ein knallhartes Anti-Tabak-Gesetz zu machen.

    Und jetzt gehts auch verschärft wieder gegen den Lärm. Oh Mann. Wann kommt das Thema Handy-Strahlung?

    Alles klar. Ich weiß bescheid.

  17. Mal zur Abwechslung: Lob für den Artikel und den Kommentar in der TAZ.

    Das mit dem Austreten, lass mal, bist ja nicht ganz alleine mit deiner Meinung.

    “Die Freiheit des Einzelnen hört da auf, wo die Freiheit anderer eingeschränkt wird.”

    Ein gerne verwendeter Satz in dieser Diskussion zum NichtraucherInnenschutz, aber meines Erachtens völlig frei interpretierbar. Im Straßenverkehr werde ich als Fußgänger nämlich auch viel zu häufig von Autofahrern eingeschränkt. Gibt es denn schon einen Bürgerentscheid zum verbieten von Autos im Straßenverkehr?

    Wo ist denn die Freiheit, des Gastros, selbst zu entscheiden, ob bei ihm geraucht werden darf oder nicht?
    Die Umsatzeinbrüche, die einige Gastronomen nachweislich hatten, wurden von den vielen NichtraucherInnen, die dann wohl wieder in die Bars gingen, nicht ausgeglichen. Zumindest in unserer Umgebung hier nicht.

    In Gesprächen mit Gastronomen aus meiner Kommune in BW habe ich immer öfter gesehen, dass diese ihre Räumlichkeiten geteilt haben, um entweder unter 75qm zu kommen oder einen extra Raucherraum ausweisen zu können (die Cleverle aus em Ländle).
    Einige hätten auch kein Problem, wenn ein Gesetz vorschreiben würde, dass sie Lüftungen einsetzen sollten, die xm³ Luft pro Minute umsetzen.

    Ein Verbot ist nie die beste Lösung, aber für viele die einfachste!

  18. Das mit dem Austreten, lass mal, bist ja nicht ganz alleine mit deiner Meinung.

    Nee, austreten werde ich bestimmt nicht. Ich hatte auch zu meiner aktiven Zeit eine gute Nische in dieser Partei und viele Freunde, die das gut fanden, was ich gemacht hab.

    Aber ich mach mir halt so meine Gedanken, was das jetzt bedeutet für die Grünen. Man merkt ja, wie viele sich schnell geäußert haben. Und da ich frei habe, kann ich, so wie früher, die Partei ein wenig “beobachten”. Wenngleich mir wichtige Erkenntnisse von irgendwelchen Mailinglisten fehlen.

    Aber schön, danke, für deinen Zuspruch. Freut mich!

    :-)

    Vielleicht sollte man so etwas wie den Freiburger Kreis, nur andersherum, bei den Grünen gründen. Bisher dachte ich allerdings immer, auch aus Gesprächen mit anderen Mitgliedern, die Grünen seien durch ihre Sponti-Vergangenheit eine prinzipiell autoritätskritische Partei und sinnlosen Gesetzen gegenüber kritisch eingestellt.

    P.S. Inhaltlich finde ich, dass Umsatz im Gastronmiebereich da kein Argument sein sollte. Ansonsten stimme ich deiner Argumentation zu.

  19. Oh Mann. Wann kommt das Thema Handy-Strahlung?

    Nee, Sonne abschalten auf Stadtfesten. Hautkrebsrisiko und so.

    Ich finde es auch komisch, wie der Nichtrauscherschutz teilweise in Bevormundung von mündigen Erwachsenen umschlägt. In Kneipen finde ich es inzwischen weitgehend richtig, dass man nicht rauchen darf. War da früher anderer Meinung, aber wenn man da 8h arbeitet und die ganze Zeit mitraucht ist es schon übel. Und die meisten Raucher in meinem Umfeld stört es auch nach eigener Aussage nicht, dass sie ab und zu vor die Tür müssen. Im eigenen Auto das Rauchen verbieten zu wollen oder gar unter freien Himmel, das geht zu weit, entbehrt jeder vernünftigen Grundlage und versucht Leuten “Selbstschutz” aufzuzwingen. Sowas kann man als links-liberaler Grüner imho nicht mittragen!

  20. Ok, dein PS kann ich nachvollziehen.

    Ich habe einige Jahre nur von Gastroarbeit und Beteiligung an einer Bar gelebt und auch die Einführung des Rauchverbotes in BW dabei erlebt, zumindest während des Studiums.
    Ich denke, dass ich das Argument künftig wieder etwas mehr meiden werde.

    Aber das mit dem Pendant zum Freiburger Kreis bei Grüns ist keine so schlechte Idee, durchaus ein verfolgenswertes Ziel. :)

  21. Joerg Sauskat

    Liebe Julia Seeliger,
    zum 1) Zunächst verlange ich von Dir eine Richtigstellung. Du schreibst Harald Terpe hätte Raucher in Diskos gleichgesetzt mit Leuten, die mit 200 Km/h durch die Fußgängerzone brausen. Das ist falsch! Richtig ist: Der Tweet von terpeundteam bezog sich auf einen Tweet von Dir, in welchem Du gefordert hattest, dass “Hedonismus” an Orten möglich sein müsse, die öffentlich sind (“Kneipen”). Ich habe nix gegen den Spaß anderer Leute, aber bitte nicht auf meine Kosten! Wenn Du den Spaß, die Selbstentfaltung höher bewertest, dann mußt Du konsequenter Weise auch dafür sein, dass jemand mit 200 durch die Fußgängerzone brausen darf.

    Zum 2) Hier wurde ja schon einiges über Deinen Blogeintrag geschrieben. Ich habe leider den Eindruck, dass eine Diskussion mit Dir dazu ziemlich sinnlos ist, weil Du mit immer den gleichen Mustern argumentierst (“Nannies”). Letztlich geht es hier um die Frage, welche Art von Freiheit strebt man an. Du bist für eine Freiheit von Verantwortung, eine Freiheit auf Kosten der Unversehrtheit anderer. Ich bin für eine Freiheit zur Verantwortung, die das Leben und die Gesundheit anderer nicht beeinträchtigt. Eine solche Freiheit lebt von Regeln, wie wir sie aus vielen anderen Bereichen kennen. Wir haben Geschwindigkeitsbegrenzungen, Promillegrenzen, Lärmschutzregeln etc. All diese Regelungen verfolgen das Ziel, Freiheit zu ermöglichen. Das dahinterstehende Prinzip, Jeder darf sich frei entfalten, solange er/sie dabei nicht die Freiheit anderer beeinträchtigt. Ich frage mich, warum dieses Grundprinzip ausgerechnet beim Rauchen nicht gelten soll. Auf diese Frage hast Du, liebe Julia Seeliger, weder hier noch an anderer Stelle eine Antwort gefunden.

  22. also der Artikel ist schon was zu diffamierend und zu wenig sachlich.

    vorweg, ich bin Nichtraucher. Und meine Meinung zum Thema ist, in öffentlichen Gebäuden muss Rauchverbot herrschen, weil ich als Nichtraucher keine Wahl habe, dem zu entgehen. Genauso muss es auf Bahnsteigen Raucherbereiche geben.

    Für ein Rauchverbot in Gaststätten wäre ich auch nicht… ich betrete einfach keine verrauchten Gaststätten.

    Aber deswegen muss ich ja nicht jeden als Nanny bezeichnen, der für ein Rauchverbot ist. Man kann das auch sehr gut mit dem Schutz der persönlichen Freiheit begründen. Die wirklichen Nannys sind da deutlich in Unterzahl.

    Es geht hauptsätzlich darum, wie man den Freiheitsbegriff auslegt.

    Dementsprechend sehe ich auch 0,00000001% Ähnlichkeit zu Netzsperren, die auch nicht mit Freiheitsschutz begründet werden können (sondern Ahnungslosigkeit, Mediengeilheit etc)

    Man muss auch Respekt vor Andersdenkenden haben, wenn sie ihre Position gut begründen können. Und mit Toleranz, sie nicht alle gleich zu diffamieren.

    Darüberhinaus ist es so, dass die bayerischen BürgerInnen abgestimmt haben und eben mehr Leute trotz finanzstärkerer Tabaklobby für ein Rauchverbot waren. Das muss natürlich nicht heißen, dass man es gut finden muss. Man denke nur an eine schweizerische Volksabstimmung vor Kurzem… aber wenn sowohl gute Gründe für als auch gegen ein Rauchverbot sprechen, dürfen die BürgerInnen gerne abwiegen und das haben sie getan.

  23. Lieber Jörg,

    Harald Terpe (oder du) hat den Tweet gelöscht. Ich habe ihn so verstanden: Harald (oder du) antwortete mir auf ein Retweet von @korbinian, dass mein Wunsch danach, in einer Disco ungesunden, Spaß verursachenden Tätigkeiten nachzugehen (auch dem Rauchen), vergleichbar wäre damit, mit 200 km/h durch eine Fußgängerzone zu brausen. Hättet ihr den Tweet nicht gelöscht, hätten wir den Streit jetzt nicht. Du hast das in deinem Kommentar jetzt näher erklärt, ich seh das damit als erledigt an.

    Zu dem anderen. Du willst eine Welt, in der niemand durch andere gesundheitlich geschädigt wird. Das halte ich für Traumtänzerei. Deine Behauptung, ich wäre für eine Freiheit von Verantwortung, ist eine üble Unterstellung. Natürlich will ich, dass jemand, der Schäden verursacht, dafür auch haften muss. Ich kann auch verstehen, dass man in Restaurants Rauchverbote macht, oder dort, wo es nur einen Raum gibt, meinetwegen, auch wenn ich dies auch übertrieben finde, aber das fände ich noch nachvollziehbar.

    Warum man aber Kneipen mit mehreren Räumen zwingen will, alles rauchfrei zu machen, warum man an Bahnhöfen nicht rauchen dürfen soll oder warum technische Lösungen so vehement abgelehnt werden – dafür gibt es meiner Meinung nach keine rationale Begründung. Hast du eine?

  24. ich finde es ulkig, dass in den Eckkneipen das Rauchen verboten ist. Da sitzen schwerkranke Alkoholiker mit Leberschäden. Zum Rauchen müssen sie an die frische Luft. Ich (Grüne) kenne etliche Grüne, die sich mehrmals pro Woche alkoholmäßig die Kante geben. (Was für mich auch unter persönliche Freiheit zählt). Nur dass einige gegen das Rauchen sind und strengste Auflagen fordern, finde ich absurd. Ist jetzt als nächstes der Alkoholkonsum in Gaststäätten verboten. Oder werden Süßigkeiten an Kiosken verboten? (dicke Kinder mit Karies)Wie weit wird das führen?

  25. […] Seeliger, bekannte Bloggerin, ärgert sich ein wenig über die Partei, der sie selbst angehört. Grund sind unter andrem das Engagement […]

  26. Joerg Sauskat

    Liebe Julia,
    zum ersten: Wenn der Tweet von terpeundteam für Dich jetzt in einem anderen Licht erscheint, bitte ich Dich, dies oben im Text entsprechend zu kennzeichnen.
    Zum zweiten möchte ich daran erinnern, dass es auch in Kneipen mit Nebenräumen Beschäftigte gibt, die dem Passivrauchen ausgesetzt sind. Eine freie Entscheidung haben sie nicht. Insofern braucht man eine Regelung, die das einbezieht. Die Regelung, die Du vorschlägst (Rauchverbot in Eckkneipen; Ausnahmen für Nebenräume) ist durch das Vundesverfassungsgericht verworfen worden. Die Länder inkl. Bayern haben sich daher für die Lösung entschieden, den meisten Bürgern offenbar zu inkonsequent waren.
    Natürlich darf man bei all dem nicht übers Ziel hinausschießen. Da kommen ja regelmäßig Forderungen, das Rauchen in Privatautos oder Privatwohnungen zu verbieten. Das wäre falsch. Dann und nur dann wäre der Weg in eine Art von Nannystaat.

  27. Hab den Tweet gefunden:

    @zeitrafferin Dann mußt Du auch Leute gut finden, die mit 200 durch die Fußgängerzone brausen.

  28. Joerg Sauskat

    Super, wollte ihn auch gerade hier posten. Jetzt kannst Du es ja in Deinem Text klarstellen.

  29. Ich stelle es nicht klar, ich stelle es dar 😉

  30. “Demokratie bedeuted nicht das die Mehrheit Recht hat.Die Mehrheit hat das Recht zu regieren.” Umberto Eco

    Die Mehrheit der an der Wahl teilgenommenen Bürger war eben für ein absolutes Rauchverbot in Kneipen.
    Daran gibt es nichts zu deuteln.
    Und übrigens, die Freiheit des Rauchers hört dort auf wo die Passivrauchbelästigung des Nichtrauchers anfängt.
    Ich bin sicher die Raucher werden Lösungen finden… wie wäre es z.Bs. mit Schnupftabak 😉

  31. Die parteipolitische Ausrichtung bei dieser Diskussion ist mir ziemlich egal. Das einzige, was mich an allen Diskussionen stört ist die Verbreitung von Dogmen. Es gibt nur schwarz oder weiß und bitte kein Grau. Das auf dieser Ebene dann hüben wie drüben nichts mehr sachlich ist ja wohl klar.

  32. Matthias Schneider, Duisburg

    Sagtest Du Handy-Strahlung ?
    Was ist damit 😉
    Nachts leg ich meins auf Abstand …

  33. Ach, Matthias … :-)

  34. Wann kapieren die Nichtraucherschutz-Gegner, dass es nicht um die Beschränkung ihrer Freiheit geht, sondern um den Schutz der Kinder, der Jugendlichen und der erwachsenen Nichtraucher??

    Ihr beschränkt meine FREIHEIT, wenn ich dank eurem Rauch an Gesundheitsschäden leide.

  35. Wann kapieren die Nichtraucherschutz-Gegner, dass es nicht um die Beschränkung ihrer Freiheit geht, sondern um den Schutz der Kinder, der Jugendlichen und der erwachsenen Nichtraucher geht*??

    Ihr beschränkt meine FREIHEIT, wenn ich dank eurem Rauch an Gesundheitsschäden leide.

  36. …als Nichtraucher mag ich den Zigarettenqualm, aber ich kann die Dinge dennoch differenziert sehen:

    http://www.schriftstehler.de/Texte/Das_Tagebuch/Viel_Gerede_um_viel_Qualm.1260.html

  37. @Schriftstehler schöner Text, danke!

    Aber Sie mögen den Zigarettenqualm nicht – oder? So stand das zumindest im verlinkten Text.

  38. Liebe Julia,

    der Raucher darf überall Rauchen wo er keine anderen (selten auch Nichtraucher/Kinder oder Jugendliche genannt) gefährdet. Und warum sollte dieser Ort nicht VOR der Kneipe sein. Das hat zumindest hier in Bayern sehr gut funktioniert als das Rauchverbot noch strikt war und es wird auch wieder funktionieren. Warum müssen Raucher unbedingt IN Gaststätten/Kneipen/Cafes rauchen? Tut mir leid aber das kapier ich nicht. Vor allem weil es dann heißt wir Nichtraucher sollten doch draussen bleiben wenns uns nicht passt. Sollen die Raucher doch draussen bleiben wenn ihnen das Nichtrauchen nicht passt!

    freundliche Grüße
    Ingo

  39. Das “nicht” ging beim Schreiben verloren: Ich mag den Zigerattenqualm nicht, ich teile auch sehr ungern mit aktiven Rauchern die Räumlichkeiten, aber Verbote und Kreuzzüge sollten in diesen Zeiten überflüssig sein. Jeder kann selbst entscheiden, was er tun und lassen will und wo er sich aufhält. Es soll auch Raucher geben, denen die saubere Luft nicht gefällt…

  40. Naja – mir (Raucherin) gefällt auch eher die verrauchte Luft nicht, aber ich nehme das für einen schönen Abend in Kauf. Man kann sich danach ja waschen.

  41. leban lachfange

    Danke für den herausragenden Beitrag. Danke für die gelungene Selbstverteidigung in den ihm folgenden Kommentaren. Danke für den beispielhaften Hirneinsatz. Die Nannies werden, vom Erfolg berauscht (von was sonst?), eine eigene Partei gründen: Nannies Schützen Deutschland Aktions Partei. Salve!

  42. “Ich (Grüne) kenne etliche Grüne, die sich mehrmals pro Woche alkoholmäßig die Kante geben. (Was für mich auch unter persönliche Freiheit zählt).”

    @Uschi K.:

    Hast Du schon mal darüber nachgedacht, ob das nicht in einem kausalen Zusammenhang steht? Ich meine, der massive Alkoholkonsum und die Mitgliedschaft bei den GRÜNEN? Und – wichtige Frage – was kann man daran ändern? Ist das eher eine Frage der Beschlußlage der Partei, der eigenen mentalen Verfasstheit oder/und des Austritts aus der Vollkorn-FDP?

  43. leban lachfange

    Werter Ingo,
    es ist nun mal ein bescheuertes Gefühl, nachts um halb elf vor einer leeren Kneipe zu stehen. Denn da sind ja die Nichtraucher mit ihren Kindern längst zu Hause…

  44. leban lachfange =) willst du mich jetzt verscheißern? Bescheuertes gefühl?
    Wie bescheuert ist es denn für nen Nichtraucher röchelnd und hustend in den Qualm zu steigen?

    Und nebenbei =) in welche Kneipen gehst du in denen es um 11 schon leer ist?

    Nächstes Argument bitte.

  45. leban lachfange

    @Ingo: Heul’ doch. Ach so, haste ja schon…

  46. Hihi!

    Danke für diese Selbstdisqualifizierung. Da brauchen wir ja garnicht weiter reden.

    Gruß und Kuss
    Ingo

  47. Wie bescheuert ist es denn für nen Nichtraucher röchelnd und hustend in den Qualm zu steigen?

    Wie bescheuert ist es denn für einen Raucher, röchelnd und hustend durch den Qualm zu gehen?

    Spielen Sie mal nicht die beleidigte Leberwurst, sondern erklären Sie, wenn Sie schon mal hier sind, doch lieber endlich mal, warum Ausnahmen nicht möglich sein sollen, warum man an Bahnhöfen (im Normalfall sehr luftige Gebäude) nicht rauchen soll und was so schlimm an technischen Dingen ist, die Rauch absaugen. Danke.

  48. leban lachfange

    Menno, immer kommen diese Intellektuellen mit so’ner Killeransage, wenn wir langhaarigen, tätowierten Krauserdreher ma’ versuchen, unsere Sorgen und Nöte artizukulieren.

  49. Wenn die Raucher nicht genügend Respekt aufzeigen können, draußen zu rauchen, wo sie niemanden zwingen, mitzurauchen – dann ist so ein Rauchverbot in geschlossenen Räumen durchaus sinnvoll.
    Ich zumindest will nicht, nur weil ich in ‘ne Kneipe gehe, vollgequalmt werden und einen Lebensstil aufgedrängt kriegen, den ich nie gewählt habe.

    Ausnahmsweise eine sinnvolle Initiative der Jamaika-Grünen – und dann polemisiert man so dagegen, nur weil man selbst zu respektlos und faul ist, um kurz vor die Tür zu gehen …

  50. Ach Leute, manchmal muß man sich schämen für JA beim Volksentscheid geworben zu haben.

    Warum meinen einige Gutmenschen, die jetzt den Nichtraucherschutz per Volksentscheid erzwungen haben, sie müssten alle Meinungen Gleichschalten.
    Manch einer mag die neue Regelung für richtig halten, manch einer für falsch und manche mag sie mit dem Begriff Nanni umschreiben.
    Na und, wir haben gestern nicht über die Gleichschaltung von Meinungen abgestimmt, wenn auch einige Sektierer den Eindruck erwecken wollen, dass eben genau das das Thema war, sondern über eine gesetzliche Regelung.

    Lasst doch einfach den “Unterlegenen” Ihre Meinung, bei solch einem Thema wird sich ein Mittelweg nicht finden lassen. Sie zwingen Ihre Euch auch nicht auf.

    LL&P
    David

  51. nur weil man selbst zu respektlos und faul ist, um kurz vor die Tür zu gehen …

    Nein, das ist nicht der Punkt. Sei doch bitte so nett und lies alle Kommentare, wenn das aus dem Artikel deiner Meinung nach wirklich nicht klar wird. Danke.

  52. @Boris K
    Stimmt, schliesslich definieren sie sinnvoll ist und respektvoll ist, darf ich beim Absteigen vom hohen Ross helfen ?

  53. Tröstlich zu lesen, dass auch andere zur Zeit an der eigenen Partei leiden. Tröstlicher ist aber für mich, dass bei den Grünen noch längst nicht alle auf dem Nanny-Trip sind. Ich fand den staatskritischen Ansatz, den es früher bei den Grünen gab ganz sympathisch.
    Ich habe gestern mit “Nein” gestimmt, obwohl ich selbst nicht rauche, und das nicht aus blinder Gefolgschaft zu meiner Partei (FDP). Eine klein Begründung dazu hatte ich vor einiger Zeit in die Tasten gehauen: http://laszlo-riedl.de/wordpress/?p=159
    Klar ist Rauchen schädlich und der Geruch von kaltem Rauch steigert nicht gerade mein Wohlbefinden, aber diese Beeinträchtigung ist für mich auch jetzt schon vermeidbar. Nur weil ich mich ohne Rauch wohler fühle, kann ich Dir dennoch den Spaß gönnen. Man kann momentan selbst in der unterfränkischen Provinz weggehen ohne vollgequalmt zu werden. Weshalb die Nannies es nicht ertragen können, dass es auch ein paar Läden gibt, die für sie einfach nicht gemacht sind, will mir immer noch nicht ins Hirn.

  54. In deiner Aufzählung hast Du Hessen vergessen, liebe Julia.

    http://www.gruene-fraktion-hessen.de/cms/presse/dok/346/346445.volksentscheid_zum_nichtraucherschutz_gr@de.html

    Vollkommen richtig, die Forderung von Kordula Schulz-Asche!

    Rauchfreie Grüße

  55. Vermeidbar? VERMEIDBAR???

    Der Qualm war in der Vergangenheit eben NICHT vermeidbar. Für mich als Kunden nicht, und für Arbeitskräfte in der Gastronomie umso weniger. “Tja, liebe|r , ab 22h mieft es hier ab heute wieder. Halte es aus oder kündige” hieß es anlässlich der Lockerung in viel zu vielen Kneipen und Discos meiner Umgebung.

    Die Raucherfraktion hat schon immer laut und deutlich gezeigt, dass sie in der Gesamtheit uneinsichtig ist. Wenn außer der Gesetzeskeule nix hilft, dann muss eben die Gesetzeskeule her.

    Ich habe mich vor zwei Jahren tierisch gefreut, ENDLICH mal wieder in eine Disco gehen zu können. Dann wurden plötzlich alle Discos (ja, ALLE) in meiner Umgebung wieder zu Raucherclubs.

    Sorry, aber meine Gesundheit toppt die Bequemlichkeit eines Rauchers, seine Sucht hier und jetzt zu befriedigen, ohne ins Raucherzimmer oder ins Freie verschwinden zu müssen oder halt mal eine Stunde ohne auszukommen. Sowas nennt man “Abwägung von Rechtsgütern”.

    Ja, mir wäre es auch recht, wenn ich die Wahl zwischen einer verrauchten und einer rauchfreien Disco, Tanzclub, etc.pp. hätte und mit den Füßen abstimmen könnte. Mit dem bestehenden Gesetz habe ich die aber nicht. Und ZuHauseBleiben(Müssen) ist Freiheitsberaubung, aber keine Meinungsäußerung.

    Nebenbei bemerkt halte ich das Argument von “wer weiß, was passiert wäre, wenn alle zur Abstimmung gegangen wären” für zutiefst undemokratisch. Wenn es den restlichen 65% der Leute in Bayern egal ist, ob und wie sehr sie zugequalmt werden, dann soll bitteschön die Meinung derer zählen, denen es _nicht_ egal ist.

  56. @jseeliger: “Nichtraucherschutz” ist also euphemisierend, “Totales Rauchverbot” aber sachlich richtig und neutral formuliert? Wirklich? Unter “totalen Verboten” verstehe zumindest ich etwas anderes. Etwa eine Listung von Tabak im BtMG, Anlage I.

  57. Man_kennt_sich

    In Zukunft werden dann die, die es sich leisten können, schicke Privatpartys feiern (mit Drogen, Zigaretten und und und). Der Rest wird dann von den Plätzen der Stadt vertrieben (Brüsselerplatz Köln oder Admiralbrücke Berlin).

    Tolle neue Welt! Soziale Dimension völlig unterschätzt. Aber sind ja nur die “asozialen Raucher”. So “dumm und ungesund”.

  58. Ach ja: re Bahnhof.

    Erstmal ist höchstens der Bahnsteig luftig. Der Rest nicht.

    Zweitens: ich stehe am Bahnsteig und warte auf den Zug. Links und rechts (hoffentlich, wir wollen der Bahn ja keinen Konkurs wünschen) ausreichend viele andere Leute. Wenn davon ein Drittel vor sich hin qualmt, dann gibt es KEINEN rauchfreien Platz auf dem gesamten Bahnsteig. Höchstens irgendwo ganz am Ende. Ich kann mich also nicht da hinstellen, wo ich will und wo voraussichtlich mein Wagen hält.
    bei
    Drittens schafft es der gewöhnliche vor sich hinqualmende Ignorant nach wie vor nicht, seine Kippe in Aschenbecher zu entsorgen. Sorry, aber ich finde überall rumliegende Zigarettenstummel einfach nur eklig.

    Viertens: Es gibt auf jedem Bahnsteig inzwischen Raucherbereiche. Da stehen die Quarzer alle zusammen, unterhalten sich nett über die bösen ihnen-die-Freiheit-raubenden Nichtraucher, qualmen sich nur gegenseitig zu, und haben den Ascher in Reichweite ohne drei Schritte gehen zu müssen. Und wenn der Wind falsch geht, stelle ich mich als NR einfach auf die andere Seite eines solchen Bereichs.

    Damit kann ich leben.

  59. Ihr Kommentar enthält nicht einen triftigen Grund, was daran falsch sein könnte, Nichtraucher gesetzlich davor zu schützen, mit stinkendem, krebserregendem Rauch in Kontakt zu kommen.

    Stattdessen verlagern Sie – wie viele Raucher – die Diskussion auf eine andere Ebene. Die Grünen verbieten etwas, die Grünen haben sich bei einer anderen Abstimmung mal enthalten, die Grünen verwenden teilweise Ihnen nicht genehme Vergleiche.

    Macht man wohl, wenn man in der Sache keine Argumente hat, außer ein vermutlich von der Tabaksucht induziertes Unbehagen daran, dass Ihnen jemand das Frönen Ihres Lasters einschränkt.

    Ein Nichtraucherschutzgesetz mit Ausnahmen zu torpedieren, führt zu genereller Nichteinhaltung. In Berlin beispielsweise führte die Einführung von Ausnahmen dazu, dass ich nicht eine einzige nette Kneipe mehr kenne, in der man nicht vollgequarzt wird. Als Nichtraucher bekomme ich davon nen rauhen Hals, Kopfschmerzen, meine Klamotten stinken, die Haare auch, und mit etwas Pech droht mal Lungenkrebs.
    Wieso sind Sie der Meinung, dass der Gesetzgeber sich hier nicht schützend vor den Bürger stellen soll? Weil das uncool ist, weil man dann oberlehrerhaft wirkt, weil man dann – so wie Abtreibungsgegner auch – etwas verbietet und so quasireligiös wirkt?
    Echt sehr dünne und vor allem sachferne Argumentation…

  60. […] Stinke-Raucher sind nun gemaßregelt, fein. Das läuft, die grünen Nannys laufen sich schon warm. Aber was ist mit den Stinke-Schwitzern? Und den Stinke-Parfüm-Verwendern? Und den […]

  61. und wenn das rumpelstilzchen noch so laut schreit, rot anläuft und mit dem fuß auf den boden stampft, es hat dadurch nicht mehr oder weniger recht und genausowenig wird sich dadurch die welt ändern.
    allein die einbildung, dass die ganze welt bekloppt ist und das arme kleine rumpelstilzchen allein im besitz der endgültigen wahrheit ist, schützt es davor sich in zwei hälften zu zerreißen.

  62. @Julia: Besten Dank für das Klasse Posting – so macht ätzen richtig Spass!

    @Timo S.: Das mit dem “Kante geben” soll ja auch gelegentlich im BuVo vorkommen 😉

    In Hamburg sollen jetzt übrigens “Konsumräume” für alkoholabhängige Menschen eingerichtet werden (nach Kieler Vorbild), damit diese nicht mehr an Bus- und U-Bahn-Haltestellen mit der Flasche am Hals rumhängen und das ästhetische Empfinden der arbeitenden Bevölkerung belasten. Wer unangenehm auffällt wird halt vergrämt …

    Es wird sicher nicht lange dauern, bis sich die “Nannies” von Rauchern, die sich vor Kneipentüren um die großen Aschenbecher scharen, “belästigt” fühlen und die nächste Vertreibungsdebatte starten werden …

    @Jörg Sauskat: Du schreibst “Wir haben Geschwindigkeitsbegrenzungen, Promillegrenzen, Lärmschutzregeln etc.” – Ich denke, wenn genau diese Verbote Gegenstand eines Volksbegehrens würden, dann würde ich nicht darauf wetten, dass dabei so eine Verschärfung herauskäme, wie dies gestern in Bayern geschehen ist. Meiner Ansicht nach ist es nämlich nicht der von dir vorgebrachte Verantwortungsdiskurs für die Mehrzahl der der gestern Abstimmenden ausschlaggebend gewesen, sondern allein das persönliche Gefühl des Belästigtseins!

  63. […] zum Thema: Von Kindern, Rauchern und Brettern vorm Kopf Ein Volk Rauchverbot: Die grünen Nannies Warum man rauchen sollte Rauchverbot – ein gefährlicher Sieg der Minderheit Wie Bayerns […]

  64. […] in Bayern produziert: Eine im Vorhinein der Abstimmung in der taz erschienene Polemik und einen erläuternden Blogeintrag, in dem sie das Regulierungsgebahren der Befürworter mit sonstigem grünen Nannyverhalten (z.B. […]

  65. Bissig-liberaler Beifall. Es geht doch 😉

  66. wetterfrosch

    Ah, Danke für die Wasserstandsmeldung. Na mal gut, dass ich schon bei den Netzsperren ausgetreten bin.

  67. offensichtlichDieMehrheit

    Wenn diese und die nachfolgenden Kampagnen dazu führt, dass Rauchen in der Gesellschaft ein Verhalten einer verschwindend kleinen Minderheit wird, dann hat jeder Befürworter mehr für eine lebenswerte Umwelt geleistet, als fast alle Gesetzesinitiativen der Grünen in den letzten 30 Jahren zusammen.

    Rauchen hat nun mal den Nachteil, dass es nicht ohne massive Kollateralschaden funktioniert. Und diesen kann ich mich NICHT entziehen. Rauchverbote werden täglich tausendmal unterlaufen – die immens aussergewöhnlich hohen Folgekosten im Gesundheitswesen zahlen alle. Da können sich die Raucherfreunde auch nicht mit noch so dümmlichen Vergleichen rausreden.

    Die Toleranz der Raucher geht genau soweit, solange der Nikotinpegel nicht unter einen kritischen Wert fällt.
    Er reicht noch nicht mal um den Beschäftigten im Gastrogewerbe körperliche Unversehrtheit zuzugestehen. Naja, die müssen ja auch nicht dort arbeiten. Können ja umschulen (Atomphysik oder so…)

    Gar nicht schön wie eine Sucht ein Wertesystem auseinanderhebelt.

  68. Erstmal muss man ja sagen, dass die bisherige Wischi-Waschi-Praxis bei Rauchverboten noch viel schlimmer ist.
    Raucherclubs und lauter Ausnahmen, ist das die Alternative? Entweder richtig (ohne Ausnahme) oder eben gar nicht.

    Daher halte ich die Entscheidung in Bayern vor allem für ein Aufräumen und ein Abschaffen des bisherigen Murks.

    Im Übrigen würde auch ich bei einem deratigen Volksentscheid mit JA stimmen. Nicht weil ich den armen Rauchen beim Aufhören helfen möchte, oder den Angestellten in Kneipen etwas gutes tun möchte. Als Ehemaliger stört es mich inzwischen, wenn andere in meiner Nähe Rauchen. Ein knallhartes Rauchverbot würde also einfach das Leben für mich angenehmer machen. Ist zwar ein sehr egoistisch Motiv, aber immer noch besser als den Moralapostel zu spielen.

  69. […] Jul Don Alphonso und Julia Seeliger über das Rauchverbot / den Nichtraucherschutz in Bayern. Die Meinungen gehen a bisserl […]

  70. @Jan Erhardt – D ubeweist wieder einmal die Gültigkeit der folgenden Aussage:

    “Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche” (F.W. Bernstein)

  71. “Die Mehrheit hat nicht im Recht”.

    Uih, das ist a) ein seltsames Argument in einer Demokratie und wird üblicherweise immer von denen gebracht, die eine Niederlafge nicht akzeptieren wollen. In einer Demokratie ist dieses Argument ungültig.

    b) Es geht hier überhaupt nicht um “Recht haben”. Es geht um Rauchen. Das ist im besten Fall für die Nichtraucher nervig bis im schlimmsten Fall krebsauslösend. Man muss über die Gesundheit nicht diskutieren, es reicht mMn der Nervfaktor völlig aus. Wir bringen auch nicht alle einen eigenen Ghettoblaster mit in die Kneipe, weil uns die Musik nicht gefällt. Manches geht halt nicht, wenn man miteinander leben will.

    c) Nichtraucher sind in der Mehrheit. Wahrscheinlich gibt es sogar mehr Ex-Raucher als Raucher. Face it ihr Süchtels: Ihr seid die Minderheit.

    d) Niemand verbietet euch das Rauchen. An der freien Luft. Reicht das nicht?

    e) Die Diskussion über die rücksichtsvollen Raucher ist genauso bescheuert wie die Diskussion über die rücksichtsvollen Hundebesitzer, deren Hunde die Straße vollkacken. Es interessiert nicht, ob 80, 90 oder 95% davon rücksichtsvoll sind. Es ist der Rest der interessiert. Warum regt sich jemand, der bisher rücksichtsvoll war, auf? Er ist doch eh schon vor die Türe gegangen um zu qualmen. Oder vielleicht doch nicht? Zumindest nicht immer? Meine Beobachtung ist folgende: Es reicht *EINER* der anfängt. In einer normalen Kneipe mit 50 Mann reicht eigentlich einer oder zwei aus, die rauchen. Spätestens bei 4 oder 5 ist der Bann gebrochen und die Luft so verqualmt, dass sich auch normalerweise zurückhaltende Raucher ungeniert die Kippe anzünden. Dann qualmen 15 oder 20 und man kann den nächsten Tag abhaken. Wegen Kopfschmerz gesperrt.

    f) Warum verteidigen die 90% vernünftigem (haha) rücksichtsvollen Raucher eigentlich die 10% die permanent qualmen, weil sie sich die Gehirnzellen schon weggequalmt haben? Wir reden hier über vielleicht 5% der Bevölkerung. Die Mehrheit raucht nicht, die große Mehrheit der Raucher kann sich zusammenreissen und eine absolute Minderheit will (muss) immer und überall rauchen wollen.

    g) Den Nichtraucherschutz für einen Euphemismus zu halten, ist zwar eine gute Basis um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema zu vermeiden, aber als argumentativer Trick SO BLLLIG, dass es weh tut.

    h) Wir reden über 3.300 Tote pro Jahr in Deutschland durch Passivrauchen. Das ist mehr als durch zu schnelles Autofahren. Dann können wir das Tempolimit auch abschaffen. Freie Fahrt für freie Bürger.

  72. “Die Mehrheit hat nicht immer Recht”.

    Verblüffend, aber das ist wirklich so – gottseidank!

    ich bin verwundert, dass soviele hier eine so vereinfachte Sichtweise auf die Demokratie haben ..solange sie Ihnen mal geholfen hat.

    Wenn die Mehrheit immer Recht hat, dann sind wir in einer Mehrheitsdiktatur! Minderheiten haben auch Rechte, die schützenswert sind.

    Es ist wohl richtig, dass man den Nichtraucherschutz in der Gastronomie viel zu lange ignoriert hat. Was jetzt passiert ist aber nicht besser, wie die frühere Ignoranz der Raucher gegenüber Nichtrauchern. Man könnte durchaus jeden zu seinem Recht kommen lassen ohne Nichtraucher dabei zu gefährden.

    Man hat’s nur vielerorts nicht wirklich versucht!

  73. […] das Fräulein Seeliger weiterhin so unterhaltsame Analysen schreibt, dann werde ich ihr vielleicht auch irgendwann die niveaulosen Hetzartikel gegen die […]

  74. Der Roman von Julie Zeh ist doch wirklich ein unpassendes Bespiel. Wenn es einen Weg in die von Zeh skizzierte Zukunft gäbe, dann sicher nicht über das Nichtraucherschutzgesetz.

    Es gibt ein besseren Buchtipp: “The Death of Humane Medicine and the Rise of Coercive Healthism” von Petr Skrabanek.

    http://bradtaylor.wordpress.com/2009/06/05/petr-skrabanek-books/

    Darin beschreibt der Autor schon 1994 den “Green Healthism”

    The disintegration of German society after the Versailles treaty created a fertile ground for ideas of racial purity, physical strength and beauty, and for a ‘natural’ way of life. As Robert Proctor documents in his book Racial Hygiene: Medicine under the Nazis, the early days of Nazi Germany saw the revival of the romantic ideals of health. What Germany needed was a ‘new German science of healing’. Deaths from heart disease and cancer were seen as proof of the failure of orthodox, ‘Jewish’ medicine. A ‘natural’ diet, such as wholegrain bread, was recommended for preventing common diseases.

    Alcohol and tobacco were described as ‘racial poisons’ or ‘genetic poisons’. To be healthy was a duty of every responsible German citizen. ‘To be healthy and remain healthy is not just your personal business: to be healthy is your duty’, stated one health promotion journal in 1938. The Green movement contains the seeds of a new totalitarianism, but that does not make it Brown. Its existence merely demonstrates that irrationalism is again rampant, and that ‘return to nature’ can again be exploited for totalitarian ends by not-so-green politicians.

  75. Lieber Tim,
    danke für den Hinweis.

    Ich muss das erstmal lesen.

  76. Nichtraucherschutz, da lachen ja die Hühner. Außer in den übelsten Kaschemmen durfte in Bayern sowieso nicht mehr geraucht werden. Insofern hätten da die Nichtraucher auch einfach mal draussen bleiben können. Als Raucher blieb man ja auch in sämtlichen Restaurants vor der Tür, wenn man geraucht hat. Toleranz? Ne, man ist ja im Recht. Und das ist außerdem ungesund.

    “Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.” Jetzt auch mit den Grünen.

  77. Sorry für den Doppelpost, aber die Scheinheiligkeit der Nichtraucher hängt mir zum Halse raus. Nikotin ins Betäubungsmittelgesetz und gut ist. Zigarettenhandel mit Knast bestrafen. Aus Amen. Das wäre konsequent.

    Aber dann würden ja die 14,3 Mrd. Euro Tabaksteuer flöten gehen. Und das will man dann doch nicht. Ist immerhin das halbe Kindergeld.

  78. Liebe Julia,

    danke für den ehrlichen Beitrag und die Verlinkung unseres Posts zu Slut/Juli Zeh – Thema Gesundheitsdiktatur passt wie die Faust aufs Auge zu der Debatte – sicherlich zugespitzt, aber man muss ja solche Entscheidungen auch im kantschen Sinne zu Ende denken (Handle so, dass die Maxime deines Handelns… u.s.w.) Was heißt ein solches Verbot also in der Konsequenz? – eben – healthy live accident!

    Herzlich, S.

  79. Das schöne an den kommenden totalen Rauchverboten ist doch eines:

    Es wird eine neue (Untergrund-)kultur der gemeinsamen Abendgestaltung im Privaten geben.

    Das werden dann die wahrhaft attraktiven Events sein, während fanatische Nichtraucher frustriert in der sterli-rauchfreien und demnächst wahrscheinlich auch noch musik-armen (Lärmschutz) Gastronomie sitzen dürfen.

    Denn die oftmals sehr unterhaltsamen Raucher müssen sich dann ja andere Wege suchen. Das schlimme ist ja: Einige fanatische Nichtraucher wollen Rauchern und Freunden geradezu verordnen noch an der rauchfreien Gastronomie teilzunehmen, anders sind ihre Forderungen ja nicht zu erklären, denn viele Kneipen würden ja pleite gehen, wenn sie wegblieben.

    Ich denke aber es wird eher zu illegalen Raucherclubs im Untergrund/Privatwohnungen etc kommen; das werden dann auch die richtig “coolen” Orte werden, aufgrund ihrer Authentizität/Non-Kommerzialität.

    Da werden sicherlich auch einige fanatische Nichtraucher dann hinwollen hehe.

  80. Wieso wird eigentlich immer von Mehrheit geredet? In Bayern haben 61% von 38% der Wahlberechtigen für das Rauchverbot gestimmt, oder? Macht bei mir immer noch ca. 23% der Wahlberechtigten, die sich dafür entschieden haben. Dem Rest, also 77% wars offensichtlich EGAL bzw. dagegen!

    Das einzige was man aus diesem Quorum für Schlüsse ziehen sollte ist, das ein Volksbegehren mind. 60% Wahlbeteiligung haben muß, bevor es verbindlich wird. Sonst ist es kein Volksbegehren sondern die Diktatur einer gut organisierten Minderheit.

  81. Die Nichtraucher sind in Kneipen und Discos in der Regel sowieso die mit dem Stock im Arsch. Um 2 Uhr fangen sie an alle 5 Minuten auf die Uhr zu kucken weil sie sich langweilen.Dann gehen sie nach Hause. Das war dann ein wilder Abend.

    Ausnahmen bestätigen die Regel.

    Ich würde gerne motorisierten Verkehr in Städten verbieten, da ich mich als radikaler Fahrradnazi von der Luftverschmutzung gefährdet sehe.

    Bratwurstbuden auf Volksfesten sind mir auch ein Dorn im Auge. Die stinken meilenweit.

    Los, dafür müßten wir doch wohl 23% zusammentrommeln können!

  82. […] @UsualRedAnt twittert “Rauchverbot: Die grünen Nannys” mit Link zu einem Blogpost, der witzigerweise wieder von der eingangs zitierten Julia Seeliger stammt. Und es macht […]

  83. DieMehrheitHatRecht

    Auch heute wieder im Programm…

    Die SUPERNOVA des Paff Universums

  84. liebe julia seeliger,

    danke für den interessanten artikel.

    ich persönlich sehe, die “nichtraucherschutzgesetze” (nicht nur in deutschland) als eine art blaupause für weit darüber hinausgehende verbote.

    denn die forderungen zur reduzierung (und zum späteren totalverbot) für alkohol bedienen sich der gleichen argumentation wie seinerezeit, als die ersten anstrengungen für rauchverbote in angriff genommen wurden.

    mittlerweile fordern anti-alkohol aktivisten bereits einen sem FCTC (Framework Convention Tobacco Control) vergleichbaren und verbindlichen rahmenvertrag. der neue name ist auch schon kreiert = FCAC. aktionspläne auf nationaler basis gibt es schon flächendeckend.

    die derzeitigen schulungen in tankstellen (wie verkaufe ich keinen alkohol an jugendliche) sprechen eine beredte sprache für die fortschreitende selbstverblödung. immerhin gibt es in deutschland ganz klare regeln, an wen welche art von alkohol verkauft werden darf. diese regelungen hängen überall dort aus, wo alkohol verkauft wird.

    mit schrecken habe ich am montag in der printausgabe des spiegel ein kurzinterview mit ulrike höfken gelesen, in dem sie für die kantinen im bundestag und den ministerien einen “Veggie-Day” pro woche fordert. auf landesebene in berlin sind die grünen schon weiter und fordern das auch schon für schulen und kitas.

    der schritt in die gastronomie zu einem verpflichtenden fleischfreien tag ist da nicht weit, oder wie von den hamburger jungen grünen gefordert, ein vegetarisches pflichtgericht für die gesamte gastronomie.

    ich denke der kamf gegen die stinkenden fleischfresser wird möglicherweise noch vor dem kampf gegen den alkohol vorgenommen werden.

    die diffamierende sprache in foren un blogs(stinkende fleischfresser, leichenfresser, etc.) wird bereits zahlreicher.

    liebe julia seeliger, was ich zum ausdruck bringen möchte ist, daß wenn sie ein unbehagen ob des “nannyismus” bei den grünen verspüren, sollten sie sich nicht der illusion hingeben, das system von “innen” ändern zu können.

    das ist kritischen menschen schon zweimal in deutschland nicht gelungen.

  85. Liebe Julia Seeliger,

    danke für diesen Artikel. Er trifft das Thema sehr gut. Ich hatte in den letzten Wochen und Monaten häufig Gelegenheit, mich mit Mitgliedern der Grünen und auch der SPD zu unterhalten. Interessant dabei ist, dass dieses Gutmenschentum durchaus nicht alle Grünen/SPDler betrifft. Bei der bayerischen SPD gab es zur Frage, ob man Frankenbergers totales Rauchverbot in der Gastronomie unterstützen soll, keine Abstimmungen, das wurde von der Landes-SPD beschlossen. Auch bei den Grünen lief es nicht überall so glatt. Andersdenkende wurden häufig untergebügelt.

    Dies hat ja Theresa Schopper eindrucksvoll bewiesen, in dem sie alle, die sich gegen den Volksentscheid der ÖDP engagierten, als “Vasallen der Tabaklobby” bezeichnete. Ich habe selten einen widerlicheren und verlogeneren Wahlkampf erlebt als den, der gerade in Bayern stattgefunden hat.

    Allerdings sieht es momentan so aus, dass weder die GAL noch die SPD in Hamburg die ÖDP bei ihrem dortigen Volksentscheid zum totalen Rauchverbot in den Kneipen unterstützt. Das gibt Anlass zu Hoffnung.

    Für mich ist die ganze Sache nicht auf das Rauchverbot beschränkt. Wenn man in der Schweiz die Volksabstimmung zum Minarettverbot ansieht oder in Frankreich das Burka-Verbot, dann erkennt man, dass eine tatsächliche oder künstlich errechnete Mehrheit ihre Meinung einer Minderheit aufzwingt. Das halte ich einer Demokratie für unwürdig.

    Und das Geplapper von “Nichtraucherschutz” ist so verlogen wie die ganze Kampagne selbst. Denn wo muss in einer Shisha-Bar ein Nichtraucher “geschützt” werden? Wo muss in einem ausgewiesenen Raucherlokal ein Nichtraucher “geschützt” werden? Auch das gerne benutzte Servicepersonal hat in den allermeisten keine Lust auf diesen Zwangsschutz. Im Gegenteil, die, die in Shisha-Bars, in Zigarrenlounges oder einigen kleinen Kneipen arbeiten, sind ab 1. August arbeitslos.

    Am widerlichsten fand ich allerdings die Kampagne “Kinder würden rauchfreie Bierzelte wählen”. Wer Kinder instrumentalisiert und für seine Zwecke missbraucht, gehört für mich in die Reihe der Diktatoren und Totalitaristen, die sich immer gerne mit einem Kindlein im Arm oder an der Hand photographieren ließen und lassen.

    Ich gestehe jedem zu, seine Paranoia vor Passivrauch auszuleben. Warum muss dieser Irrsinn aber auf alle anderen Menschen übertragen werden? Diese Haltung erinnert mich fatal an Scientology. Nur glauben die nicht nur an die Passivrauchlüge, sondern in erster Linie an Thetanen. Wobei allerdings beides, die Passivrauch-Paranoia und die Thetanen, nichts weiter als Unsinn ist und nur einem Zweck dient: Die Verbreitung der eigenen Meinung durchzupressen.

  86. Julia, ich finde, du machst es dir hier zu einfach. Ich tue mich in der Tat auch schwer mit dem Jubel um Bevormundungen, aber klar: auch Poltik zum Schutz der “Volksgesundheit” ist erstens eine grüne Tradition (geht Öko-Partei überhaupt ohne eine Haltung des arroganten “wir wissen es besser und zwingen die anderen notfalls zum Glück”), und zweitens sehe ich beim Thema Rauchverbot in der Tat ein Problem darin, dass es eben nicht nur um die eigene Freiheit geht, sondern immer auch um die Freiheit anderer (wo halt der Rauch hinzieht). Das finde ich hier – im Gegensatz zu anderen politischen Themen, die auf Verhaltensregulierung setzen – ein relativ gutes Argument für ein Verbot von Zigaretten etc. in öffentlich genutzten Räumen. Ob es gut genug ist, um damit stark in die Freiheit der RaucherInnen einzugreifen? Da bin ich mir unsicher.

  87. Das ist wirklich klares und mutiges Statement gegen diese zeitgemäße Form der Teufelsaustreibung, wie sie heute unter der Flagge des “Nichtraucherschutzes” betrieben wird.

    Denn dass es längst nicht mehr um den Schutz von Nichtrauchern geht, sollte spätestens dann klar werden, wenn man die vielen hasserfüllten Statements liest, die den Raucher geradezu zum Untermenschen deklarieren. In dieser Situation ist eine sachliche Diskussion, wie gefährlich Passivrauchen wirklich ist, schon gar nicht mehr möglich. Und dabei wäre diese Diskussion dringend notwendig. Denn obwohl Nichtfachmann auf medizinischem Gebiet, bin ich als Physiker und Ingenieur sehr wohl genug vertraut mit statistischen Verfahren, um mühelos erkennen zu können, dass in den offiziellen Studien zu diesem Thema mit gezinkten Karten gespielt wird. Denn bei diesen Studien werden ja keine Toten GEZÄHLT, sondern aus der Untersuchung von relativ kleinen Fallgruppen, hunderte oder wenige tausende Personen umfassend, mit Hilfe statistischer Methoden ein sogenanntes relatives Risiko BERECHNET. Und alle diese Studien laufen auf ein relatives Risiko von ca. 1,2 beim Passivrauch hinaus, wobei es zur gesicherten Erkenntnis statistischer Methodologie gehört, dass ein Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung erst ab einem relativen Risiko von 2 angenommen werden darf. Wie wenig aussagekräftig diese 1,2 sind, wird deutlich, dass andere Untersuchungen ergeben haben, dass das relative Risiko für regelmäßige Milchtrinker an Lungenkrebs zu erkranken bei 2,3 liegt. Und selbst bei starken Rauchern ist der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung immer noch so schwach, daß 9 von 10 von ihnen eben nicht an einer Erkrankung der Atemwegsorgane sterben.

    Im Grunde ist das nicht verwunderlich. Denn jenseits aller Dämonisierung ist das Rauchen chemisch gesehen auch nur ein Verbrennungsvorgang einer getrockneten Pflanze bei einer bestimmten Verbrennungstemperatur und produziert deshalb mehr oder weniger die gleichen Verbrennungsprodukte wie andere Verbrennungsprozesse. Ob das Grillfeuer, das Lagerfeuer, aber auch bei weniger gleichen Ausgangsprodukten wie Diesel, Schweröle etc, immer sind die für die Gesundheit als gefährlich eingestuften Stoffe in den Endprodukten des Verbrennungsprozesses zu finden. Zudem sind sie ebenfalls Ergebnis zahlloser anderer chemisch-industrieller Prozesse. Sich hier einen Verursacher herauszupicken und dann noch den, der wohl in Summe einen eher kleinen Anteil stellt, und dann auch noch zu glauben man hätte der Volksgesundheit einen entscheidenen Dienst erwiesen, ist schon ziemlich realitätsfern.

    Ginge es wirklich nur um das Rauchen, so würde man angesichts dieser Gesamtumstände einen Kompromiss finden können mit dem beide Seiten leben könnten. Und Kompromiss heißt, BEIDE Seiten müssen zurückstecken.

    Aber warum kommt es nicht dazu, warum Erleben wir diese Exzesse und Treibjagden stattdessen? Und das kann seine Erklärung nur in den gesellschaftlichen Umständen und ihrer Bewegung finden. Eines der Hauptprobleme, die uns die globale Entfesselung des Kapitals hinterlassen hat, ist die Abwanderung weniger qualifizierter Arbeit. Zusammen mit der entsprechenden Gesetzgebung ist dadurch am unteren Rand der arbeitenden Klassen eine beträchtliche Schicht von Armen und Tagelöhnern entstanden, die beinahe jeder vernünftigen Lebensperspektive beraubt sind. Und selbstredend ist das der Ausgangspunkt der Erosion der gesamten Gesellschaft: Krimininalität, Verrohung, Drogen, Ghettobildung, Druck auf das Lohnniveau und der Besitzstände der anderen Teile der arbeitenden Klassen. Hinzu kommen die anderen Probleme einer Gesellschaft unter dem Diktat der Profitmaximierung: die Untergrabung der natürlichen Ressourcen, die Verpestung der Umwelt, Zurückdrängung der Staatsaktivitäten durch privates Kapital bei gleichzeitiger Aufblähung der Bürokratie, wachsende Produktion von Schrott statt Qualität, Banken- und Währungskrisen usw. usf.

    Natürlich reagieren alle Klassen und Schichten auf diese Entwicklung gemäß ihrer spezifischen und oft vermeintlichen Interessen. Noch geht es den neuen Mittelklassen, den Lehrern und Staatsbeamten, den Ingenieuren und Wissenschaftlern und sonstigen höheren Angestellten, also der Kernklientel der grünen Partei, recht gut, aber sie verspüren den ernstlichen Druck auf ihre Lebensverhältnisse und die fortschreitende Erosion der Gesellschaft. Noch überdauern die Einfamilienhaussiedlungen in den Speckgürteln relativ unbeschadet, aber sie stehen eben in dieser Welt. Und so wie der Arbeiter spontan in seinem ausländischen Klassengenossen einen Konkurrenten sieht, so wendet sich die Mittelklasse spontan gegen die Verderber ihrer noch halbwegs heilen Welt: Gegen die Atomkraft als Sinnbild einer aus den Fugen geratenen Produktion, gegen den Autofetischismus als Sinnbild sinnloser Verschwendung und gegen den Raucher als Sinnbild für Egoismus und Unverstand. Und ich möchte wetten, dass der Prozentsatz der Befürworter im bayrischen Volksentscheid in den entsprechenden Wohnvierteln besonders hoch ist.

    Aber der Kampf gegen Sinnbilder wird nichts ändern, man muss sich den Ursachen der betrüblichen gesellschaftlichen Entwicklungen stellen. Andernfalls kommt nur eine heillose Zerstrittenheit im Volk zustande.

    Und wo Zwei sich streiten, da freut sich der Dritte. Und das sind die besitzenden Klassen als Nutznießer der herrschenden Verhältnisse. Wobei wir damit endlich beim Sinn und Zweck der ganzen Kampagne angekommen sind.

    Deshalb freut mich besonders, dass es auch bei den Grünen noch Personen gibt, die sich gegen diese Entwicklung stemmen. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Standhaftigkeit.

  88. Joerg Sauskat

    Liebe Julia Seeliger,

    sehe gerade etwas verspätet, dass Du in der taz einen Kommentar über den Ausgang des bayerischen Volksentscheids zum Nichtraucherschutz geschrieben hast. Darin schreibst Du u.a. “Die Gesundheitsterroristen wollen aber auch wirklich jeden Spaß vermiesen.”
    Du wirfst anderen vor, das Maß zu verlieren. In diesem Kommentar verlierst Du aber jegliches Maß. Damit hast Du Dich in meinen Augen selbst komplett aus jeglicher ernsthaften drogenpolitischen Diskussion gekickt.

  89. Philipp Matern

    Liebe Julia,

    sehr guter und anregender Artikel, auch der in der taz! Tatsächlich war ich (übrigens absoluter Nichtraucher) lange Zeit für ein radikales Rauchverbot, aber mittlerweile habe ich mich überzeugen lassen. RaucherInnen sollen eine Raucherkneipe bekommen können, wenn sie eine wollen. Diese Freiheit muss möglich sein. Eine vernünftige Ausnahmeregelung damit zu vergleichen, per Auto durch eine Fußgängerzone zu rasen, ist schon unglücklich – warum wurde der Tweet sonst gelöscht?

    Zum Nachdenken angeregt hat mich ein anderer Vergleich, den wahrscheinlich auch viele ablehnen würden: Das per Volksabstimmung erreichte Minaretverbot in der Schweiz. Auch hier wird die Freiheit des einen durch die Mehrheit der anderen beschnitten – natürlich in ganz anderer Qualität und ohne den Aspekt, dass Zigarettenrauch für Passivraucher gesundheitsschädlich ist. Es bleibt aber das Argument, dass eine entsprechend gut gelüftete Raucherkneipe als Ausnahmeregelung den Nichtrauchern nicht schaden muss – sie müssen sie ja nicht betreten. Moderne Lüftungssysteme können auch jeden MAK-Wert herstellen, den der Arbeitsschutz verlangt. Vor diesem Hintergrund stünde es uns Grünen gut an, erst mal eine Debatte zu führen bevor das Spitzenpersonal präventiv tätig wird…

  90. Rauchzeichen…

    Der Mensch gönnt seiner Gattung nichts, daher hat er die Gesetze erfunden. Er darf nicht, also sollen die andern auch nicht.* “Aber die Kinder, die Kinder!” Seit Zensursulas Angriff auf die Informationsfreiheit sollten bei Begründungen für Verbot……

  91. Joerg Sauskat

    @Philipp Matern: “Zum Nachdenken angeregt hat mich ein anderer Vergleich, den wahrscheinlich auch viele ablehnen würden: Das per Volksabstimmung erreichte Minaretverbot in der Schweiz. ”

    Dieser Vergleich ist – mit Verlaub – Blödsinn. Welches Recht mit Verfassungsrang wird denn bitte durch den Schweizer Volksentscheid durchgesetzt? Das Grundrecht auf eine minarettfreie Zone? Gibt es nicht. Ich bin mir sicher, dass ein solcher Volksentscheid in Deutschland nicht möglich wäre, weil er gegen Artikel 4 des Grundgesetzes (Glaubensfreiheit) verstoßen würde.

  92. Philipp Matern

    Lieber Jörg, ich bin mir selbst ebenfalls sicher, dass ein solcher Volksentscheid wie in der Schweiz in Deutschland juristisch nicht möglich ist. Es ging mir auch überhaupt nicht um die Frage juristischer Machbarkeiten (ein absolutes Rauchverbot ist aus formal juristischer Sicht sicherlich einwandfrei möglich) sondern um die Frage, ob es politisch opportun ist, wenn eine Mehrheit das Anliegen einer Minderheit so absolut beschneidet. Ich halte die bayrische Lösung für übertrieben.

  93. ach Julia, hast du es wieder nicht geschafft mit dem Rauchen aufzuhören, trotz gegenteiliger Proklamationen vor einiger Zeit… :-)

    Ich bin für die eigenverantwortliche Freigabe aller Drogen an Erwachsene, wenn sie es wollen und gut informiert sind; aber ich bin trotzdem für das harte Rauchverbot das in Bayern per Volksbegehren durchgesetzt wurde.

    Wie passt das zusammen?

    Bei diesem harten Rauchverbot geht es für mich nur darum Raucherkrankheiten, wie Schlaganfälle, Herzinfarkte und Lungenkrebs von Passivrauchern, wie den Bedienungen und anderen Gästen zu verhindern, sonst gehts um gar nix. Aber das sind schon viele unfreiwillige Tote, die da verhindert werden. Wie sich jeder alleine abschießen will, ist seine Sache.

  94. Joerg Sauskat

    @Philipp
    Hallo Philipp, mir gings auch nicht um die Frage der juristischen Machbarkeit, sondern darum, dass Dein Vergleich hinkte. Beim Rauchverbot gehts nicht um Mehrheit oder Minderheit sondern um die Abwägung von Grundrechten: Freie Entfaltung der Persönlichkeit vs. Körperliche Unversehrtheit. Bei dem Schweizer Minarettentscheid kann ich auf der Seite der Mehrheit keine hochrangigen Rechtsgüter erkennen, die durch Minarette beeinträchtigt würden.

  95. @egghat “Dann können wir das Tempolimit auch abschaffen. Freie Fahrt für freie Bürger.” Äh, hab seit gestern kein Nachrichten mehr gesehen, muß also was verpasst haben. Es gibt inzwischen ein Tempolimit in Deutschland? Super.

  96. @Joerg Suskat:
    “Beim Rauchverbot gehts nicht um Mehrheit oder Minderheit sondern um die Abwägung von Grundrechten: Freie Entfaltung der Persönlichkeit vs. Körperliche Unversehrtheit.”

    Bei Rauchverboten an Arbeitsplätzen mag die Argumentation ja schlüssig sein, es ist jedoch niemand gezwungen sich in Raucherkneipen zu begeben. Jeder weiß, dass Passivrauchen gsundheitsschädlich sein kann.

    Der Vergleich mit dem Tempolimit hinkt mehr als gewaltig, ein passendere Analogie zum Rauchverbot wäre ein Tempolimit auf dem Nürburgring, wenn Beifahrer mit an Bord sind.

    Es liegt also mitnichten das Recht auf körperliche Unversehrtheit in der anderen Waagschale, sondern ebenfalls das Recht auf freie Entfaltung: Das Recht, JEDE Kneipe besuchen zu können und in JEDEN Verein eintreten zu können, ohne die Einschränkung hinnehmen zu müssen dass dort die Luftqualität nicht den eignen Vorstellungen von Gesundheit entspricht.

    Die bayrische Regelung verbietet ja nun auch vereinsrechtlich organisierte “Raucherklubs” – und entlarvt so die vorgebliche Abwägung der Interessen von Rauchern und Nichtrauchern endgültig als bloßen Vorwand.

    Die Chancen stehen gut, dass das Verfassungsgericht den bajuwarischen Gouvernanten aller Couleur eine gründliche Abfuhr verpasst.

  97. @dj
    exakte Ausführung und sehr gut auf den Punkt gebracht. Es gibt kaum was hinzuzufügen.

    Mich erstaunt von Rauchgegnern wie Matthias seine recht simple Logik. Wo er hingeht, darf er durch Passivrauch nicht geschädigt werden, dabei wird er bei jedem Schritt den er macht von anderen geschädigt. Für ihn steht unerschütterlich fest, daß passivrauch schädigt, dabei ist das Risiko für ihn kaum berechenbar bzw. vernachlässigbar. Jeder Koch, jeder Küchenangestellte ist lt. BNG-Studie, Mannheim mit Tausenden von Gastroangestellten und jahrelanger Untersuchung, um ein vielfaches gefährdeter. Da diese Stoffe in jedem Restaurant wabern bleibt als Schlußfolgerung nur noch das das Kochen verboten werden muß.
    Fragewürdig ist ebenfalls, warum bei mehr als 80%ziger rauchfreier Gastronomie ein Volksbegehren gestartet wird.
    Mein Fazit: Es geht nicht um Nichtraucherschutz (Kommentar von Pötschke-Langer WHO-Tabakkontrolle Heidelberg, oft verwechselt mit einer Ärztin des DKFZ: “Der Zweck heiligt die Mittel”, nachdem Frau Pötschke-Langer erfolgreich den Keil zwischen NR und R getrieben hat).
    Inzwischen sind wir schon eine Stufe weiter. Der Jugendschutz wird für alle weiteren schärferen Verbote benutzt. Sollten wir dieser Logik weiterhin folgen werden noch ganz andere Verbote entstehen, auch solche, über die Matthias derzeit nicht nachdenkt, ihn aber irgendwann persönlich treffen.
    Ja, ja der Blick über den Tellerrand, den können nicht viele.

    Ich werde die Grünen niemals mehr während meines Erdendaseins wählen.Ich finde es jedoch bemerkenswert, Frau Seeliger, was Sie geschrieben haben.

  98. Joerg Sauskat

    @Nils
    Nein, niemand ist gezwungen, sich in Raucherkneipen zu begeben. In der Praxis führt dies leider dazu, dass man in keine Kneipe gehen kann, weil in allen geraucht wird. Vielleicht wirfst Du mal einen Blick in die noch nicht allzu ferne Vergangenheit als es noch kein Rauchverbot gab. In fast 100 Prozent der Kneipen wurde geraucht. Schöne Freiheit.
    Der Nürburgring – um Dein Bild zu benutzen – war allgegenwärtig.
    Das Verfassungsgericht in Bayern wird die neue Regelung natürlich nicht kippen, weil es sie bereits einmal bestätigt hat.
    Dieses Urteil und jenes des Bundesverfassungsgerichtes empfehle ich Dir übrigens wärmstens zur Lektüre hinsichtlich der Frage, welche Grundrechte in der Waagschale liegen. Vielleicht hast Du Glück und kannst Deinen Beitrag noch nachträglich editieren.

  99. @Jörg Sauskat:
    Nun immerhin das Eingeständnis, dass nicht das Recht auf körperliche Unversehrtheit in einer Waagschale liegt (“In der Praxis führt dies leider dazu, dass man in keine Kneipe gehen kann, weil in allen geraucht wird”)

    Es geht also, so Verstehe ich dich, um das Recht überhaupt Kneipen besuchen zu können ohne zugequalmt zu werden.
    Dafür habe ich durchaus Verständnis, nur: was spricht denn dann dagegen, dass Kneipen abgeschirmte Raucherbereiche einrichten? Was spricht bitte dagegen, dass Raucher explizite Vereine gründen um ihr Laster unter Ihresgleichen zu frönen?

    Und nein, ich muss meinen Beitrag nicht editieren. Du hast ja selber bestätigt dass eben nicht das Recht auf körperliche Unversehrtheit in einer Waagschale liegt. Der Nürburgring mag zwar allgegenwärtig sein, aber es wird ja niemand gezwungen in den Ferrari eines no-risk-no-fun-Freaks einzusteigen. Der Nürburgring ist ja nicht unvermeidbares öffentlichs Straßenland. Ja, wenn es um das Recht auf Nervenkitzel geht.. Oder um das Recht, dem no-risk-no-fun-Freak zu disziplinieren..

  100. Bernd Liefert

    Alles in Allen stellen Sie die Freiheit zu Rauchen über das Recht auf einen rauchfreien Arbeitsplatz. Wenn es nach Ihnen gehen würde, sollten Arbeiter in der Gastronomie weiterhin acht Stunden im Rauch stehen.
    So eine Einstellung ist hochgradig unsozial.

  101. Bitte erst lesen, bevor als “hochgradig unsozial” qualifiziert wird.

  102. @Bernd Liefert

    nennen Sie doch mal Gastroangestellte, die heute noch 8 Stunden im Rauch stehen und die nicht selbst rauchen.
    Auf die Auflistung bin ich gespannt, bei inziwschen 80%, eher 90%zigen rauchfreien Lokalitäten. Haben Sie schon mal was Lüftung gehört (Luftaustauschtechnik ist für Gaststätten vorgeschrieben) oder von Fentser und Türen öffnen?

    Übrigens ein schlechtes Argument, wenn man Gastroangestellte aus dem Hut zaubert, die einem in Wirklichkeit eigentlich egal sind bzw. unter welchen sonstigen Bedingungen die sonst noch zu arbeiten haben.

    Gehen Sie mal zu dem größten deutschen Autohersteller in die ein oder Fertigungsabteilung. Dort wäre Passivrauch das aller, allerkleinste Problem, aber es gibt dort hohe Grenzwerte, aber bei Passivrauch gibts keine. Der einzige Stoff, bei dem es keine Grenzwerte gibt. Allein das sollte Sie zum Nachdenken bringen.

    Packens Sie es an, es gibt noch viel zu verändern in der pöhsen Welt. Hoffentlich war das jetzt nicht zu unsozial für Sie.

  103. Es kommen ja schon die nächsten Verbote seitens der Grünen. Motorroller.

    Ich habe Angst vor dem Verbotsregime, das die Grünen hier aufziehen.