Julia Seeliger
  • Dimensionen und Maß von Freiheiten?

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    19. August 2008 | Trackback | Internet ausdrucken
    scissors

    Aktuell sitze ich ja noch an meiner Diplomarbeit. Nun stellte sich mir folgende Frage: Gibt es Konzeptionen, die Stärke der Freiheit in einer Art Index zu messen? Oder auch: Einzelne Eigenschaften – Freiheit, Copyleft – auf irgendeine Art und Weise zu “messen”?

    Ich kam auf den Gedanken, als ich mit einem Freund telefonierte, und wir über die Unterschiede zwischen Freier Software und Creative Commons diskutierten. Ein wesentlicher Unterschied – und zwar der, warum man Freie Software besser unter die Lizenzen Freier Software und nicht unter Creative Commons stellt – ist ja, dass bei Freier Software immer der Quellcode mitgeliefert werden muss. Dies ist dem unterschiedlichen Zweck der unterschiedlichen Freien Lizenzen geschuldet – Für Software ist der offene Quellcode fundamental, bei Creative Commons lizensierten Inhalten geht es auch um den offenen Zugang – aber eben auch um Remix.

    Deswegen die Idee: Wäre es nicht “freier”, wenn Freie Musik in einzelnen Tonspuren verfügbar wäre? Wäre eine Freie Grafik nicht “noch freier”, wenn sie nicht zusammengefügt, sondern in einzelnen Ebenen daherkäme?

    Daran wird deutlich: Es könnte “frei” und “noch freier” geben. Dann wäre es im Endeffekt denkbar, Freie Lizenzen abstrahiert abzubilden.

    Es geht hier nicht um rechtliche Fragen, sondern eher um Vergleichbarkeit von Konzepten, in meinem Fall die Lizenzen Freier Software mit Creative Commons. Da es ja auch noch viele andere Freie Lizenzen gibt, wäre es doch schön, ein Mittel zu haben, diese zu systematisieren.

    Sehr ihr das auch so, und wenn ja, kennt jemand, der hier vorbeisurft, derartige Konzeptionen? Hat da schon mal jemand einen Artikel drüber geschrieben? Oder mache ich einen dicken Denkfehler?


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17 Responses to “Dimensionen und Maß von Freiheiten?”

  1. Du hast völlig recht. Richtig frei wird’s dann aber auch erst in einem freien Format.

    Über einen bestehenden Index o.Ä. weiß ich nichts.

    LG Chris

  2. Ich chattete eben noch mit jemand anderes über die Frage. Der sagte mir, es sei zB in der Debatte strittig, ob die GPL oder die BSD-Lizenz “freier” sei. Ist klar, dass jeder seine Liebingslizenz als am Freiesten ansieht. Das ist abhängig von individuellen Wertmaßstäben.

    Ich bin aber eine große Freundin des Abstrahierens.

    Meiner Meinung nach müsste man unterschiedliche Dimensionen von Freiheit aufmachen und diese einzeln abarbeiten, um zu einer Vergleichbarkeit zu kommen.

    • Offenheit (Quellcode, Tonspuren, Ebenen)
    • Freiheit, etwas anzustellen (da wäre BSD ganz weit vorn)
    • Stärke des Copylefts (da wäre die GPL ganz weit vorn)

    also, gibt’s Artikel oder Konzeptionen hierfür? Welche Dimensionen von Freiheit sollte man noch bedenken?

    Usprünglich ging mir aber um Creative Commons und ob man bei diesen Lizenzen das Prinzip der “Quelloffenheit” noch konsequenter einbauen kann. Dies war meine eigentliche Frage, wobei man auf dieser eben die andere aufbauen kann. Kann man die unterschiedlichen “Freiheiten” vergleichen? Systematisieren? Zählen? Will man das?

  3. Hallo Julia, hier das “jemand” aus dem Chat mit einem Link zum globalen Freiheitsindex: http://www.stateofworldliberty.org/

    Da die den irgendwie ermittelt haben, gehe ich mal davon aus, dass die vorher irgendeine Metrik definiert haben =)

  4. Hey danke – da werde ich nach meiner Diplomarbeit suchen. Jedoch wünsche ich mir überdies noch Anregungen, die ganz konkret etwas mit den Freiheiten “Freier Kultur” zu tun haben.

    Insofern – Kommentare kosten nix, wa?

  5. Ich wüsste nicht, dass da jemand eindeutige Skalen für entwickelt hätte, was ja auch angesichts der Tatsache, dass der Begriff Freiheit relativ subjektiv wahrgenommen wird, relativ schwer werden dürfte. Es entstehen ja auch Widersprüche dabei, wenn man etwa das Argument von Chris-B aufnimmt: Wenn ich mit Photoshop ein Bild erstelle und als PNG exportiere, ist das zwar ein freies Format, die Quelldatei (im PSD-Format) ist allerdings in einem proprietären Format.

    Der Quellcode muss übrigens bei der GPL nicht direkt mitgeliefert werden, es reicht, wenn er auf Anfrage bereitgestellt wird. Aber auch schon das wäre bei einem CC-lizensierten Bild zu viel verlangt, man müsste ja für jedes Bild, das man so veröffentlichen möchte die Quelldatei aufheben (wenn die sich überhaupt vom eigentlichen Bild unterscheidet). Ich merke gerade, dass ich hier wieder zu praktisch werden 😉

    Übrigens wäre hier eine “Bei Antworten benachrichtigen”-Funktion echt super :)

  6. Übrigens wäre hier eine “Bei Antworten benachrichtigen”-Funktion echt super

    Sorry, nicht vor Freitag. Im Grunde hast du recht – wollte ich schon immer einbauen, genauso die Funktion, dass die Nutzer ihre Kommentare im Nachhinein (vielleicht 5 Minuten) noch mal abändern können, wenn sich Fehler eingeschlichen haben.

    Ich kann das ja eh immer – mein Privileg als Hausherrin hier.

  7. Ganz objektiv: Eine Lizenz im BSD-Stil gibt dem unmittelbaren Emfänger die Freiheit, fast alles anzustellen – Copyleft gibt diese Freiheit jedem Emfänger.

    Wichtig ist auch, das freie Software (und Dokumentation) sich primär am Nutzer orientiert, Creative Commons jedoch am Ersteller – nicht alle CC-Lizenzen sind frei.

  8. Übrigens wäre hier eine “Bei Antworten benachrichtigen”-Funktion echt super

    Mehr wie Feeds für Kommentare, habichrecht ?

  9. Ich habe den Unterschied zwischen BSD-Lizenz und GPL schon verstanden, keine Sorge :-)

    Jedoch wollte ich das schon noch etwas genauer diskutieren. Vielleicht ist es aber auch völlig sinnlos, mal sehen. Ich finde aber eigentlich nicht, Beispiel Tonspuren.

  10. Die Idee erinnert mich ein bisschen an ein Bild, welches das Spektrum der CC-Lizenzen veranschaulicht.
    http://creativecommons.org/about/

    Ebenfalls eingefallen ist mir noch ein älterer FirstMonday Artikel, vielleicht hilft der dir ja auch weiter..

    http://www.firstmonday.org/issues/issue10_3/klang/

  11. Sorry, nicht vor Freitag.

    So viel Zeit habe ich gerade noch. Auch wenn das nur 4 Klicks sind, soein Plugin zu installieren.

    erlehmann, Feeds sind doch blöd. Gucke mir Inhalte schon lieber in ihrer “natürlichen Umgebung” an.

    Jetzt sogar nochmal was zum Thema: Man könnte einen Katalog mit “Freiheiten” aufstellen und diesen dann wie eine Checkliste für die einzelnen Lizenzen durchgehen. Das Problem wäre da wohl eher die Gewichtung. Lizenzen für Programme mit welchen für Bild und Ton zu vergleichen, ist aber auch ein bisschen wie eine Rangliste der Bedeutung von Äpfel und Birnen für die Menschheit…

  12. (kindische Themen)

  13. Ich bin ja prinzipiell ein grosser Freund von CreativeCommons (und stelle meine Bilder in die WikiMedia Commons nie mit GFDL sondern mit CC ein). Softwareseitig bin ich sehr für OpenSource – dass das =! free software bzw. Public Domain ist, dürfte dir auch klar sein.
    Ausführlich bis zur Zerfleischung hat man die Auseinandersetzung um frei-und-freier jedenfalls im WikiMedia Umfeld geführt, mit dem Ergebnis dass WikimediaCommons, en.wikipedia und zB WikiNews unterschiedliche Maßstäbe haben was ihnen frei genug ist und was nicht. Konsequent finde ich die Behandlung des oben angesprochenen Themas freie Formate für freie Daten: Zulässig ist ein Upload freier Dateien nur dann, wenn auch das Format indem sie hochgeladen werden frei ist. Bei Karten zB wird svg bevorzugt – da hat man dann auch die Layer um direkt kreative Ableitungen zu machen.

    Beliebte Frage in der WP, hier von mir aucvh an Deine LeserInnen gestellt: Ist CC freier mit oder ohne NC? Die Wikipedia nennt es nur ohne NC frei, aber solange NC ohne ND da steht lassen sich eine Werke daraus ableiten die man dann durchaus wieder verkaufen kann – nur das ursprünglich freie CC Werk darf man nicht einfach kommerziell nutzen und verlaufen…

  14. Zwischen diesen Lizenz-Freiheiten liegen eigentlich qualitative Unterschiede. Aber wie du schon richtig erkannt hast, kann man die Freiheiten in einzelne Aspekte zerlegen und dort jeweils versuchen, eine Messlatte anzulegen. Allerdings werden die jeweiligen Skalen dann vermutlich nicht sehr voll werden. In dem Fall kann man sie vielleicht an bestimmten Schnittpunkten zu einem stern- bis kreisförmigen Gebilde zusammensetzen.

  15. […] 20, 2008 in deu | Tags: frei lizenzen cc gpl fdl | Julia Seeliger hat in einen Blogartikel für ihre Diplomarbeit gefragt, ob/wie man das Maß der Freiheit messen kann. Insbesondere geht es […]

  16. Ich fürchte, du machst einen Denkfehler.

    Nach Hannah Arendt ist der Freiheitsbegriff von personaler Natur – das heißt, Freiheit verwirklicht sich nicht losgelöst von anderen, sondern in Beziehung zum Mitmenschen.

    Neben kooperativen, teilnehmenden und unabhängigen Strukturen gibt es im Verhältnis zum anderen auch, gar nicht so selten, ein konkurrierendes Verhältnis, insbesonders, was das Verfügen über (mitunter knappe) Freiheitsquellen betrifft. Der Begriff personaler Freiheit bedeutet dann auch, dass im Fall von Freiheitskonkurrenzen ein angemessener Interessenausgleich erfolgt, zwischen den Interessen des Individuums einerseits und den Interessen des bzw. der anderen – jedenfalls dann, wenn eine Konkurrenz bzw. “Bindung” nicht vermeidbar ist.

    Konkret gesprochen auf das Beispiel mit der Musik. Zunächst muss man dann fragen: “Für wen” Freiheit? Zwischen der Freiheit der Nutzer und Konsumenten einerseits und den Freiheiten der Musiker können Konkurrenzen auftreten, auch zwischen den Musikern untereinander.

    Die Abwägung ist nicht trivial – die totale Freiheit der einen kann mit beträchtlichen Freiheitsverlusten der anderen verbunden sein. Daraus (ich bin also immer noch beim personalen Freiheitsbegriff und seinen Konsequenzen) ergibt sich ja auch, dass ein absolut gesetztes Recht auf “geistiges Eigentum” eben keinen Zustand maximaler Freiheit (für alle) bedeuten kann!

    Dieser Zustand würde lediglich eine Verwertungsfreiheit der wenigen beinhalten – in unserem Wirtschaftssystem im Popmusikmarkt ist das im Wesentlichen nicht etwa die Freiheit der Künstler, sondern die Freiheit derjenigen, welche sich über ihre Markt- und Distributionsmacht das “geistige Eigentum” bzw. die daraus abgeleitete Verwertungsrechte angeeignet haben. Das wäre nicht nur in Hinblick auf die tatsächlichen Urheber unlogisch, es ist auch in sich unlogisch, und sogar akulturell, weil praktisch jeder geistige Schöpfungsakt auf den Vorarbeiten anderer beruht.

    Der personale Freiheitsbegriff lässt sich aber auch in die andere Richtung denken: Eine Totalaufgabe der meisten relevanten Verwertungsmöglichkeiten, aus Künstlersicht betrachtet, wäre ebenfalls kein Zustand maximaler Freiheit. Wenn ich beispielsweise als Musiker jede Einzelspur, jeden Sound, jedes Mischgeheimnis im Fall der Veröffentlichung zu veröffentlichen hätte und – kompensationslos – anderen den Zugang dazu einzuräumen hätte, dann nimmt mir das als Musiker einen guten Teil meiner wirtschaftlichen Freiheit.

    Die wirtschaftliche Freiheit eines Kulturschaffenden bzw. geistigen Arbeiters wird tatsächlich eingeschränkt, wenn er über sein Werk garnicht mehr exklusiv verfügen kann, und schlimmer noch, neben dem Werk auch die Mittel zu seiner Erzeugung kompensationslos zu offenbaren hätte. Die von Julia vorgeschlagene Offenlegung von Quellcode bzw. die Offenbarung von Einzelspuren ist nach meinem Dafürhalten nur im Ausnahmefall mit den Interessen der geistigen Arbeiter bzw. der Schöpfer kompatibel.

    Ich denke, vielleicht hilft das Julia bei der Auflösung des gedanklichen Knotens, dass der Begriff des Interessenausgleichs hier eine Schlüsselrolle zukommt, besonders, um eben in Bezug auf Kulturgüter einen möglichst umfassenden und für alle fairen Zustand von Freiheit zu verwirklichen.

    Zu diesem Interessenausgleich zählt auch der rechtliche Rahmen, mithin auch das Urheberrecht, sowie die Möglichkeiten zu Creative Commons, freier Software u.v.m.

    Julia, soll ich mehr dazu schreiben, oder ist das für dich bekloppt, was ich dazu bisher geschrieben habe?

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