Julia Seeliger
  • Skurrile Anklage: Hanfanbau vor dem Brandenburger Tor

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    22. May 2008 | Trackback | Internet ausdrucken
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    Hanfparade Nutzhanf Brandenburger Tor
    Streitobjekt Nutzhanf: Durften sie oder durften sie nicht?Urheber/in (Lizenz)

    Genaues über den Prozess könnt ihr bei Steffen lesen. Dort ist das Aktuellste zusammengestellt.

    Skurriles wurde am 19. Mai vor dem Amtsgericht Tiergarten verhandelt: Steffen Geyer, Hanfparaden-Aktivist, ist angeklagt, am Tag der Hanfparade 2006 Cannabis vor dem Brandenburger Tor angebaut zu haben. In Jura-Sprache sah das dann so aus:

    Illegaler Anbau von Betäubungsmitteln nach §29 Abs. 1 Ziffer 1 BtMG am 05.08.2006 um 11:25 Uhr auf dem Platz des 18.März

    Und das, obwohl ein Zertifikat vorgelegen hatte, dass es sich bei den Pflanzen um harmlosen Nutzhanf handelte! Auf Youtube findet sich ein Video, in dem man sehen kann, wie die Pflanzen – eigentlich als Deko für die Hanfparade 2006 bestimmt – von Polizeibeamten abgeschnitten werden.

    Youtube Screenshot Hanfparade
    Auf das Bild klicken, um das Video anzuschauen!

    Kameramann: Warum schneiden Sie denn die ab?
    Polizist: Abschneiden? Weil hier gemäß der Kriminalpolizei festgestellt worden ist, dass das hier nicht legal ist.
    Kameramann: Aber das ist doch Nutzhanf, soweit ich weiß…
    Polizist: Ich bin kein Experte dafür, das sind andere Leute. Und die haben das entschieden, nicht ich.

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    Anlässlich der Verhandlung habe ich mit Steffen ein Interview geführt.

    Steffen Geyer

    Julia: Erstmal Hallo, Steffen. Du organisierst ja seit vielen Jahren die Hanfparade mit. Jetzt wirst du wegen “Hanfanbaus vor dem Brandenburger Tor” angeklagt. Was habt ihr denn da für eine Aktion gestartet – wolltet ihr euch für die Zeit bis zur nächsten Hanfparade mit selbstgegrowtem Gras versorgen?

    Steffen Geyer: *lacht* Das nicht, aber bei der Aktion “10.000 Hanfpflanzen für’s Brandenburger Tor” ging’s schon um was: Wir wollten ja Patenschaften für die Pflanzen versteigern und so den Bündnis Hanfparade e.V. vor dem Ruin retten. Daraus wurde aber leider nix.

    Julia: Hattet ihr das nicht mit der Polizei abgesprochen oder was?

    Steffen: Klar hatten wir. Probleme mit Cannabispflanzen auf der Hanfparade sind ja nichts Neues: Schon auf der Hanfparade 2002 hat sich die Berliner Polizei ja als Gärtner betätigt. Damals forderte Dein Parteifreund Hans-Christian Ströbele “Gebt das Hanf frei!” (Youtube-Video) und hat es damit sogar in die Charts geschafft. 2003 haben sie dann einen Hanfbauern verhaftet, weil er sich weigerte, seine Handvoll Pflanzen an Ort und Stelle abzuschneiden. Dann wäre es nämlich nur noch Hanfstroh gewesen. Warum lebendes Cannabis böse und sterbendes – weil abgeschnittenes – Cannabis in Ordnung ist, konnte allerdings keiner der Beamten erklären. Und so ging es Jahr für Jahr weiter. Bis zu jenem Samstag im August 2006.

    Julia: Oh ja, jetzt geht’s los mit der eigentlichen Geschichte!

    Steffen: Dass wir ein paar tausend Hanfpflanzen auf die Abschlusskundgebung bringen wollen, hatten wir vorher mit den “versammlungsbegleitenden” Beamten natürlich ausführlich besprochen. Dabei habe ich der Polizei Lagepläne gegeben, auf denen die Paletten mit Pflanzen eingezeichnet waren. Sie hielten Kopien der Saatgutzertifikate und Fotos von den Pflanzen in den Händen. Wie abgesprochen waren ausserdem Hinweiszettel verteilt, die über den extrem niedrigen THC-Gehalt von weniger als 0.016 Prozent aufklärten. In den ersten 20 Stunden war es deshalb auch kein Problem, das Wahrzeichen Berlins zu begrünen. Bis Herr Freund auftauchte.

    Nutzhanf Hinweis Hanfparade 2006

    Um eine lange und traurige Geschichte abzukürzen: Am Ende hat eine Staatsanwältin angeordnet, die Cannabispflanzen abzuschneiden, um zu verhindern, dass die Teilnehmer der Hanfparade Schaden davon tragen oder anrichten.

    Julia: Ist ja interessant, dass die sogar bei Nutzhanf so heftig reagieren. Hat das denn lange gedauert, bis die die Staatsanwältin gefunden haben, die dafür ihren Kopf hinhält?

    Steffen: Gute Frage. Zwar hat Herr Freund ‘ne ganze Weile rumtelefonieren müssen, aber ob das nun daran liegt, dass es ein Samstag war oder daran, dass die anderen Staatsanwälte sich auf den Quatsch nicht einlassen wollten, weiß ich nicht. Aber das kann ich meinen Anwalt ja während des Prozesses mal fragen lassen.

    Julia: Herr Freund? Wer um alles in der Welt ist das denn jetzt eigentlich?

    Steffen: Kriminalhauptkommissar Freund – ja der heißt wirklich so – war es, der alle Absprachen für nichtig erklärte und die Zertifikate des Saatguts ignorierte, weil sie nicht auf deutsch waren.
    Ich kenne Herrn Freund leider schon etwas genauer: Im letzten Jahr hat er zum Beispiel den Einsatz der “Kräfte in Zivil” koordiniert, die dann auf der Hanfparade natürlich sogar harmlose Jointraucher rausgezogen haben. Irgendwie kann der uns Cannabiskonsumenten nicht leiden. Und das obwohl, er 1968 geboren wurde – bestimmt das Ergebnis antiautoritärer Erziehung…

    Julia: … oder er ist als Kind in ein Nutzhanffeld gefallen … Wieso hat es fast zwei Jahre gedauert, bis es zur Anklage kommt? Ist das normal?

    Steffen: Das ist soweit nichts Ungewöhnliches. Es sitzt ja niemand in Untersuchungshaft, da kann man sich mit dem Ermitteln ruhig was Zeit lassen.

    Julia: Und jetzt zu den größeren Linien: Wie ordnest du diese Anklage in die aktuelle Cannabispolitik ein?

    Steffen: Das ist schwer zu sagen. Seit ein oder zwei Jahren ist die Polizei in Berlin und ganz Deutschland ja vermehrt auf der Jagd nach Cannabispflanzen. Es ist jetzt nicht so, dass sie ein ganzes Kilo Gras ignorieren… Aber wenn man wie ich jeden Tag mit dem Thema zu tun hat, fällt schon auf, dass sich die Pressemeldungen über “Cannabisplantagen” häufen und spektakuläre Drogenfunde seltener werden. Insofern bin ich mit meinen 10.000 Pflanzen voll im Trend.

    Julia: Was muss sich, sagen wir mal, bis 2010 schleunigst ändern?

    Steffen: Ziel meines politischen Engagements ist und bleibt die vollständige Legalisierung von Hanf als Rohstoff, Medizin und Genussmittel. Aber bis 2010 ist das vermutlich nicht drin. Politisch möglich könnte es bis dahin aber sein, den Heimanbau von ein paar Cannabispflanzen zu entkriminalisieren. Ein Beschluss der Innenministerkonferenz, den §31a BtMG auch in diesen Fällen anzuwenden – und Voilà: 80-90 Prozent der Gerichtsverfahren werden unnötig. Die Mehrzahl der Konsumenten wird sich selbst versorgen und die Polizei hat Zeit für jede Menge Terroristen-Jagen.

    Julia: Ach, die Terroristen … Auf jeden Fall vielen Dank für das Interview und viel Glück für den Prozess am Montag!

    Steffen: Schönes Wochenende!

    Wer Steffen bei seinem Prozess wegen des illegalen Anbaus von 10.000 Hanfpflanzen am Brandenburger Tor unterstützen will, der hat dazu am kommenden Montag, den 19.05.2008, Gelegenheit. Die Verhandlung findet im Amtsgericht Tiergarten (Turmstraße 91) statt und wird um 10:30 Uhr beginnen. Besucher/innen sind Steffen willkommen!


    Einsortiert: aktivismus, drogen
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36 Responses to “Skurrile Anklage: Hanfanbau vor dem Brandenburger Tor”

  1. Aha, die sind ja drauf ! Nutzhanfverfolger – die kann ich ja gar nicht leiden.
    Zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden fällt wohl gerade dann schwer, wenn man damit Karriere machen möchte.

  2. Hoffen wir mal das der Hanfbauer dann ein paar Jährchen hinter Gittern ist. Dass er Drogen, die das Gehirn schädigen, legalisieren will, zeigt ja schon dass er zu viel geraucht hat.

  3. Wie der Zufall so spielt, hab ich ein Buch geschrieben, dass sich explizit auch an Skeptiker wie dich wendet und schon Morgen erscheint 😉

    Rauschzeichen- Cannabis: Alles, was man wissen muss (ISBN 978-3462039993)

    Allen, die sich im Spannungsfeld zwischen eigener Cannabiserfahrung und staatlicher “Aufklärung” allein gelassen fühlen, will dieses Buch eine Hilfe sein. Es wendet sich aber auch an jene, die selbst keinen Kontakt mit der Droge haben und mehr über eines der ältesten Rauschmittel des Menschen erfahren möchten.

    Mit hanfigen Grüßen
    Steffen

  4. @ Ich (2008-05-18 13:46:56)

    Hoffen wir mal das der Hanfbauer dann ein paar Jährchen hinter Gittern ist. Dass er Drogen, die das Gehirn schädigen, legalisieren will, zeigt ja schon dass er zu viel geraucht hat.

    Wer immer noch die Lügen über Hanf glaubt sollte sich mal besser informieren bevor er durch so sinnvolle Kommentare beweist wie schlau er doch ist!

  5. @Ich: hättest du den Artikel mal aufmerksam gelesen würdest du feststellen, dass es sich nicht um potenten Hanf gehandelt hat!

    Nutzhanf wird auch in der Industrie häufig verwendet, z.B. als Dämmmmaterial, kann aber auch als Treibstoff, Öl, Papier usw verwendet werden. Sogar richtige Häuser kann man daraus bauen.

  6. ach regt euch doch nicht über diesen “ich” auf, der plappert doch nur nach was vater staat ihn weiß machen will. leider zu unintelligent oder faul, sich mal selber zu informieren bevor er unwahrheiten raus posaunt

  7. vieleicht hat er auch zuviel alkohol getrunken uns sein gehirn wurde dadurch wirklich geschädigt. wer weiß

  8. Moin Steffen,
    wünsche Dir für Montag einen einstellungsbereiten Richter, der der “Gnade der autoritären Erziehung” anheim gefallen ist und daher weiß, wie schlimm im Einzelfall sich die permanente Hexenjagd auf Cannabisgrower/nutzer auswirkt.
    Leider schaffe ich es aus gesundheitlichen Gründen nicht zu Deiner Verhandlung, aber ich drücke Dir die Daumen, dass es nicht erneut zu einem derart widerwärtigen Urteil kommt wie letzthin in Bayern, als ein Patient aus Protest gegen die Verhältnisse Nutzhanf anbaute und dafür nun (auch) ins Kittchen soll.

    Klär die Leute mal ein wenig auf über Hanf und gib ihnen zu verstehen, dass derart dümmliche Staatsanwälte/innen künftig besser keine Terroristen jagen sollten, sondern lieber chinesische Urheber von Turnschuh-Plagiaten oder von Zigaretten-Falsifikaten.

    Gruß von Sylt

    aXXL

  9. Hoffen wir mal das der Hanfbauer dann ein paar Jährchen hinter Gittern ist. Dass er Drogen, die das Gehirn schädigen, legalisieren will, zeigt ja schon dass er zu viel geraucht hat.

    ..@ICh..bei dir merkt man du das du dir wahrscheinlich jedes wochenende die birne incl. gehirnzellen wegsäufst. sry für die wahrheit !

  10. […] Weiteres dazu in ihrem Blog: 16. Mai 2008: Skurrile Anklage: Hanfanbau vor dem Brandenburger Tor […]

  11. […] Weiteres dazu in ihrem Blog: 16. Mai 2008: Skurrile Anklage: Hanfanbau vor dem Brandenburger Tor […]

  12. […] Schräge Anklage: Hanfparadenaktivist wird beschuldigt um am 5.8.2006 um 11:25 Hanf auf dem Platz des 18. März angebaut zu haben. (via) […]

  13. Dass manche Leute Hirnschäden haben auch ohne zu rauchen bzw. zu kiffen, zeigt eindrucksvoll der Kommentar von “Ich”.

  14. Weiter so Steffen Geyer. Daumen hoch! Für eine ehrliche und aufgeklärte Welt, ohne die fehlgeleiteten Ego-“Ich”‘s. Gleiches Recht für alle, überall, solange niemand geschädigt wird!

  15. Hey Steffen!

    Wie ist es denn ausgegangen?

    Hoffe es ist gut für dich gelaufen!

    Gruß

    Sebb

  16. Was ist denn das Gegenteil von “Nutzhanf”? Unnutzhanf?!? Auch der berauschende Hanf hat einen Nutzen. Nämlich mindestens den, dass er berauscht.
    Ich finde es ja im Grunde schon gut, dass die Grünen sich für eine Legalisierung einsetzen. Zumindest dann, wenn sie in der Opposition sind. Während der Rot-Grünen Koalition wurde aber kein entsprechendes Gesetz diskutiert. Dabei wäre es so schön, wenn endlich mal was bewegt würde. Korrupt wie die (S)PD ist, hätte man aber durchaus die Etablierung einer legalen Unnutz-Hanfindustrie in den Koalitionsvertrag einbringen können.

  17. Ola!

    Sicher warten einige schon gespannt darauf, zu erfahren, was am Montag beim Prozess passiert ist. Ich will dieses Interesse hiermit gerne befriedigen.

    Der Richter hat mich zu einem Strafbefehl über 600,- Euro verdonnert. Damit wäre ich ein vorbestrafter BtM-Täter, weil ich einem zugelassenen Nutzhanfbauern auf einer Demo Platz für seine Pflanzen eingeräumt habe. Dies tat der Richter ohne mich oder einen der Zeugen anzuhören.

    Was war geschehen?
    Zur Hanfparade 2006 wurde von den Veranstaltern der Parade (also in erster Linie mir) ein Nutzhanffeld aus gut 10.000 Pflanzen vor dem Brandenburger Tor aufgebaut.
    Obwohl diese Aktion vorher nach bestem Wissen und Gewissen geplant und mit den zuständigen Behörden (Polizei Berlin, Versammlungsbehörde, Bundesinnenministerium) abgesprochen wurde, wurde das Feld am Morgen der Hanfparade auf telefonische Weisung der Staatsanwältin Kaulbach, erteilt an den LKA-Beamten Kriminalhauptkommisar Freund, beschlagnahmt. Dieses Vorgehen wurde wie folgt begründet:

    Auszug aus dem Protokoll des KHK Freund:
    “Aufgrund der Tatsache dass
    – die vorhandenen Pflanzen eingetopft vorgefunden wurden,
    – durch den Veranstalter auch keinerlei Vorkehrungen gegen den unbefugten Zugriff durch Dritte getroffen worden waren,
    – die Ausstellung der Pflanzen in der genannten Form vor dem Hintergrund der Zielrichtung der Veranstaltung auch als Aufforderung an die Teilnehmer, sich eigenständig zum Zwecke des Konsums Pflanzenteile anzueignen, verstanden werden konnte,
    – letztlich anhand der vorgelegten Schreiben in polnischer bzw. englischer Sprache auch nicht deren Inhalt bzw. Echtheit in der zur Verfügung stehenden Zeit einschätzbar war
    – und zudem auch keine Sicherheit darüber bestand, ob es sich bei den vorgefundenen Pflanzen tatsächlich um die in den (vorausgesetzt echten) Papieren genannten handelt,
    wurde diesbezüglich gegen 12:10 Uhr … die Beschlagnahme … wegen eines Verstoßes gegen das BtMG angeordnet.”

    Die im Vorfeld getroffenen Absprachen erklärte Herr Freund kurzerhand für ungültig.

    Die Polizei beschlagnahmte daraufhin mehrere Tausend Pflanzen mit einem Gesamtgewicht von 155 kg. Eine spätere Analyse im Auftrag des BKA ergab, dass der THC-Gehalt unter der Nachweisgrenze lag. Die Pflanzen hatten jedoch einen CBD-Gehalt von 0,41%, woraus die Lebensmittelchemikerin Frau El-Khandra-Kluth in ihrem Gutachten schloss, dass es sich zweifelsfrei um Nutzhanf handelt.

    Am 19.5.2008, knapp 2 Jahre nach der Tat, folgte das Amtsgericht Tiergarten (Berlin) der Argumentation von Herrn Freund und verurteilte den Anmelder der Hanfparade 2006, Steffen Geyer – halt mich, in einem Schnellverfahren, ohne den Angeklagten überhaupt zu hören, zu 600 Euro Geldstrafe wegen Verstoß gegen das BtmG.

    Wieso das Gericht das “durfte”?
    Weil ich nicht rechtzeitig vor Gericht erschienen bin!

    Zwar hab ich mich schon kurz nach fünf aus dem Bett gequält, bin noch mal meine Stellungnahme durchgegangen, hab letzte Kopien von relevanten Schriftstücken gemacht etc. Im entscheidenden Moment hat mich aber mein Glück verlassen und ich habe meinen Ausweis verpeilt.
    Dummerweise kommt man ohne Lichtbildausweis gar nicht erst ins Gericht rein, weshalb ich, als ich meinen Fehler bemerkte, mal eben wieder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln quer durch Berlin gurken durfte, um den Ausweis zu holen.

    Natürlich habe ich meinem Anwalt Lüko Becker das per Telefon mitgeteilt und der hat vor Gericht um Verständnis gebeten. Leider hatte der Richter keine Lust auf mich zu warten und hat mich, 5 Minuten bevor ich es wieder bis zum Gericht nach Moabit geschafft hatte, in Abwesenheit verurteilt.

    Sicher kann ich dennoch niemandem außer mir die Schuld daran geben, dass es nicht zu einem klassischen Schlagabtausch vor Gericht gekommen ist, ce la Scheiße gelaufen! Mein Anwalt fand das jedoch gar nicht so tragisch, weil der Richter eh hatte durchblicken lassen, dass er mich in jedem Falle verurteilt hätte. So ging’s halt etwas schneller ;(

    Eigentlich hatte ich gehofft, den Richter durch meine Verteidigung davon zu überzeugen, dass ich alles in meiner Macht stehende unternommen habe, um mich rechtskonform zu verhalten. Dies hätte eine Verurteilung unwahrscheinlich gemacht und voraussichtlich die Einstellung des Verfahrens wegen eines unvermeidbaren Verbotsirrtums oder der geringen Schuld nach sich gezogen (“Freispruch 2. Klasse”).

    Was passiert nun?
    Natürlich kann ich den Strafbefehl über 600,- Euro anfechten. Dann würde es doch noch zu einer umfangreicheren Verhandlung kommen. Leider muss ich davon ausgehen, dass man mich unabhängig von irgendwelchen Zeugenaussagen erstinstanzlich verurteilen wird. Deshalb scheint schon jetzt klar, dass ich in die nächste Instanz (Landgericht) gehen müsste. Laut meinem Anwalt muss ich dann zu den bisher entstandenen Kosten von 500,- Euro noch einmal rund 2000,- Euro Anwalts- und Gerichtskosten einplanen.

    Geld das ich nicht habe!

    Wenn ich den Strafbefehl hingegen akzeptiere, dann bin ich ein vorbestrafter BtM-Täter und habe bei allen zukünftigen Verfahren deutlich schlechtere Karten.

    Die Situation ist echt ungemütlich für mich. Schon jetzt stehe ich (als Privatperson) bei meinem Anwalt mit 300,- Euro in der Kreide, obwohl es bei dem Verfahren nicht um mein Privatvergnügen geht, sondern um eine Hanfparade. (Die Anzahlung für den Anwalt in Höhe von 200,- Euro habe ich mir bei meinen Eltern geborgt. Die wollen die aber auch irgendwann wieder haben.) Wenn ich zu den Anwaltskosten noch die 600,- Euro Strafe rechne, dann bezahle ich 1100,- Euro, weil ich “so blöd war, auf der Hanfparade 2006 den Versammlungsleiter zu spielen”. Echt prickelnd, wenn man für seine ehrenamtliche Legalisierungsarbeit so “belohnt” wird!

    *kotz*

    Jetzt werden sicher einige sagen: Ach Quatsch – Die Kohle für die nächste Instanz kriegst du doch locker über Spenden zusammen!

    Und dann? Führe ich in den kommenden Monaten einen Rechtsstreit mit ungewissem Ausgang, der viel Geld kostet und bei dem mir am Ende vielleicht sogar eine höhere Strafe droht?

    Wer spendet denn für so was? Ich hab ja noch nicht einmal die 500,- Euro für die erste Instanz zusammen bekommen…

    Wäre es nicht geschickter zu versuchen, die aktuell 1100,- Euro Kosten zusammen zu kratzen und die Vorstrafe zu akzeptieren?

    Aber die Prohibitionisten gewinnen lassen ist auch doof… Und wer spendet denn Geld an einen Typen, der schon verloren hat? Ich weiß nicht einmal, ob ich mir in dieser Situation was spenden würde.

    Wenn ich in den letzten Tagen mit Leuten über den Prozess geredet habe (und das habe ich fast den ganzen Tag getan), dann war die eine Hälfte für Kämpfen und die andere für Aufgeben. Zumindest konnten aber alle verstehen, dass ich nicht genug eigenes Geld habe, um einen Fortgang des Prozesses selbst zu bezahlen. Ich habe auch schon 50,- Euro Spende erhalten und eine weitere soll auf dem Weg auf mein Konto sein.

    Wie seht ihr das? Für teueres Geld weiter kämpfen? Wäre doch doof, wenn ich mich bei jeder zukünftigen Pro-Hanf-Veranstaltung fragen müsste, ob ich am Ende wieder 1100,- Euro dafür bezahlen muss, dass ich für die gute Sache aktiv bin.

    Ich hoffe diese Erklärungen stellen euch erstmal zufrieden und bin gespannt, was ihr dazu sagt.

    Mit hanfigen Grüßen
    Steffen

  18. La Lotta Continua – den Kampf weiterführen. Eine echte Vorstrafe willst du nicht haben. Bei einer Einstellung des Verfahrens zahlst du keine Gerichtskosten. Bei einem ‘Freispruch 2.Klasse’ bleibst du nur auf den Anwaltskosten hängen – und die sollten es dir und den UnterstützerInnen der Hanfparade wert sein.

  19. @ Steffen | UsualRedAnt

    Wegen einer mit den Behörden abgesprochenen Nutzhanf-Präsentation eine Verurteilung nach BtMG in Kauf nehmen?

    Das wäre Unrecht.

    Ich teile zwar eine ganze Reihe Deiner Ansichten nicht – einige sind für mich akzeptabel, andere weniger. Deine Buchpräsentation bei “Exzessiv” fand ich z.B. völlig panne – aber das ist nicht der Punkt. Ich finde es z.B. schwer erträglich, dass die Wahrnehmung des Demonstrationsrechtes (mehr noch: die Organisation einer Demo) zu solchen Folgen für dich führen sollte.

    Für mich ist das Urteil falsch und sogar Unrecht.

    Es geht auch um mehr, nämlich für deinen Verband und deine Gesinnungsfreunde, für ihre Ansichten öffentlich werben zu dürfen. Das Mindeste also ist, dass du und deine Hanffreunde straffrei bzw. ohne schwere Rechtsrisiken demonstrieren dürfen!

    Ich glaube, dass du relativ gute Chancen hast, Unterstützung und Spenden zu bekommen – immerhin repräsentierst du als Person und auch im konkreten Prozess eine Sache, die für viele Menschen wichtig ist.

    Meine Bitte: Kämpfe dafür!

    Vielleicht hast du ja auch Glück und erhälst für den weiteren Verlauf kostenlose Rechtsunterstützung – jedenfalls wünsche ich dir dieses Glück.

    Im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten sichere ich dir schon mal Unterstützung zu.

    Kopf hoch!

  20. Hm, hier die Exzessiv-Buchpräsentation auf youtube. Musste ich mir dann doch gleich mal anschauen und verstehe die Kritik nicht ganz, die haben das doch gut gemacht, die Jungs!

  21. Naja, die Geschmäcker sind halt verschieden. Aber abgesehen von der m.E. eher misslungenen Buchvorstellung fiel z.B. auf, dass der Moderator unwidersprochen das Buch als eine Art Beruhigungspille für Eltern/Lehrer usw. vorstellte, und wer schon Kiffer sei, der benötige so ein Buch nicht…

    Ich weiß echt nicht, warum ausgerechnet das Missionierungsstreben von Drogen-Lobbyisten supertoll sein soll. Das wirkte auf mich in etwa so, als ob die Säuferliga das Buch “Saufen – jetzt aber richtig” vorstellt, den Nutzen von Ethanol das Weltklima anpreist, und gleichzeitig sagt, dass so ein Buch nur für Nicht-Säufer interessant ist, denn Säufer hätten ja von vornherein schon den vollen Durchblick.

    Wäre schon etwas peinlich, oder?

    Wie auch immer: Steffen hat wegen dem Unrechtsurteil trotzdem unsere Unterstützung verdient.

  22. Ola Dr. Dean!

    Man muss ja bei der Präsentation eines Buches auch auf die Empfänger achten. Klar sieht dann ein Interview anders aus, wenn ich es mit einem Kiffer-Internet-Magazin führe. Schau dir doch mal ein paar Folgen Exzessiv an, dann verstehst du sicher was ich meine.
    Das ich auch anders kann, hab ich z.B. bei Maischberger bewiesen. Aber auch im rund um Rauschzeichen kann ich durchaus “intellektuell ansprechender” argumentieren 😉

    Sicher bin ich als aktiver Legalisierungsbefürworter nicht gänzlich frei von Missionierungsphantasien. Wenn ich nicht daran glauben würde, “gewinnen” zu können, dann könnt’ ich die Arbeit sicher nicht machen. Dies dem Buch vorzuwerfen, zeigt mir jedoch, dass du es noch nicht gelesen hast. Wir (KiWi, Georg und ich) waren uns von Anfang einig, dass wir uns um ein ausgewogenes Werk bemühen. Pro-Cannabis-Propaganda wirst du darin nicht finden.
    Und das bei den Angehörigen von Cannabiskonsumenten im Zweifel mehr Aufklärungsbedarf besteht, als beim kiffenden Nachwuchs, wirst du doch zugeben, oder?

    Vielen Dank für Deine Unterstützung in Sachen Nutzhanf vor dem Brandenburger Tor.

    Mit hanfigen Grüßen
    Steffen

  23. @ Steffen

    Scherereien mit der Polizei und Anklagen gegen Organisatoren wegen Nutzhanf bei Hanfparaden sind ja nun schon ein “Klassiker”. Gegen Georg Wurth vom Hanfverband gab es vor fünf Jahren eine ähnliche Anklage. Und in der Folge einen Freispruch.

    Steffen, Frage an dich: Wie und worin unterscheidet sich dein Fall vom Wurth-Fall (s.o.)?

    (oder ist es einfach der Normalfall, dass die drogenpräventiven Staatsorgane unter Amnesie leiden?)

  24. Wodurch sich der “Gebt das Hanf frei”-Fall von meinem unterscheidet?
    Wenn ich den Worten eines beteiligten Polizisten glauben kann, der seinen Namen verständlicherweise nicht im Netz lesen möchte, ist der Unterschied: 2002 ging es um 63 Pflanzen – 2006 um mehrere Tausend!

  25. Aha – wir lernen: Nutzhanf verwandelt sich mit zunehmender Menge in eine Rauschdroge. Was ja auch Sinn macht, denn wenn ich beispielsweise 10 Kilogramm Nutzhanf geraucht habe, dann habe ich einen hübschen Rausch.

    Oder so.

    (noch gefährlicher und somit ein schlimmer Verstoß gegen das BtMG: Muskatnuss aus dem Gewürzregal, Schokolade, Farben & Lacke, Tee, Kardamon, Blütenpollen, Honig, Zucker, Milch usw. usf.)

    Ich empfehle Amtsaufsichtsbeschwerde gegen die beteiligte Staatsanwaltschaft wegen missbräuchlicher Anwendung der BtMG.

  26. man, man, man – du bist doch die traurigste gestalt am platz…

  27. naja sind schon viele deppen on tour.
    Aber solange die sich um den nutzhanf kümmern, kann ich wenigstens mein hanf in ruhe anbauen,das finden die sowiso net weils outdoor is.
    Naja und wenn ich dann doch angeklagt werde aufgrund dass ich hir schreibe dass ich hanf anbaue , sage ich einfach ich wollte einfach auch was schreiben, man bin ich gut.
    Und immer schön growen , die Preise so sind ja nicht mehr normal schon wie beim sprit :-)

  28. Das ist natürlich auch eine Nadel im graubereich des gesetzlichen Heuhaufens. Da der Anbau von Nutzhanf aber auch genehmigungspflichtig ist, bin ich mir nicht so sicher ob man solche Pflanzen einfach überall hinstellen darf, zumal die Unterscheidung zwischen THC-armen und THC-reichen Hanf optisch kaum möglich ist.

  29. Lass dich doch mal wieder im Hanfburg Forum blicken

  30. Ne, warum das denn? Ich hab eigentlich keine Lust, mich über unterschiedliche Substanzen zu zerstreiten.

  31. Spendenaufruf für Prozess- und Anwaltskosten wegen des Hanffeldes vor dem Brandenburger Tor zur Hanfparade 2006…

    2006 hatte die Hanfparade am Brandenburger Tor Nutzhanfpflanzen aufgestellt, die aus einem legal produzierten Faserhanfbetrieb in der Uckermark stammten, was durch Urheberlizenzen belegt werden konnte. Der THC- Wert der Pflanzen lag unter der Nachweisb…

  32. Das Problem ist jedoch, dass das Gericht in jedem Fall auch versuchen wird, ihm irgendeine scheiß Sache anzuhängen, damit der entstandene Sachschaden nicht vom Staat getragen werden muss 😉

  33. […] Verfahrens nach § 153 StPO davon. Ich hatte vor dem ersten Verhandlungstermin zu dem Sachverhalt ein Interview mit Steffen […]

  34. Hallo Steffen,

    zu deinen Ausführungen:
    “Mein Anwalt fand das jedoch gar nicht so tragisch, weil der Richter eh hatte durchblicken lassen, dass er mich in jedem Falle verurteilt hätte. So ging’s halt etwas schneller ;(”

    Hat der Richter das so zu deinem Anwalt gesagt? dann würde ich den Versuch einer Strafanzeige gegen den Richter unternehmen da das eindeutig Befangenheit seinerseits belegt und ich gute Chancen sehe damit durchzukommen. Dein Anwalt ist ja Zeuge dieser Aussage des Richters. Wobei es mich wundert, das dein Anwalt nicht sofort Befangenheitsantrag gestellt hat. Anderenfalls mal den Anwalt wechseln und deinen jetzigen als Zeugen benennen.
    (ich weis – Geldfrage ^^)

  35. Nächste Hanfparade: 7.8.2010 – Treffpunkt S/U Alexanderplatz, zwischen Bhf und Fernsehturm

    Schau doch mal auf http://www.hanfparade.de vorbei!

    Die Pro-Cannabis Demonstration jedes Jahr in Berlin!

  36. “Hoffen wir mal das der Hanfbauer dann ein paar Jährchen hinter Gittern ist. Dass er Drogen, die das Gehirn schädigen, legalisieren will, zeigt ja schon dass er zu viel geraucht hat.”

    du verwechselst da grade was. alkohol ist bereits legal 😉

    nicht falsch verstehen.