Julia Seeliger
  • Er ist’s! der prager frühling

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    16. May 2008 | Trackback | Internet ausdrucken
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    Heute ist das Release von “prager frühling”, einem neuen Magazin für Freiheit und Sozialismus.

    prager frühling Magazin

    Es dreht sich in und um die neue Linke, um kritische Theorie und Praxis, um Alltags- und Hochkultur und die überfällige Erneuerung linker Politik. Mit prager frühling ist Stalinismus, bornierter Avantgardismus und Strickjäckchenspießertum nicht zu machen. Sozialismus soll in den Köpfen und Herzen der Menschen wieder mit Frühlingsblumen statt mit dem Aschgrau der WBS70-Wohnblockreihen oder den machtlosen Ritualen längst vergangener Zeiten verknüpft werden.

    prager frühling ist eine linke Dritteljahreszeitschrift im Magazinstil. Sie ordnet sich der politischen Linken und parteipolitisch dem Umfeld der LINKEN zu.

    Sehr erfreut war ich, als mich das Magazin ansprach, um “die Gretchenfrage” zu beantworten.

    DIE GRETCHENFRAGE: Wie hältst Du’s mit dem Prager Frühling?

    Prager Frühling, das ist für mich “Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins”. Die literarische Annäherung an das 68 der Tschechoslowakei: viel Liebe, viel Sex, viel Leid. Den Prager Frühling habe ich nicht selbst miterlebt, nicht in den Nachrichten gesehen. Mein Weltbild brach nicht mit der “Wende” zusammen, so wie es vielen in der BRD ging.

    Im Prager Frühling haben viele für einen Sozialismus demonstriert, der den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Dem nähern wir uns heute von der anderen Seite: Der Neoliberalismus hat ausgedient! Anfang des Jahrtausends wurde noch privatisiert, was das Zeug hält – heute ist der Diskurs weiter, eine neue, emanzipatorische Linke formiert sich. Während zahlreiche alte Linke in Antiamerikanismus baden oder Solidarität nur im Nationalen denken wollen, steht für unsere Generation fest: Solidarität kann nur international sein, Mensch ist Mensch, egal ob in New York, Nairobi oder Pjöngjang!

    Die Reformer in den Zeiten des Prager Frühlings haben es erkannt: Wirtschaft muss demokratisch sein, möglichst dezentral und hierarchiearm. Die Botschaft des Prager Frühlings ist heute aktuell wie damals: Der Mensch gehört in den Mittelpunkt!


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34 Responses to “Er ist’s! der prager frühling”

  1. Zum Abendprogramm komm ich dann wohl auch mal vorbei…

  2. Bei allen Sympathien für das Projekt: geht’s nur mir so, oder ist der Titel “prager frühling” für dieses Zeitschriftenprojekt ein bißchen anmaßend?

  3. Ach fein, ich wollte schon nachfragen, ob ich dich mitbringen kann … Bringe aber schon drei Leute mit, deswegen ist es dann so am besten!

    Bis dann, ich freu mich!

  4. Dann bis dann!

  5. zeitschrift ist bestellt, kann man ja hier nicht kaufen. ich erwarte keinen erkenntnisgewinn, aber gute projekte sollte man unterstützen. z.b. auch:
    http://www.polar-zeitschrift.de/

  6. “Polar” sollte aus meiner Sicht auch unterstützen! Beobachte ich immer wieder, hab aber “mein” Polar-Abo auch noch nicht bestellt.

    Kommt noch …

    :-)

  7. Den Namen finde ich bei Polar sehr gelungen; dafür, mein Abo zu verlängern, sehe ich aber gerade noch nicht so richtig viel Grund — Anspruch und Wirklichkeit der Hefte klafft für mein Empfinden doch oft etwas stark auseinander.

  8. Polar ist übrigens der grüne Gegen”pol” zu “prager frühling”.

  9. Wobei in gewisser Weise mehr das “Gegenpol” als das “grün” zu betonen wäre — ich nehme Polar jedenfalls bisher immer nur als Projekt der “Reformer” (O.N.) bzw. der Substanzfraktion wahr, nicht so sehr als was Gesamtgrünes. Schön daran sind die Kunst- und Soziologiebezüge; was mir fehlt, ist die Verankerung im Linksalternativen. Und das Design des “frühlings” (warum nicht einfach so) ist auch besser, jedenfalls der Website zufolge.

  10. Nochmal zu Polar: was ja richtig peinlich ist: auf der Website findet sich noch die vorletzte Ausgabe, und auch das Blog “steht zur Zeit nicht zur Verfügung”. Da sieht’s beim “prager frühling” noch anders aus. Mal schauen, ob das so bleibt.

  11. prager frühling […] ordnet sich der politischen Linken und parteipolitisch dem Umfeld der LINKEN zu

    Ich sehe keine Traditionslinie von der Linkspartei zum Prager Frühling. Wäre auch etwas weit hergeholt bei einer SED-Nachfolgepartei.

    Dem nähern wir uns heute von der anderen Seite: Der Neoliberalismus hat ausgedient!

    Weniger Freiheit wagen?

  12. Nach einigem Nachdenken stört mich am “prager frühling” (neben dem Namen) vor allem der eindeutige Bezug auf die LINKE. Eigentlich bräuchte es — ob dass dann “crossover” heißt oder nicht — ein “massentaugliches” parteiübergreifendes Medium für die emanzipatorische Linke jenseits des außerparlamentarisch-radikalen Spektrums (bahamas, jungle world usw.). Da scheint mir eine Lücke zu sein. Oder kennt jemand sowas? (Nein, ich meine nicht die taz — die hat als Tageszeitung noch mal eine ganz andere Position).

  13. Halte ich für eine Petitesse. Natürlich ordnen die sich parteipolitisch nahe der PDL zu. Wie sollte Katja auch was anderes ihren Vorstandskollegen erklären?
    Andererseits, schau doch mal rein wieviel PDL da zu finden ist.

  14. Laut Website — das Heft selbst habe ich noch nicht gesehen — einiges.

  15. mal abwarten. wahrscheinlich auch nicht mehr, wie polar “grün” ist

    wir können ja eine eigene zeitschrift machen. aber wer sollte denn dabei sein, damit sie “massentauglich” und “strömungsübergreifend” ist?

  16. Ich nehme an, mit “wir” meist Du hier die Grünen Linken. Genau das meine ich aber nicht — sondern die (in lack of a better word, vielleicht passt “emanzipatorisch” oder “progressiv”) vernünftigen Leute aus den drei mehr oder weniger linken Parteien. Bei uns Grünen ist das ein großer Teil des “linken Flügels”, bei der SPD gibt’s einige, die sich selbst als “rot-grün” mit linkem bis linksliberalen Einschlag ansehen, und bei der LINKEN gibt es nach meiner Außenwahrnehmung eben diejenigen, die jetzt den “prager frühling” machen.

    Gemeinsamkeit: ein Selbstverständnis als links, ein positiver Bezug auf Emanzipation (sowohl in der Gender-Dimension als auch als Emanzipation des oder der Einzelnen von Traditionsgemeinschaften), ein eher negativer Bezug auf Staaten (insbesondere Nationalstaaten als Wunscherfüllungs- und gleichzeitig Normierungsmaschine), also eine gewisse Staatsskepsis, und dann zumindest ein großer Schuss Ökologie/Globalismus. Sagen wir mal, postsozialdemokratische Linke.

    Dass wäre jetzt mal die Gruppe, die ich oben als “vernünftig” bezeichnet habe, und die ich mittelfristig für besonders zukunftsfähig halte (und zu der ich mich selbst rechne; ich verstehe auch Robert Zions links-libertäres Manifest ungefähr so). Soviel zum “strömungsübergreifenden”.

    Mit “massentauglich” meine ich, dass ein gewisser Wert auf Optik und Zugänglichkeit gelegt wird (gerne auf hohem Niveau).

  17. Nach einigem Nachdenken stört mich am “prager frühling” (neben dem Namen) vor allem der eindeutige Bezug auf die LINKE.

    Die versuchen gezielt, sich bestimmte Terrains zu erobern, die eigentlich gar nicht zu ihnen passen. So wie kürzlich der “1968”-Kongress von “linksjugend” und der Hochschulgruppe.

    Gut, dass Bisy und Gyski noch leben. Sonst würde jemand in der Grabrede behaupten, beide seien in Wahrheit Gegner des SED-Regimes gewesen.

  18. Was du beschreibst nennt sich in der PDL “Emanzipatorische Linke” und ist tatsächlich maßgeblich am Prager Frühling beteiligt. Tatsächlich existiert, wenn man so will, in diesem “Emanzipatorisch Linken” Spektrum auf drei parteien verteilt eine virtuelle Partei, welche der BRD sicher gut zu gesicht stünde.

  19. Der “Prager Frühling” hat gerade mit Bisky und Gysi nix zu tun.

  20. Eben. Oder zumindest mal ein gemeinsames Zeitschriftenprojekt dieser virtuellen Partei.

  21. Stimmt gefragt haben sie mich nicht. Dich? =D

  22. und, hat jetzt jmd. das ding schon gelesen?

    “eigene” zeitschrift? find ich weiterhin ne gute idee.

  23. Grandios: Das Magazin hat hier kaum jemand gelesen (vermutlich außer Julia), aber fleißig Heftkritik betreiben…

    Hier kann bestellt werden:
    http://www.prager-fruehling-magazin.de/topic/5.abonnieren.html

    Viel Spaß!
    :-)

  24. Ich nehme gerne ein Rezensionsexemplar — und wenn du die Debatte hier verfolgt hast, dann handelt ein großer Teil nicht direkt vom “prager frühling”, sondern läuft auf der Metaebene über den Sinn und Unsinn von Zeitschriftenprojekten von Parteiflügeln. Und da ist der konkrete Inhalt gar nicht so wichtig.

  25. zeitschriften sind schon etwas anachronistisch. aber schön.

    kann jmd. abschätzen, wie groß der einfluss der “berliner republik” ist?
    http://www.b-republik.de/
    das ist eine mit damals viel tamtam eingeführte spd-flügel zeitung.
    sehe gerade, dass da gerade auch steffi lemke geschrieben hat.

  26. Lieber Till,
    Rezensionsexemplare bekommst Du bei unserem Verlag; Rezensionen freuen die Redaktion immer.

    Mein Kommentar bezog sich auf die vorhandenen, teilweise skeptischen Bewertungen bezüglich Charakter, Namen und Bezüge unseres Magazins.

    Die Mitglieder der Redaktion des prager frühlings kommen tatsächlich aus der Linkspartei, und ebenso wie Polar und Berliner Republik sich auch an den jeweiligen Parteien abarbeiten, so geschieht es auch hier – Hauptsache es bleibt nicht bei innerparteilicher Nabelschau, was uns hoffentlich gelungen ist.

    Und dass sich gerade auch aus der Linkspartei auf die eigene Geschichte in all ihren Facetten bezogen wird, ist das nicht etwas, was von der gesamten Linken auch zu recht von ihr eingefordert wird? Eigentlich müssten doch KritikerInnen der Linkspartei gerade diese Namenswahl begrüßen.

    Das “Erbe von 1968”, lieber Christoph, jedenfalls gehört nicht speziell den Grünen: Allein bei den Sozis dürften sich mehr ehemalige 1968er als bei der grünen Partei finden. Das sind vielleicht auch nicht die 68er Erben, auf die ich mich bevorzugt beziehen würde, aber der Weg von 1968 führte nun mal in die Zersplitterung der Linken, und von dort in verschiedene (Partei-)Projekte. Diese Konstellation anzuerkennen ist m.E. notwendige Grundlage für den innerlinken und überparteilichen Dialog, sonst bleibt nur der besserwisserische Monolog, wer nun die wahren Linken seien.

    Und in Letzterem, soviel Grünen-Bashing sei mir hier auch mal erlaubt, ist besonders das ältere grüne Spitzenpersonal (West) im besondern Maße in den vielen autoritären ML- und K-Gruppen geschult worden, aus denen sie in ihrer Mehrzahl schliesslich stammten.

    Klar ist 1968 auch eine der Quellen der Linkspartei. – Der These von Dennis und Till, dass es schliesslich überparteiliche Strömungen gibt, die ihren Niederschlag in verschiedenen Parteien finden können, teile ich.
    In dem Sinne: Emanzipatorische Linke aller Parteien … redet zumindest mal miteinander :-)

  27. […] Artikel hineinschnuppern. So richtig aufmerksam geworden bin ich auf das neue Magazin durch den Blogeintrag bei Julia. Aber auch die taz hat schon eine Besprechung veröffentlicht. Für ausgewählte Werte […]

  28. Um’s in der Kommentarliste hochzupushen, auch nochmal “von Hand” der Hinweis darauf, dass ich einen länglichen Kommentar zum “prager frühling” in mein Block gestellt habe.

  29. hab das heft jetzt auch und…naja, ist ok, aber eigentlich gibt es till’s artikel wenig hinzuzufügen. ich war vor allem erstaunt, wie kurz die artikel sind, ist man von linken zeitschriften nicht so gewohnt. also wenn polar der gegenstandpunkt in pop ist, ist der prager frühling neon in politik. oder so.

  30. neon ist unterhaltsamer 😉

    Aber wie schon in meinem Kommentar gesagt: was ich gerne hätte, wäre eine parteiungebundene links-emanzipatorische Politikzeitschrift in der Tonlage und Ästhetik der brand eins.

  31. […] der Diskussion in Julias Blog ist das schon deutlich geworden: weit mehr Sinn machen würde aus meiner Sicht eine anspruchsvolle […]

  32. eine parteiungebundene links-emanzipatorische Politikzeitschrift in der Tonlage und Ästhetik der brand eins.

    Das wäre super!

    😉

  33. Ach ja – Print ist tot.

    😉

  34. Dann eben ‘nen Zombie-Magazine machen. Aber kein Blog. Für “tot” gibt’s jedenfalls derzeit dermaßen viele neue Drucksachen, dass es kaum zu glauben ist.