Julia Seeliger
  • Verlogen, verlogen: Die Medien über Merkels “Titten und Schweiß”

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    14. April 2008 | Trackback | Internet ausdrucken
    scissors

    Ich muss ja schon sagen, wie sich die Medien an Angela Merkels Aussehen ablechzen, das geht auf keine Kuhhaut mehr. Vordergründig wird so getan, als würde es um Mode gehen

    Die sonst hochgeschlossen auftretende Politikerin hatte diesmal eine Abendrobe mit tiefem Dekolleté gewählt – und war bei den Fotografen ein noch beliebteres Motiv als sonst. Merkels Galaauftritt – und dessen Effekt – erinnerte an einen früheren, ebenfalls wohldokumentierten Ausflug der CDU-Chefin in die Welt der klassischen Oper:

    Es geht den Journalisten doch nur um eine schmierige Inszenierung: Beide Artikel zum Thema, die ich las, arbeiteten sich an Merkels Brüsten ab, um gleich darauf einen Schlenker zum “Bayreuther Schweißfleck” zu machen.

    Als sie bei den Bayreuther Festspielen 2005 im flamingofarbenen Blazer winkte, zeigte alle Welt auf den dunklen Schweißfleck unter ihrem Arm.

    Die Journalisten sollten sich was schämen! Wäre Merkel ein Mann, würde niemand derart über ihr Aussehen schreiben. Wäre ein Schweißfleck an Frank-Walter Steinmeier oder an Erwin Huber auch nur eine Zeile wert? Wann wurde über Brusthaare oder sich abzeichnende Schwänze männlicher Politiker berichtet?

    Übel stieß mir auch dies auf

    Angela Merkel – hat sie jetzt nicht nur die Polit-Männer im Griff, sondern endlich auch die Mode? (…) Mit ihrer Macht wächst ihr Mut zur Weiblichkeit.

    Angela Merkel finde ich politisch unmöglich, als Frau solidarisiere ich mich an dieser Stelle aber mit ihr. Offenbar hält es ja auch niemand für notwendig, über den Grad der Männlichkeit von Ronald Pofalla, und wie er diese noch weiterentwickeln kann, zu berichten – dann sollte man es bitteschön auch bei Merkel unterlassen.

    Auch wenn sich einige jetzt auf die These zurückziehen mögen, die Medien seien nur ein Spiegel der Gesellschaft – es gibt eine Ethik in den Medien, und wenn man nicht gerade bei der BILD oder vergleichbaren Blättern arbeitet, sollte es doch möglich sein, mal sein Gehirn anzuschalten.

    Für die Debatte: Pressekodex

    Ziffer 8 – Persönlichkeitsrechte

    Die Presse achtet das Privatleben und die Intimsphäre des Menschen. Berührt jedoch das private Verhalten öffentliche Interessen, so kann es im Einzelfall in der Presse erörtert werden.

    Ziffer 12 – Diskriminierungen

    Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden.


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86 Responses to “Verlogen, verlogen: Die Medien über Merkels “Titten und Schweiß””

  1. […] Julia Seeliger über Medienreaktionen auf Angela Merkels Abendgarderobe. Andere auf diesen Beitrag hinweisen 14. April 2008 | von Rochus Wolff | Abgelegt unter: Medien Feedjit Live Website Statistics  Ähnliche Beiträge Diese Nacktfotos sind ein Skandal! Schaun Sie mal!Très Jolie!Stückware Frau […]

  2. Ja und nein. Einerseits richtig, dass man über Pofallas Männlichkeit nichts liest, trotz seiner sexy Stimme.

    Andererseits, wenn eine 20 Jahre lang immer hochgeschlossen rumläuft und dann plötzlich eine beachtliche Menge Dekolleté zeigt, dann finde ich es nicht *nur* sexistisch, das zu thematisieren. Und Merkel kann es auch nicht wirklich überraschen.

    Man stelle sich vor, Pofalla und Thomas Gottschalk würden für einen Abend die Aufzüge tauschen, dann wäre das auch ein Medienthema, und es wäre auch nicht sexistisch, sondern einfach nur Boulevard.

  3. Auha (Update)…

    Vor einigen Wochen war ein mir bekannter Künstler in der Zeitung abgebildet. Dabei handelt es sich um einen Maler, der über die Grenzen des Rhein-Sieg-Kreises bekannt ist. Auf dem Bild war er klein, rund und weißhaarig zu sehen. Ich hätte ihn nicht…

  4. von wegen von männern kommt dieses nicht im boulevard vor:

    wer erinnert sich noch an die debatte, ob ex-kanzler schröder sich die haare färbt?

    oder kürzlich das breittreten der hohen absätze vom französischem präsidenten?

    dagegegen ist doch die hervorhebung von weiblichkeit von Frau Dr. Merkel doch als positiv zu bewerten…es sei denn, man verbindet mit weiblichkeit negatives…wie es mir hier scheint.

    einfach nur grüze, was hier geschwafelt wird.

  5. Hast du meinen Blogbeitrag gelesen? Hast du im Bundestagswahlkampf 2005 und davor die Augen aufgemacht?

    Bist du der Meinung, dass es keinen Unterschied in der Art und Weise gibt, wie über männliche und weibliche Politiker berichtet wird?

    Nur ein ganz klitzekleiner Denkanstoß: Bei Frauen wird meist gesagt “Frau XYZ”, bei Männern nicht.

    Zu den anderen Sachen (Outfit, Weiblichkeit, Schweißflecken) hab ich mich in meinem Artikel schon geäußert. Fände es toll, wenn der in der Diskussion auch mit vorkommen würde.

  6. dagegegen ist doch die hervorhebung von weiblichkeit von Frau Dr. Merkel doch als positiv zu bewerten…es sei denn, man verbindet mit weiblichkeit negatives…wie es mir hier scheint.

    Äh nein.

    Aber mal ehrlich: Findest du, dass Haare färben das gleiche ist wie Schweißfleckenberichterstattung (mit dem Gedanken im Hinterkopf “Wäre ein Schweißfleck bei einem Mann eine Nachricht?”) und Berichte über Brüste?

    Hinzu kommt, dass in den Artikel suggeriert wird, Merkel wäre bisher “unweiblich” gewesen.

  7. Mit den zitierten Pressekodex-Regeln ist in diesem Fall kein Blumentopf zu gewinnen. So wie Dick Cheneys modische Patzer oder Gerhard Schröder Haarfarbe thematisiert werden dürfen, kann selbstredend auch ein offizieller Auftritt von Angela Merkel bebildert, kommentiert und kritisiert werden.

    Hier geht es alleine um Geschmack und Anstand. Und beides kann man (zum Glück) nicht vorschreiben. Was niemanden davon abhalten sollte, solche Fälle zu kritisieren.

    BTW: als ich das Foto gestern zum ersten Mal gesehen habe, war mein erster Gedanke “WTF?????” Der Unterschied zum üblichen Erscheinungsbild von Angela Merkel ist enorm. Und der Schweißfleck als solcher wäre auch nie ein Thema gewesen, wenn ihn der BR nicht wegretuschiert hätte.

  8. Was ich noch sagen wollte (mein Zug hielt, da musste ich hektisch rausspringen): Das mit dem Schwitzfleck ist schon das bessere unappetitliche Beispiel für Ungleichbehandlung von Männern und Frauen. Schröder, Stoiber, Westerwelle – alle haben sich schon totgeschwitzt bei Wahlkampfreden, und es war niemandem auch nur eine Unterzeile wert.

    Aber auch hier ist aus einer mittelkleinen Geschichte eine mittelgrosse geworden, weil eben BR-Online das Bild zuerst retuschiert gebracht hatte. Und bei der zweiten Berichterstattungswelle ist es dann schwierig zu unterscheiden, wer “seriös” über den vorauseilenden Gehorsam der Medien berichtet und wer boulevardesk den Fleck nochmal ein bisschen auswalzt. Andererseits, bei Sarkozy gab es auch einen Aufschrei, als Paris Match die Fettpolster wegphotoshoppte.

    Und Carla Bruni, und damit komme ich zum Ende ohne ein wirkliches Fazit, war auf allen Titelseiten, weil sie so ungewohnt angezogen bei der Queen war. Ist das auch sexistisch? Vermutlich. Aber es bleibt trotzdem alles kompliziert.

  9. Den Pressekodex habe ich als Anstoß zur Diskussion hineingepostet und das auch so gekennzeichnet. Ich wäre hier allen dankbar, wenn sie meine Artikel erst lesen würden, dies sorgfältig und bis zum Ende, und dann kommentieren.

    Danke.

  10. Carla Bruni ist keine Politikerin, sondern Model, Sängerin, reich.

  11. Peter Hogenkamp:

    “Schröder, Stoiber, Westerwelle – alle haben sich schon totgeschwitzt bei Wahlkampfreden, und es war niemandem auch nur eine Unterzeile wert.”

    Das stimmtn nicht. Der schweißüberströmte Wahlkampfredner wird immer wieder gerne thematisiert. Die Konnotation ist eine andere.

  12. Ja, habe ich gelesen. Und ich finde es sehr, sehr verlogen zu sagen: “Toll, wie weiblich sie jetzt ist.” Das klingt wie ein Kompliment, aber es ist ein Schlag ins Gesicht.

    Ich will diese Art der Berichterstattung keineswegs gutheissen, ich wollte nur sagen (und ich habe ja unten noch meinen Kommentar verlängert, ohne die anderen gelesen zu haben): In einer Medienlandschaft, in der *alles* ein Thema ist, was irgendwie auch nur ein wenig dazu taugen könnte, Käufer oder Mausklicker anzuziehen, ist es kein Wunder, dass das auch eins ist.

    Trotzdem kann und muss man es natürlich benennen.

  13. Stimmt. Es wird “immer wieder gern” thematisiert, aber nicht automatisch, weil es eben doch recht oft passiert. Und das mit der Konnotation stimmt auch: “Er hat sich mächtig ins Zeug gelegt”, ist die dann.

    Ich erinnere mich an ein Stoiber-Porträt im Fernsehen, vermutlich vor der Bundestagswahl 2002, wo er irgendwelche “einfachen Leute” bei denen zuhaus besucht, und die Frau sagt, sie fand seine Rede XY so toll, und er antwortet: “Na ja, aber da hab ich doch so schrecklich geschwitzt”. Da hatte zumindest er selbst nicht diese “Ein richtiger Mann schwitzt halt”-Konnotation.

  14. Hey, danke für die Links – hatte die Fotos noch gar nicht gesehen! Also ich finde es gut, dass Merkel mal auch mehr zu ihrer Weiblichkeit steht. Und ich hätte wirklich nicht gedacht, dass sich unter den geschlossenen Oberteilen, die sie sonst so trägt, ein so ansehnliches Dekollete befindet – Mannomann!

  15. Julia: Wie bitte kommst Du auf die Idee, ich hätte nicht zu Ende gelesen? Du hast zwei Paragraphen hingeworfen und ich habe diese im Kontext kommentiert.

  16. Hm, ich vermutete, du würdest vermuten, ich würde Verbote, strengere Regeln oder gar Klagen gegen die Journalisten, die das verzapft haben, fordern.

    Sowas unterstellt man mir ja gerne mal. Wenn man sein Vorurteil von “verbieterischen Grünen” bestätigt sehen will.

    Insofern – seis drum, geschenkt. Und danke für deine Präzisierung bezüglich rollenspezifischer Konnotationen von verschwitzten Politikern.

  17. Sowas gehört sich nicht nur nicht, sondern ist zudem politisch vollkommen irrelevant. Niggemeier, übernehmen sie.

  18. Zur Konnotation:

    “Für einen Moment wirkt er glücklich. Das Gesicht glänzt verschwitzt, die Augen gleiten übers Publikum, über die Kameras, er atmet tief ein. Dann, mit Blick auf die Uhr, holt er sich zurück in die Gegenwart. Der Auftritt ist vorüber, er hat jetzt ein neues, viel wichtigeres Leben.
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    Nur für einen Abend im hessischen Wahlkampf ist Joschka Fischer zurückgekehrt. Man kann ihn inzwischen als Redner buchen bei der Celebrity Speakers GmbH, sie haben auch Gorbi und diesen italienischen Ex-Fußballschiedsrichter ohne Haare im Angebot. Fischers Aufsätze werden über das Project Syndicate verkauft, das ihn “The Rebel Realist” nennt. Alles ein wenig klinisch, da tun ihm etwas Koch und Schweiß gut. Aber nicht zu viel, er hat ja nach dem Abgang 2005 behauptet, dass Politik keine Droge sei, sondern reine Leidenschaft.”

    LINK

  19. nur zu dumm, dass generell gesellschaftlich alles, was mit weiblichkeit zu tun hat, abgewertet wird…

  20. Stimmt, Torsten, die Schweißflecke am lachsfarbenen Outfit von Dr. Angela Merkel – sind eigentlich nichts Weltbewegendes; offenbar war die Technik des BR anderer Auffassung und retuschierte sie weg. Danach wurde diese “revolutionäre Tat” in epischer Breite in die Medien lanciert, bis zur Peinlichkeit ausgewalzt. Dabei ist Schwitzen im Sommer völlig normal! Es herrschte damals mediale Saure-Gurken-Zeit, und da musste die Bundeskanzlerin “vorgeführt” werden. Dabei geht es mir um ihr politisches Management, nicht um ihre “Feuchtgebiete”.
    Ich möchte die Oberhemden von keinem Politiker im Sommer bei tropischer Hitze unter die Lupe nehmen wollen. Mir langt es, wenn ich die Schweißköpfe so manchen Politikers sehe, ohne gleich darüber zu schwadronieren.

  21. Sowas gehört sich nicht nur nicht, sondern ist zudem politisch vollkommen irrelevant. Niggemeier, übernehmen sie.

    Das ist kein Argument – Merkel ist eine Person des öffentlichen Lebens, es ist auch legitim, über politisch irrelevante Dinge aus ihrem Leben zu berichten. Zumindest bei Spiegel Online erschien es deswegen auch im “Panorama”.

    Mir geht es um Geschlechterrollen in den Medien, geschlechterspezifische Berichterstattung, Unterschiede, wie über Politiker und über Politikerinnen berichtet wird.

    Wie oben schon angerissen: Das verfolgt Merkel schon immer. Ich fand das schon im Bundestagswahlkampf 2005 nicht okay.

  22. Ich glaube das entscheidende Moment in dieser Schweißfleck-Debatte war die damals aufgeflammte medieninterne Debatte um retuschierte und verfremdete Fotos. Ob da geschlechtsspezifische Ressentiments hineinspielten, kann ich im Nachhinein nicht mehr beurteilen – ich sehe starke Parallelen zu den ganz ähnlichen Vorfällen um Sarkozy.

  23. Wurde sie als reiches Model zur Queen eingeladen? Oder doch als First Lady?

  24. Bitte, das ist mir zu blöd. Hier geht es um Macht und Geschlechterrollen. Bruni ist gerade nicht Präsidentin, sondern “die Frau an seiner Seite”.

  25. Mal abgesehen davon, daß ein verschwitztes Gesicht nicht dasselbe ist, wie wenn “alle Welt auf den dunklen Schweißfleck unter ihrem Arm” zeigt, ist es glaube ich müßig, einzelne Beispiele nebeneinanderzustellen. Klar findet man auch mal ab und zu etwas über schwitzende Männer. Ich denke, Julias Beitrag entsprang der Wahrnehmung, daß es einen systematischen geschlechtsspezifischen Unterschied in der Berichterstattung gibt, wobei dem Aussehen von Frauen deutlich mehr Bedeutung beigemessen wird. Diese Wahrnehmung teile ich, und wer das für “einfach nur Grütze” hält, könnte ja diese Diskussion zum Anlaß nehmen, darauf in Zukunft mal gezielt zu achten. Die Tatsache, daß es einem nicht unbedingt auffällt, wenn man nicht drauf achtet, sagt an sich erst mal nichts aus; das ist bei den meisten Dingen so, mit denen man aufgewachsen ist.

  26. Ich verstehe das mit der Geschlechterrolle, wollte nur einen weiteren Aspekt aufzeigen.

  27. Felix:

    Du missverstehst: ich habe hier ein Textbeispiel für die unterschiedliche Wahrnehmung gegeben. Stell dir ein solches Zitat bei Ursula von der Leyen vor.

    Muss man hier eigentlich jeden noch so simplen Zusammenhang nochmal explizit hinschreiben? Wenn ich etwas unterstelle, schreib ich es meist sehr, sehr eindeutig dazu. Und wenn ich jemandem widerspreche, mache ich das auch sehr deutlich – wie weiter oben bei Peter Hogenkamp. Wenn da nichts von Widerspruch oder Unterstellung steht, dann versucht bitte nicht krampfhaft etwas hineinzuinterpretieren, was dort nicht steht.

  28. wie schon mehrfach von anderen leuten erwähnt, war die schweissfleck-affäre vor allem deswegen so prominent, weil der stein des anstosses nicht der schweissfleck war, sondern die zensur desjenigen.

    und ja, haare färben erdichten finde ich um einiges tragischer (weil erfunden, bzw. spekuliert, d.h. jeder journalistischen treue nach wahrheit widersinnig) als schweissflecken oder decolté (weil berichtet wird, was fakt ist).

    der artikel suggeriert nichts. wohl jeder wird darin übereinstimmen, dass man die Frau Dr. Merkel noch nie so weiblich gesehen hat. Ich bin sicher, sie wird es als kompliment verstehen und schätzen.

  29. Es war verständlich. Felix meinte sicherlich einen anderen, und zwar diesen:

    einfach nur grüze, was hier geschwafelt wird.

  30. die abwertung war nicht im ursprünglichen artikel, sondern in diesem blog-post, wo sich jemand darüber brüskiert, dass man einer person mehr weiblichkeit zugesteht, als bisher angenommen.

    deswegen meine vermutung, dass beim autor dieses blogs weiblichkeit als negative empfunden wird.

  31. wie schon mehrfach von anderen leuten erwähnt, war die schweissfleck-affäre vor allem deswegen so prominent, weil der stein des anstosses nicht der schweissfleck war, sondern die zensur desjenigen.

    Was hat denn Zensur mit Merkels Outfit zu tun? Man würde die Schweißfleck-Affäre, wenn sie etwas mit Zensur zu tun hätte, doch bei einer anderen Zensur-Affäre wieder aufgreifen.

    Der “Bayreuther Schweißfleck” wurde aber genau jetzt im Zusammenhang mit Merkels Auftreten in Oslo wieder aufgegriffen.

    Na, klingelt’s?

  32. DER Autor.

  33. Als ich die Thread-Funktion in diesem Blog zum ersten Mal gesehen habe, war ich begeistert und wollte das bei meinen Blogs auch einführen. Nun, nicht mehr :-)

  34. Ohne Thread wäre diese Debatte noch unübersichtlicher. Habe da eben auch schon kurz drüber nachgedacht.

  35. ohne die zensur (wenn sie wegretuschieren auf photos als anders empfinden, mag ich ihnen das gönnen) wäre der schweissfleck nicht so prominent, und wäre sicherlich nicht mehr aufgetaucht.

    stichwort hier: prominent.

    klingeln tut es bei mir nicht…ich bin leider taub.

  36. Natürlich: die Autorin.

    Ich bitte, diesen kleinen Faux-Pas zu entschuldigen, da er auf meine Aussage keinen Einfluss hat.

    Danke.

  37. es ist grüze deshalb, weil wenn man wirklich darauf achten würde, dann käme man zu dem schluss, dass für den boulevard jegliche solche ereignisse zu schlagzeilen aufgebauscht wird…ob der protagonist weiblich oder männlich ist, spielt da absolut keine rolle.

    der aufschrei jedoch, wenn es sich um eine frau handelt, ist meist vorhersehbar grösser.

    mir scheint es, als ob männer dazu einfach keinen bezug haben, es ihnen sprichwörtlich am arsch vorbei geht, wenn sarkozy hohe absätze trägt: sie fühlen sich dadurch nicht diskriminiert oder angegriffen. sarkozy ist nicht ‘männer’.

    frauen sind dafür empfindlicher, was wohl von der ungeheuren hohen emotionallen intelligenz zu tun hat? oder mit mitgefühl? was sagt ein schweissfleck bei angela merkel über Julia Seeliger aus? oder über jede andere frau?

    das ist grüze, kann ich nicht anders beschreiben.

  38. Ich denke die Medien sind hier wirklich Spiegelbild der Gesellschaft.
    Ich kann mich an Konzilssitzungen an der Uni erinnern, wenn der Rektor vorn stand wars Schnuppe wie er aussah. Aber bei der Kanzlerin wurde über das Kostüm geschwatzt.
    In Vorlesungen ist es genauso, die Profs rennen (gerade in meinen Fachgebiet) ne Woche mit dem gleichen Pullover rum (was ich jetzt nicht schlimm find, vielleicht haben die 5 identische Exemplare) aber bei ner Professorin wird haarklein die Kleidung analysiert (von beiden studierenden Geschlechtern).
    Bei Leuten an der Uni sollte man ja eigentlich annehmen, dass die etwas weiter sind als der durchschnittliche Bildleser.

  39. Jemandes Finger

    Ich würde mal sagen: Schweißflecken bei Männern sind gesellschaftlich akzeptiert (wenn auch dennoch nicht übermäßig appetitlich). Bei Frauen aber nicht. Warum? Und was wär gewesen, wenn wir bei Angela Merkel nun ein Brusthaartoupet gesehen hätten? Oder gar einen PICKEL?

  40. Sowohl die Berichterstallung über Merkels Dekolleté wie auch über Schröders Haare und Sarkozys Absätzen haben gemeinsam, dass es um die Geschlechterrolle geht. Bei Frauen gehört es zur Geschlechtsrolle, ein weibliches Aussehen zu zeigen in Kleidung, Styling etc.. Merkels Ausschnitt ist dem Boulevard (und leider auch dem Spiegel) eine Meldung wert, weil sie bisher diese Ansprüche eher weniger erfüllt hat, also aus Sicht der Medien “männlich” wirkte. Die Hervorhebung der Weiblichkeit ist in diesem Kontext als negativ zu bewerten, weil durch die Betonung des Aussehens Merkel in die typische Frauenrolle zurückgedrängt wird. Das die nichts mit Politik zu tun hat, brauche ich wohl nicht zu erklären.
    Bei den Berichten über Schröders und Sarkozys Aussehen ging es darum, dass sie durch das Haarefärben und die höheren Absätze gegen die typische Männerrolle verstoßen haben. Somit haben sie sich quasi selbst in die “weibliche Ecke” bugsiert. Diesen Fällen liegt die Hierarchisierung von männlichen und weiblichen Eigenschaften zu Grunde. Daher sind beide Fälle journalistischer Mist, wobei bei Frauen aber häufiger auf das Aussehen reduziert werden. Die Berichte über Merkels Ausschnitt sind ein fast schon zu gutes Beispiel dafür.

  41. ja wenn schweissflecken bei männern gesellschaftlich akzeptiert sind, bei frauen jedoch nicht, dann steuern wir fürwahr auf einen exodus hinzu.

    dazu kommt noch, das hohe absätze and schuhen bei frauen gesellschaftlich akzeptiert sind, bei männern jedoch nicht.

    die spirale dreht sich, es ist fürchterlich, was wir boulevard leser alles aushalten müssen. grausam.

  42. […] geht um dieses Bild, das in den Medien anscheinend für Furore sorgt. Ich empfehle sex.com oder aber eine adäquate Suche. Kanzlerinnen dürfen doch auch welche […]

  43. wenn ich mich recht erinnere, wurde ueber putin eine ganze menge hohn ausgeschuettet, als er oberkoeper frei, beim angeln war. putin versuchte damals “machismus” zu inszeniere; ganz bewusst.
    angela merkel hat das kleid sicher nicht unbewusst aus dem schrank genommen; oder sehe ich das falsch?

  44. […] der Frühling hat was. Aus ehemals hässlichen Knollen und Knospen werden durch anhaltende Pflege und ausdauerndes Styling sehr gut anzusehende […]

  45. du wirfst der Frau Dr. Merkle kühle Berechnung vor?

    Harter Tobak.

  46. Das entscheidende ist doch, dass es offensichtlich für die Öffentlichkeit noch immer einen gewissen Nachrichtenwert hat, wenn eine Frau, die vorher nur als Frau Dr. Merkel wahrgenommen wurde, was im Wahlkampf übrigens auch immer wieder Thema war, auf einmal Brüste hat. Was für eine Überraschung! Solche “Geschlechterchecks” gibt es zu einem überwiegenden Teil bei weiblichen Wesen. Wenn über deine Haare debattiert wird, hat das nichts mit deiner geschlechtlichen Identität zu tun. Wenn man(n) nicht über die Maßen eitel ist, dann geht es nicht an die “Substanz”. Wenn es um Geschlechteridentitäten geht, dann geht es zumindest für diejenigen, die sich darüber auslassen, um das Einhalten oder Missachten substantieller Eckpunkte unserer Gesellschaft. Darin liegt ein klarer Unterschied!

  47. solche geschlechtechecks gibts für männlein und weiblein. bei weiblein meist positiv (weiblichkeit, hervorhebung von weiblichkeit), bei männlein meist negativ (in frage stellen von männlichkeit, verhöhnung).

    ich kann zustimmen: darin liegt ein klarer unterschied.

  48. natuerlich nicht. ich sag nur, dass reaktion und diskussion vorhersehbar war. ein schelm, wer inszenierung vermutet. dashat steeg ja auch ueberzeugend dementiert.

  49. ich weiß jetzt nicht, was am hervorheben von brüsten “positiv” sein soll. mal abgesehen davon, dass frauen, die sich eben nicht besonders “feminin” kleiden – wer auch immer das festlegt – leicht in den “verdacht” geraten, “unweiblich” zu sein.
    vielleicht solltest du deine argumentation dahingehend überdenken. ich würde auch überdenken, was das hervorheben von “weiblichen attributen” gemeinhin bedeutet – von positiv kann dann nicht mehr die rede sein…

  50. Anstatt die Gelegenheit zu nutzen, die völlig unangemessene Thematisierung von Privatem allgemein zu kritisieren, diese Gender-Brillen-Sicht. Egal wer sich “auffällig”, also vor allem deutlich anders als sonst anzieht, wird abgebildet und diskutiert. Das ist immer falsch, nicht nur bei Frauen. Aber das fehlt nicht nur im Artikel, sondern diese Praxis wird sogar verteidigt…

  51. Julian Seeliger is not amused. 😉

  52. Berechnung ? Bei einer Physikerin ? Niemals !

  53. Kannst du das bitte noch mal konkretisieren? Ich habe das leider nicht verstanden.

  54. Wenn über Merkels Aussehen berichtet wird, dann ist das falsch, weil über das Aussehen oder die Kleidung eines Politikers oder einer Politikerin berichtet wird. Dabei ist die Art und Weise nebensächlich, und dass es falsch ist, ergibt sich nicht aus weiblich/männlich oder ähnlichem, sondern einfach daraus, dass es überhaupt ein Thema ist.

    Wenn ich es richtig verstanden habe, dann verteidigst Du diese Art der Berichterstattung grundsätzlich, sofern sie keinen gender-bias hat. Das finde ich grundfalsch.

    Berichtet werden muss über:
    Macht Merkel “gute” Politik?
    War die Reise nach Oslo (oder wo das war) sinnvoll, wer hat sie bezahlt, meinetwegen auch, ob sie klimafreundlich hinflog…
    Über Privates nur, wenn es darum geht, dass sie Steuern hinterzieht, meinetwegen auch noch, von wem sie Spenden bekommt und wenn sie akut erkrankt ist, aber so generell ist ihre Bekleidung einfach mal egal und schon gar nicht dazu da, dass andere dann darüber “berichten”…

  55. Ich halte diesen Text für sehr gelungen une bdanke mich für das Lesevergnügen und die klaren Worte!

  56. Dass mal wegen einem Schweißfleck Berichterstattung in großen Rahmen stattfand, ist ein merkwürdiges Stück Mediendämlichkeit – zumal es reichtlich Themen gibt, die etwas mehr Erwähnung verdienen würden.

    Was nun Bild mit den auslandenden Brüsten betrifft: Frau Merkel hat sich in der Öffentlichkeit so gezeigt – mit Bedacht, und wohl auch, damit berichtet wird. Insofern greift das Argument mit den Persönlichkeitsrechten m.E. nicht so ganz. Nunja. Männer springen auf sowas an – das ist einfach so. Es ist ja nun ein sehr ungewöhnliches Bild von unserem Staatsoberhaupt.

    Mein erster Gedanke war, das sie sich die Bundeskanzlerin zunehmend societymäßig inszeniert. Das ist blöd – und noch ätzender finde ich es, dass ein gewählter Kanzler bzw. Kanzlerin sich prächtig erfreut zeigt ob der Nähe des norwegischen Adels. Bah! Das missfällt mir, wie überhaupt alle Operettenhaftigkeit in der Politik.

    Meine Vorstellung mag etwas spießig sein, aber ich meine nicht, dass ein Bundeskanzler bzw. eine Bundeskanzlerin für schöne Bilder (oder was auch immer der staatstragende Zweck sein soll) sich auf Adelsbesuchstour begeben sollte. Für Reisen ins Ausland hat man/frau gewöhnlicherweise einen Außenminister. Ihre Aufgabe wäre eher gewesen, zu Schäubles neusten Vorschlag, dass man irakischen Christen Asyl geben solle, etwas Kluges zu sagen.

    Nunja, die leicht bekloppte Aufgeregtheit wegen der Brustbilder ist menschlich verständlich. Weniger verständlich ist für mich der Schweißfleckjournalismus in sogenannten Nachrichtenmagazinen.

  57. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann verteidigst Du diese Art der Berichterstattung grundsätzlich

    Äh – Pressefreiheit?

    Bei Personen des Öffentlichen Lebens kann es nun mal passieren, dass Journalist/innen meinen, dass sich “die Öffentlichkeit” auch für deren Privatleben interessieren könnte und dies deswegen für berichtenswert halten. Auch bei Politiker/innen kann dies interessant und sogar politisch bedeutsam sein, zB wenn diese “Wasser predigen und Wein trinken” – knapp ausgedrückt. Aber das hast du ja auch schon gesagt.

    Man kann und soll es den Journalist/innen nicht verbieten, so zu berichten, finde ich!

    Ich interessiere mich im Moment mehr für die Frage, ob das biologische Geschlecht einen Einfluss auf die Art und Weise der Berichterstattung hat. Meine These: Oh ja, und zwar sogar sehr!

    Man kann es den Journalist/innen nicht verbieten – aber darum bitten, mal das Gehirn anzuschalten. Das ist hiermit ein zweites Mal getan! :)

  58. Ja, Presse- und Meinungsfreiheit ist echt scheiße, was? Man sollte wieder die offizielle Zensur einführen, wo kommen wir sonst hin. Titten von Merkel, Leugnung des Klimawandels, all das darf nicht mehr sein! Nieder mit der Freiheit! Für eine grünsozialistische Gesellschaftsordnung!

  59. Sehr lustig. Erstmal alle Kommentare hier durchlesen und dann bitte entschuldigen.

  60. Wie ganz oben schon erwähnt, ist es nichts weiter als Boulevardpresse.
    Ich glaube, dass jedem der die Bilder im Fernsehen gesehen hat, das Dekolleté der Bundeskanzlerin aufgefallen ist. Ich bin auch davon überzeugt, dass in 99% der Fälle eine Bemerkung dazu gefallen ist. Von Männern genau so wie von Frauen. Die Kommentare im Fernsehvolk reichen wohl von einem vornehm pikierten “gewagt” bis zum hormongesteuerten “Holz vor der Hütten”.
    Mensch funktioniert so. Mensch ist so.

    Das nur Politikerinnen von solcher Presse “betroffen” sind, stimmt nicht.
    Der Exkanzler Schröder (Goldkettchens Gerd), war wochenlang wegen seiner Haare in der Presse. Designeranzug und -schuhe waren genauso ständig Thema, wie seine Vorliebe für teure Zigarren.
    Helmut Kohl war “Birne”. In allen Variationen immer wieder in Karrikatur und Satire verwurstet. Seine Körperfülle brachte auch manch gute Pointe zu Tage. Und das auch in der sog. “seriösen” Presse.
    Der grüne Joschka wurde in seiner Vor-Jogger-Zeit, dank Titanic, auch gerne mal als “Grühnkohl” bezeichnet. Seine angebliche frühere Tätigkeit als Taxifahrer wurde auch immer gerne aufs Tapet gebracht.
    Es sind alles Poliker und Politikerinnen. Es ist u.a. auch deren Job, andere über sie witzeln, ihr Äußeres beurteilen oder auch sich verballhornen zu lassen.
    Auch deshalb sind sie Poltiker geworden! 😉

  61. Ich vermute, Marco hats nicht so mit dem Lesen.

  62. Ohne mich zu kennen, könntest Du dennoch für eine sinnvollere Diskussion doch davon ausgehen, dass ich weder die Pressefreiheit abschaffen, noch den Journalisten vorschreiben will, worüber sie zu berichten haben. Insofern: Pressefreiheit ja! Und wie gesagt, auch einen Bericht darüber, wenn sie mit einem 20-Liter-Auto vorführe. Aber Bekleidung zählt da höchstens drunter, wenn sie meinetwegen aus Walbart bestünde oder so, Du verstehst, was ich meine…

    Problematisch finde ich das aus zwei Gründen:

    einmal gibt es nicht umsonst Gesetze zum Schutze der Persönlichkeit, und obwohl man natürlich weiß, dass man häufiger in die Zeitung etc. kommt, wenn man Bundesklanzlerin wird, gibt es doch gewisse Dinge, die privat sind und bleiben. Du willst gewiss auch nicht, dass die BILD darüber berichtet, was Du gefrühstückt hast. Nennen wir es meinetwegen mit dem frühen Habermas “Intimsphäre”.
    Zum zweiten aus demokratischer Sicht: die Menschen, das “Volk”, glauben, dass es eine Nachricht sei, was Merkel anhatte, und sehen stattdessen eben dann nicht, was Merkel zum Mindestlohn sagt oder wozu auch sonst immer.

    Und ja, der zweite Grund ist keiner, mit dem man Journalisten verbieten könnte, über Politikerinnen zu schreiben – der erste aber schon…

  63. Eine andere Frage ist, ob und inwieweit Angela Merkel durch ihr Frau-sein in der Politik benachteiligt ist. Sicher findet man in Bezug auf Merkel den einen oder andern Zungenschlag, der irgendwie “ungleich” ist und überdies doof. Z.B. bei Abendkleidung. Wobei Männer es bei diesem PUnkt in der Politik irgendwie einfacher haben. Verglichen mit Frauen ist das halt fast immer öde Einheitskleidung. Ob das nun wiederum eine Vorzugsbehandlung der Männer darstellt: Ich weiß es nicht. Andererseits fährt Angela Merkel in ihrer Politikerkarriere offenbar garnicht so ganz schlecht – insofern fällt es mir im Moment schwer, jedenfalls für das Amt der Bundeskanzlerin, von einem geschlechtsspezifischen massiven Nachteil auszugehen.

    Manchmal vermute ich das Gegenteil. Merkel ist dafür bekannt, dass sie sich in politischen Streitfragen lange bedeckt hält und im Zweifel fürs (offenbar dumm gehaltene) Volk die unglaublichsten Banalitäten formuliert. So stößt man/frau nicht an, zeigt keine Angriffspunkte usw. usf. Nur frage ich mich, ob man einem Mann diese “Dünnpfiff-Strategie” in der politischen Kommunikation durchgehen lassen würde. Vermutlich ja: Ein Ole Beust bekommt das in ähnlicher Gestalt auch hin. Und kaum jemand merkt, dass das Wählerverarschung ist.

  64. Kanzler/in ist nicht Staatsoberhaupt, sondern “nur” Regierungschef/in.

  65. Hm, in diesem Fall ist ja nicht davon auszugehen, dass Merkel nicht erwartet hat, dass sie bei diesem Opernbesuch nicht auf Journalist/innen treffen würde. Deswegen fände ich eine Klage wegen Verletzung von Persönlichkeitsrechten schon etwas happig, allerdings könnte sie ja mal die härtesten Kommentierungen herausnehmen und checken. Als Bundeskanzlerin wird sie sich das allerdings wohl lieber sparen, das kommt leider als “Spaßbremse” oder “prüde” rüber.

    Hinzu kommt, dass die CDU nicht gerade für Gendersensibilität bekannt ist – für eine solche Aktion (Klagen wegen Persönlichkeitsrechten) wäre es aber schädlich, wenn die Basis das nicht verstehen würde bzw. könnte.

    Ich erwarte aber von erwachsenen Journalisten eine Art der Berichterstattung, die einen (v.a. Frauen) nicht so “nackt” dastehen lässt. Gerade, dass der “Bayreuther Schweißfleck” wieder hervorgekramt wurde, zeugt nicht gerade von Reife. Auch, was für ein eindimensionales Bild von “Weiblichkeit” vermittelt wird bzw. manche Journalist/innen haben, gibt zu denken.

    Bei Merkel sind derartige Kommentierungen zu ihrem Aussehen ja nicht neu, jedoch nahm ich diesen Vorfall als Anlass, mal eine sachorientiertere und geschlechtergerechtere Art und Weise der Berichterstatung anzumahnen. Ich wünsche mir auch, dass Journalisten mal ihre Art und Weise, wie sie Frauen und Männer unterschiedlich kommentieren, selbstkritisch hinterfragen.

    Bestes Beispiel, ich wiederhole es gerne: Bei Frauen wird sehr häufig von “Frau XYZ sagte” gesprochen, bei Männern von “XYZ sagte”. Für mich ein Ausdruck dafür, dass der Mann als Norm gesehen wird und die Frau ihr Geschlecht als zusätzliches Attribut angeheftet bekommt. Dazu kommen zahllose Artikel zu Aussehen und Geschlecht.

    Leider ist es so, dass erfolgreiche Frauen in der Politik nicht selbstverständlich sind. Anders kann ich mir dieses schiefe Bild nicht erklären.

  66. Vermute ich auch: “Ignoranz ! Freiheit ! Markt !”

    (hihi)

  67. dass man die Frau Dr. Merkel noch nie so weiblich gesehen hat

    Was bedeutet “weiblich” ?

  68. Ich wette, das Dekollete ist retouchiert!

    😉

  69. “Andererseits, wenn eine 20 Jahre lang immer hochgeschlossen rumläuft und dann plötzlich eine beachtliche Menge Dekolleté zeigt, dann finde ich es nicht *nur* sexistisch, das zu thematisieren.”

    Das finde ich auch! Zudem finde ich diesen Artikel im allgemeinen sinnlos und bloßaus eine euphorie geschrieben….?!

  70. man kann das ‘frau XYZ’ und nur ‘XYZ’ für männer auch anders interpretieren.

    Frau XYZ ist eine höfliche Anrede. Leider gibt es Mann XYZ als Anrede nicht, sondern Herrr XYZ. Was darauf hindeutet, dass es sich um einen Höflichkeit handelt.

    Somit werden Frauen mit mehr Höflichkeit begegnet, da ja das Herr vor XYZ meistens fehlt.

    Aber das macht keinen Sinn, denn ich sehe ‘Merkel’ ohne Frau viel öfter in den Schlagzeilen als mit ‘Frau Merkel’.

  71. Diese Aussage ist sehr typisch: Wird kontrovers über eine Frau berichtet, so ist es die Schuld und fehlende Moral der Medien. Die Frau ist natürlich völlig unschuldig und nur Opfer.

    Geschieht ähnliches über einen Mann, so ist der Mann selber schuld, weil er sich selber diskreditiert hat, ist also sicherlich kein Opfer, und wenn doch, dann zum grössten Teil selber dafür verantwortlich.

    Typischer kann diese Aussage fast nicht sein.

  72. ich kläre gerne auf: http://de.wikipedia.org/wiki/Weibliches_Geschlecht

    In Bezug auf meinen Artikel: die Milchdrüsen, als Teil des weiblichen Geschlechts, wurden von Frau Dr. Merkel zur Schau getragen. Ein Novum von ihrer Seite. So weiblich hat man sie noch nie gesehen.

  73. was ist am hervorheben von weiblichkeit negativ? Weiblichkeit empfinde ich im grösseren Rahmen als sehr positiv.

    Ich frage mich, warum gerade Frauen dies negativ bewerten?

  74. Ohne jetzt jeden Kommentar gelesen zu haben, und unter der Grundannahme, dass tatsächlich unterschiedlich über Männer und Frauen berichtet wird usw., und da durchaus eine ganze Menge Sexismus drin liegt: was wäre, wenn Merkel das ganz bewusst und absichtlich und im Wissen um die medialen Folgen gemacht hätte? Soviel Medienstrategie traue ich ihr nämlich zu (und wenn Schröder im Armani-Anzug (oder war’s Brioni?) auftrat, wurde da ja durchaus auch berichtet).

  75. Das würde nichts an dem Grundproblem ändern. Ich habe mich auf “Wie über Politikerinnen berichtet wird” fokussiert. Andere haben andere Aspekte reingebracht.

  76. manfromthenorth

    Das Ganze ist nur Teil eines viel größeren Problems, nämlich der Personalisierung, Stereotypisierung und Seifenoperisierung von Poltik, deren Ergebnis dann auch heiße Typen wie Berlusconi oder Schröder sind, die dann wiederum durch PR-Büros und Medien regieren und bei Ablehnung ihrer Poltik nur “Vermittlungsprobleme” sehen, die durch mehr PR gelöst werden.

    Eine dümmliche Journaille, die es auch nie besser gelernt hat, und ein “Markt” der unterbelichteten ZDF bis RTL-Gucker und BILD bis SPON-Leser, der das alles dann eifrigst und hämisch nachfragt. Damit zusammenhängend dann auch dieses dümmlich-archaische Symbol-Gewäsch: Poltiker XY ist “gestärkt”, weil er ein “Machtwort” spricht und “Führung zeigt” etc. Und ein dicker Politiker bringt Wohlstand, und der Oska predigt ja Wasser, obwohl er Wein trinkt, und müsste als Sozialist in Sack und sche gehen. “Politik” auf Kindergartenniveau eben, sponsored by Deutsche WIrtschaft.

    Mit Kant und mit dem Vermögen, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, mit Rationalität und Aufklärung hat das alles wenig zu tun. Mit Demokratie übrigens auch nicht, wenn man darüber mal genauer nachdenkt.

    Im übrigen stimme ich deinem Kommentar vollkommen zu, gebe aber noch zu bedenken, dass sich “Zeitungen” wie Bild ja damit brüsten, jeden “Promi”, und das sind heute eben auch repräsentative Politiker, im Aufzug hoch- und wieder runterfahren lassen zu können, wenn diese das Spiel mitspielen wollen (sonst natürlich auch). Und Frau Merkel fand damals auch nichts dabei, sich von den Blättern ihrer Freundin Friede Springer, oder auch von Spon, emotional hochschreiben zu lassen. Um Inhalte ging es da auch nicht wirklich. Somit bleibt mein Mitleid begrenzt, und ich frage mich eher, was es wohl zu bedeuten hat, dass da gerade scheinbar ein Fahrstuhl zumindest nicht mehr nach oben fährt… kommt jetzt etwa Wulff?

    Deine Kritik ist aber völlig richtig, wie gesagt.

  77. Nur zu Pofalla:
    http://www.youtube.com/watch?v=1RhpniVQXVM
    :-)

  78. Ich nehme an, du meinst den Satz: “Somit haben sie sich quasi selbst in die “weibliche Ecke” bugsiert.” Damit meinte ich die Interpretation der Medien. Aus meinem Beitrag sollte doch ersichtlich sein, dass ich die Sache recht differenziert sehe. Also nicht zu schnell selbst einem Klischeedenken verfallen, bitte.

  79. :)

  80. Frau Merkel entschließt sich, ein Kleid zu tragen, das ihre Brüste präsentiert. Die Medien bemerken es und Frau Seeliger findet das diskriminierend.
    Was will uns frau sagen, wenn sie ihre Geschlechtsmerkmale demonstrativ herauskehrt?
    Auf ihre Sachkompetenz hinweisen?
    Wie sähe Medienberichterstattung wohl aus, wagten es Männer heute sich in gleicher Weise zu präsentieren bei einer festlichen öffentlichen Veranstaltung?
    Ist das überhaupt vorstellbar?
    Gerhard Schröder mit freiem Brusthaar oder in Braguette-Hose bei einer Opernpremiere?
    Wer wird hier also diskriminiert?

  81. Schon schräg, der Kapitalismus ist in einer schweren Krise, die Bahn soll verscherbelt werden, die Hamburger Grünen prostituieren sich mit der cdu.

    Und trotzdem labern alle über Merkels Oberweite. Glückwunsch, Frau Bundeskanzler a) zum gelungen Ablenkungsmanöver b) zur Garderobe

  82. > Wäre Merkel ein Mann, würde niemand derart über ihr Aussehen schreiben.

    Habe dazu im Österreichischen Kurrier einen kleinen auszug gefunden:

    [..] der Busen von Deutschlands erster Regierungschefin ist da keine Ausnahme.
    Tony Blair [..] fiel am Strand einst mit einer – laut Augenzeugen – zu engen Badehose auf. Bei einem im Kanu paddelnden Nicolas Sarkozy sah sich ein französisches Magazin sogar veranlasst, die Speckrollen wegzuretuschieren. Silvio Berlusconi hat sowohl ein Lifting als auch eine Haarverpflanzung (“Ich fühle mich wie ein 42-Jähriger”) hinter sich. Und Hillary Clinton hat ihr Leben lang nach der richtigen Frisur gesucht, schreibt sie in ihrer Biografie.
    Die weiße, hautenge Wanderhose, die Alfred Gusenbauer bei seiner Bundesländer-Tour im Wahlkampf trug, ist hierzulande Legion. Von Karl-Heinz Grassers Seepferdchen-Badehose ganz zu schweigen.

    Quelle: http://www.kurier.at/freizeitundgesundheit/148415.php

    Ich würde mal sagen: Wenn PolitikerInnen (und erst recht BundeskanzlerInnen) derart offensiv ihre Geschlechtsmerkmale zur Schau stellen (sei es absichtlich oder unabsichtlich) werden die Medien darüber berichten.Grade wenn dies bisher bei dieser PersonIn (scnr) eher unüblich war.

    Ich sehe da keine Ungleichbehandlung…

  83. […] zusammen, was nur für Aussenstehende noch eine  Neuigkeit ist, deren Nachrichtenwert über das Dekolleté der Kanzlerin und die Wanderungen der olympischen Fackel (und diesbezügliche ‘westliche Arroganz‘ […]

  84. […] derart über Merkels Aussehen schreiben würde, wenn sie ein Mann wäre und meinte, Journalisten, die sich an Merkels Brüsten abarbeiten, “sollten sich was schämen” und erinnerte an den […]

  85. “Det is keen Bild hier!”

    Teil 2, letzter Absatz:

    Er fühle sich in allem bestätigt, sagt der Politologe (Merkel-Biograf Gerd Langguth) heute. Merkel mache nichts ohne Kalkül. Es sei völlig ausgeschlossen, dass sie vor der Reise nach Oslo einfach so in den Schrank gegriffen habe. “Sie weiß, welche symbolhafte Wirkung von einem solchen Auftritt ausgeht. Das war ganz gezielt eingesetzt.”

  86. […] Merkel im April in Oslo mit tiefem Dekollete fotografieren ließ (siehe z.B. die Diskussion im blog der Grünen Julia Seeliger). Auch hier kann als sicher gelten, dass Merkel wusste, was sie tat. Das Kleid war eigens für sie […]