Julia Seeliger
  • Claudia Fromme: Thomasius des Blätterwalds

    17
    6. August 2008 | Trackback | Internet ausdrucken
    scissors

    Abermals gibt es ein nicht ganz meinungsfreies Stück von Claudia Fromme (Süddeutsche Zeitung) zum Thema Drogenpolitik. Diesmal hat sie ein Interview zum Thema “Crystal” geführt. In einem Interview können sich – schlechte – Journalist/innen ja auf die Äußerungen des Interviewpartners zurückziehen, jedoch sollte man genau hinschauen, zum Beispiel an dieser Stelle

    Fromme: Aber kann ein Stoff eingedämmt werden, wenn härtere Strafen drohen?

    Härtel-Petri: Ja, höhere Strafen werden den Stoff teurer machen, Preis und Verfügbarkeit sind ein sehr wichtiger Faktor für die Verbreitung. Dealer werden mehr dafür verlangen, dass sie die Droge besorgen, weil es risikoreicher ist. Das hat zur Folge, dass der Markt schrumpft.

    Was hat Roland Härtel-Petri, Leiter der Suchtstation im Bezirkskrankenhaus Bayreuth, eigentlich für eine Expertise, derartige Fragen kompetent zu beantworten? Die Frage ist ja berechtigt, jedoch vergisst Fromme, noch mal nachzufragen – ist das wirklich so, dass das Strafrecht Konsum eindämmen kann? Kann man mit dem Strafrecht die schwarzen Märkte zähmen? Das wird ja von den meisten Forscher/innen in diesem Bereich bezweifelt. Es drängt sich der Eindruck auf, dass Fromme weniger wirklich interviewen möchte, sondern lieber die Stichworte des Arztes aufschreibt, der in erster Linie mit denjenigen zu tun hat, die eben nicht mehr mit der Droge klarkommen.

    Das wird auch in der reißerischen Einleitung

    Keine Droge wütet in den USA schlimmer als Methamphetamin.

    und der Suggestivfrage zum Eingang

    Fromme: Wird die Droge Methamphetamin unterschätzt, Herr Härtel-Petri?

    deutlich.

    Claudia Fromme war mir schon andermal als ideologisch agierende Schreiberin aufgefallen. Beim Googlen fand ich eben noch “Stoffe für Albträume”, einen Artikel mit ebenfalls drogenfeindlichem Tenor, den ich noch nicht kannte. Anlässlich der Salvia-Debatte schrieb sie “Drogen aus dem Kräutergarten” – ich schrieb einen Leserbrief, der leider nie beantwortet wurde. In dem Salvia-Artikel wurde deutlich, dass Claudia Fromme nicht informiert war, sondern lediglich die – völlig von Unkenntnis geprägten – Antworten der Bundesregierung (PDF) auf die “Kleine Anfrage” (PDF) der Grünen wiederkäute. So vermengte Fromme genau wie die Bundesregierung Salvia Divinorum mit Pilzen, was pharmazeutisch haltlos ist.

    In dem Salvia-Artikel wird Dr. Rainer Thomasius zitiert, in dem Crystal-Interview ist abermals ein Arzt Gesprächspartner, der nur mit den schlimmsten Auswirkungen des Stoffs zu tun hat. Die Süddeutsche wäre gut beraten, Claudia Fromme nicht mehr mit Artikeln, die sich mit dem Thema Drogen befassen, zu betrauen. Sie befindet sich offenbar in einem ganz persönlichen “War on Drugs” und das sollte eine ernstzunehmende liberale Zeitung wie die Süddeutsche nicht weiter unterstützen.

    Drogen-Artikel von Claudia Fromme


    Einsortiert: drogen


  • auch noch zum Thema




17 Responses to “Claudia Fromme: Thomasius des Blätterwalds”

  1. Hola. Danke für Deinen Einsatz. Gerade bei Ärzten muss man imo immer sehr vorsichtig sein, weil die naturgemäss ein speziell gutes Verhältnis zu den Pharmakonzernen pflegen. Und für die ist natürlich alles Konkurrenz, was sie nicht selber – oder selber nicht mehr – verkaufen dürfen.

  2. Bin großer Befürworter einer (vorsicht böses wort) Liberalisierung der drogenpolitik.

    Aber Crystal ist schon ein ziemlich böses zeug. macht ziemlich abhängig und geht ganz schön aufs gemüt.
    Aufklärung tut hier not, weil es eben nicht nur ein bischen potenteres speed ist. D solltest du deinen Kommentar vielleicht noch mal feintunen.

    Dass Crystall der stoff der leistungsgesellschaft sei,(btw, das gefasel über die leistungsgesellschaft ist auch zielmicher blödsinn. Als hätten leute früherer zeiten weniger drogen genommen. man schaue sich nur mal die alkoholismusraten früherer zeiten an) wie im interview behauptet, ist ja wohl großer quatsch. Das Zeug macht so schnell plemmplem, dass man innerhalb kürzester zeit gar nichts mehr leisten kann.

    Bei Drogenmissbrauch wegen Leistungsdrucks sollte man lieber mal bei den ganz legalen helferlein aus der apotheke oder beim guten alten tröster alkohol anfangen.

  3. Aufklärung tut hier not, weil es eben nicht nur ein bischen potenteres speed ist.

    Strafrecht =/= Aufklärung. Gerade bei Substanzen, die schnell gefährlich werden können, ist Angstmache der falsche Weg. Ob es jetzt GHB/GBL ist, wo die Differenz zwischen wirksamer Dosierung und Überdosierung sehr klein ist, oder halt Crystal, das sich die Leute offenbar reinziehen, ohne groß drüber nachzudenken.

    Mir geht’s in erster Linie nicht um Liberalisierung (Tenor “Jeder Bürger hat das Recht, sich zu schädigen, wie es im Spaß macht”), sondern um Schadensminimierung und um einen Paradigmenwechsel in der Drogenpolitik hin zu einem akzeptierenden Ansatz. Ziel sollte es sein, die Schwarzmärkte auszutrocknen und vernünftig über die Wirkungen der Substanzen aufzuklären, damit es den Menschen bewusst wird, was sie in ihren Körper reintun und was das mit ihrem Gehirn macht, wenn sie einen bestimmten Stoff zu sich nehmen.

    Abstinenzforderungen und das Strafrecht bringen nachgewiesenerweise nichts. Mit gutem Grund ist man deswegen zB im Bereich der AIDS- und Geschlechtskrankheitsprävention (=Sexualpolitik) schön längst so weit, dass man hinnimmt, dass die Leute “es tun” – man setzt lieber darauf, sie über mögliche Gefahren aufzuklären.

    Analog wünsche ich mir das im Bereich Drogenpolitik.

  4. Hm. Klingt ja ganz gut, so ein akzepierender Ansatz.

    Aber wie soll das konkret laufen, die Schwarzmärkte austrocknen, wenn durch Illegalisierung nur dort zu bekommen?

    Und mal ganz grundlegend, wieso sollte der Staat mir sagen können, was ich konsumiere? Weils gefährlich sein kann? Wieso nicht dann auch Extremsportarten, das Rauchen und anderes Zeugs verbieten, wenns um den Schutz des Einzelnen vor sich selbst geht? Wo zieht man die Grenze?

  5. Wieso nicht dann auch Extremsportarten, das Rauchen und anderes Zeugs verbieten, wenns um den Schutz des Einzelnen vor sich selbst geht? Wo zieht man die Grenze?

    Ich will Extremsportarten nicht verbieten, würde sie aber nicht selbst ausüben.

    Drogen sollen ins Drogenfachgeschäft. Woanders soll es keine Drogen mehr geben, auch keine Kippen. Es könnte Sonderregelungen geben, zB für den Karneval, ist klar, alles andere ist unrealistisch. Im (staatlich zertifizierten) Drogenfachgeschäft soll es umfassende Beratung durch ausgebildetes Fachpersonal geben, die Fachgeschäfte sollen auch regelmäßig kontrolliert werden, dass da alles rechtens läuft (zB Jugendschutz). Werbung für Drogen soll es nicht geben, analog zu den grünen Forderungen bei Alkohol und Nikotin.

    Natürlich hätte das auch eine Drogensteuer zur Folge, was ja auch einen Aspekt der “Austrocknung” bzw. “Legalisierung” der vormals schwarzen Märkte” berührt.

  6. Das Drogenfachgeschäft klingt auf den ersten Blick nicht so schlecht.
    Nur die Sache mit dem Drgenfachverkäufer auch für Alkoholika. Na ja. Jeder Kellner und Weinhändler soll die Ausbildung machen?
    Damit vernichtest du aber ein Haufen Studentenjobs. Und es vermiest doch ein wenig den Spass am Weinkaufen und trinken, wenn man sich vor der Bertaung, ob nun Nero D’Avola oder Chianti noch über die Gefahren des Akoholkonsums aufklären lassen muss. :-(

  7. Sie befindet sich offenbar in einem ganz persönlichen “War on Drugs” und das sollte eine ernstzunehmende liberale Zeitung wie die Süddeutsche nicht weiter unterstützen.

    Die SZ liberal? Von wegen. Gerade bei solchen Themen ein Nanny-Staats-Schmierblatt.
    Beispiele zum Thema Tabak in diesem Blog:
    http://raucherdiskriminierung.eu/?p=262
    http://raucherdiskriminierung.eu/?p=304

    Gerade bei Ärzten muss man imo immer sehr vorsichtig sein, weil die naturgemäss ein speziell gutes Verhältnis zu den Pharmakonzernen pflegen. Und für die ist natürlich alles Konkurrenz, was sie nicht selber – oder selber nicht mehr – verkaufen dürfen.

    Kann ich aus meinen Erfahrungen beim Thema Tabak absolut bestätigen. Wer dir erzählt, dass Passivrauchen schädlich sei, ist mit gewisser Wahrscheinlichkeit mit Pfizer, GlaxoSmithKline und/oder Novartis verbandelt.

    Werbung für Drogen soll es nicht geben, analog zu den grünen Forderungen bei Alkohol und Nikotin.

    Ein wesentlicher Fehler dieser Forderung ist folgender: Wenn bestimmte Branchen nicht mehr werben dürfen, bestimmen diejenigen, die weiterhin werben dürfen, den Kurs der Medien. Wieder mein Beispiel Tabak: Die SZ, der LOCUS und viele andere schreiben ja im Interesse der o.g. drei genannten Pharmakonzerne und anderer Geldgeber der Krankheitsindustrie.
    Die jetzigen Rauchverbote und so manche andere Maßnahme sind nur möglich, weil Tabakproduzierende extrem benachteiligt worden sind gegenüber Nikotinkaugummi- und Psychopharmakaherstellern.
    (Womit ich jetzt auf keinen Fall gesagt haben will, dass Konzerne aus dem Tabakbereich nun besonders hilfreich agieren bei der Verteidigung von Freiheit.)
    Ein Großteil des medizinischen Sektors ist von Big Pharma gekauft, machen wir uns da nichts vor.
    Und in den Medien ist das auch immer mehr der Fall.

    Es gibt aber noch weitere Kritikpunkt an einem Drogenwerbeverbot:
    Es zementiert tendenziell den Markt und stärkt die Marktführer (Warum ist wohl – wieder Beispiel Tabak – Philip Morris FÜR solche Werbeverbote?).
    Es geht von unmündigen Menschen aus, die vom autoritären Staat vor irgendwelchen Verführungen geschützt werden müssen. Das haben sich schon Adam und Eva damals beim Apfel nicht gefallen lassen 😉
    Es eröffnet noch viel weitergehende Exzesse der Regulierung von Produktkommunikation, s. die Forderung der Kinderkommission des Bundestages nach einem Überraschungseier-Verbot.

    Natürlich hätte das auch eine Drogensteuer zur Folge, was ja auch einen Aspekt der “Austrocknung” bzw. “Legalisierung” der vormals schwarzen Märkte” berührt.

    Was auch nach hinten losgehen kann, s. wieder Tabak, wo die Knebelsteuern so hoch angesetzt sind, dass der Schwarzmarkt fröhliche Urständ’ feiert.

    Das Drogenfachgeschäft klingt auf den ersten Blick nicht so schlecht.
    Nur die Sache mit dem Drgenfachverkäufer auch für Alkoholika. Na ja. Jeder Kellner und Weinhändler soll die Ausbildung machen?

    Das ist typische deutsche Überregulierung, und erschwert den Menschen den Austausch auf dem Markt.
    Die Grünen sind heutzutage eben eine Partei, die gegen die Kanalisierung der Flüsse, aber für die Einzwängung menschlichen Verhaltens sind.

    Das finde ich tragisch.

  8. Wie erklärt Härtel-Petri dass der Kokainpreis seit Mitte der 1980er bis heute von ca. 300DM/g (150€/g) auf 40-60€/g (ca. ein Drittel!) gefallen ist? Im gleichen Zeitraum stieg aber der Haschischpreis von 8DM/g (4€/g) auf 8€/g, verdoppelte sich also. Wenn ich H.-P. richtig verstehe, ist es heutzutage wesentlich risikoloser Koks zu dealen als Haschisch?

    @fpk:

    Und es vermiest doch ein wenig den Spass am Weinkaufen und trinken, wenn man sich vor der Bertaung, ob nun Nero D’Avola oder Chianti noch über die Gefahren des Akoholkonsums aufklären lassen muss.

    Menschen die regelmäßig Alkohol trinken, sind Alkoholiker. Was wäre falsch, sie über die Gefahren ihres Tuns zu informieren und zu beraten?

    — Off-Topic —
    @Julia: das hübsche ≠ kannst du mit ≠ darstellen. 😉
    Die ganze Liste der “HTML-Entities” findest du u.a. bei http://unicode.e-workers.de/entities.php

  9. @Blodder
    Ist also ein Großteil der Bundesbürger Alkoholiker. Na dann mal Prost.

  10. @fpk: Du hast es erfasst. DE ist ein Land von Drogenkonsumenten.

  11. Naja: Wenn sich Preise fühlbar erhöhen, wenn die Verfügbarkeit eines Suchtmittels erschwert ist, dann hat das üblicherweise (je nach Preiselastizität der Nachfrage) Folgen.

    Julia, das zu bestreiten – oder sich sogar darüber zu empören, erscheint mir nicht gerade der Ausdruck einer un-ideologischen Betrachtungsweise. Unabhängig davon, ob der Ausgangsartikel in der SZ besonders pfiffig war oder (das meine ich:) halt nicht.

    Welche Fragestellungen treten in Zusammhang mit Preiserhöhungen auf Drogenmärkten auf?

    (Sicherlich mehr, als ich in allzu oberflächlicher Weise dazu schreibe – ich probier es trotzdem mal)

    A) Welche Folgen hat es?
    B) Wie es es politisch zu bewerten?

    Folgen
    Verknappungseffekt. Substitutionseffekt.

    Der Verknappungseffekt wirkt i.d.R. vorwiegend auf Neukonsumenten, aber ist – je nach Preisniveau pro “Kick” – teils sehr deutlich. Interessanter ist m.E. der Substitutionseffekt: Wenn ein bestimmter Suchtstoff nicht mehr erhältlich ist oder zu teuer geworden ist, dann wird er – jedenfalls in der Masse – durch andere Suchtstoffe substituiert, nicht selten sogar durch solche, die gesundheitlich riskanter sind.

    Zusätzlich können durch Prohibitivregime erzwungene hohe Drogenpreise bewirken (u.a. aufgrund eines wechselseitig verstärkenden Zusammenhang aus Kriminalisierung und Gewinnsapnne), dass eine Gesellschaft durch strikte Drogenregime krimininalisiert wird – inkl. der damit verbundene Förderung krimineller Strukturen – und den damit verbundenen Seiteneffekten auf eine Gesellschaft.

    Bewertung
    Ich finde, es ist alles andere als einfach, diese Effekte abzuwägen und seriös zu bewerten – es hängt zudem vom jeweils betrachteten Stoff ab. Ich vermute aber sehr stark (zudem dies den praktischen Erfahrungen in vielen Ländern entspricht), dass in unseren modernen und vom Kapitalismus tief durchdrungenen Gesellschaften kein insgesamt “rauschfreier” oder Suchtstoff-freier Zustand erreichbar ist. Aus einem Verbot und seiner strikten Durchsetzung folgt in der Regel, geradezu zwangsläufig die Substitution.

    Insofern – nicht aus Freundlichkeit oder Befürwortung von Rauschmittel- und Suchtmittelkonsum – lässt sich m.E. keine sinnvolle Drogenpolitik denken, die ausschließlich auf Verbote und Restriktion setzt.

    Ein sinnvoller Ansatz ist es aber, die pharmazeutisch besonders bedenklichen (schädigenden) Stoffe und solche mit besonders erhöhten Suchtpotential prohibitiv zu behandeln – und andere, harmlosere Stoffe (z.B. THC sowie einige der harmloseren Amphetamine) im Gegenzug weitgehend frei zu geben.

    Zusätzlich muss Aufklärung betrieben werden, z.B. hinsichtlich der langfristig degenerativen Risiken des “Kickens” mit Hilfe von Rauschstoffen. Zudem muss die Jugend-Prohibition von Suchtstoffen überdacht und ggf. verschärft werden.

    Ich finde es z.B. wenig komisch, wenn sich pubertierende 14- oder 16-Jährige regelmäßig die Birne schon so breit kiffen, dass sie in der Schule bzw. Berufsschule nichts mehr kapieren.

    Okay, es mag auch verantwortungslose Menschen geben, die das sogar noch witzig bzw. “unvermeidlich” finden oder als gelungenen Beitrag zur Überwindung der kapitalistischen Ordnung verstehen.

    Nachsatz: Ich gehe im Gegensatz zu drogenpolitisch Bornierten davon aus, dass das Schädigungspotential (etwas, das manche Drogenfreunde bereits prinzipiell bestreiten möchten…) eines Suchtstoffes sehr unterschiedlich ausfallen kann, abhängig von den Konsumgewohnheiten, aber auch stark abhängig von den pharmazeutischen und toxikologischen Eigenschaften sowie vom (unterschiedlichen) Suchtpotential des jeweiligen Stoffes.

    Vernünftige und realitätsnahe Drogenpolitik bedeutet auch Schutz vor Drogen – und zwar in einem realistischen Rahmen. Einen totalen Schutz kann es nicht geben, zumal strikte Prohibitionsregime oft mehr Nachteile als Vorteile aufweisen.

    Dass hedonistisch-verantwortungslose Drogen-VerherrlicherInnen von rationalen Mittelwegen nichts hören wollen, genauso wenig wie konservativ-engstirnige Law-and-oder-Freaks:

    Das ist noch mal ein anderes Thema.

  12. Ein sinnvoller Ansatz ist es aber, die pharmazeutisch besonders bedenklichen (schädigenden) Stoffe und solche mit besonders erhöhten Suchtpotential prohibitiv zu behandeln – und andere, harmlosere Stoffe (z.B. THC sowie einige der harmloseren Amphetamine) im Gegenzug weitgehend frei zu geben.

    Damit widersprichst du deinen vorangegangenen Argumenten, denn die Kriminalisierung und alle anderen negativen Aspekte bestehen dann fort, höchstens die Zahl der betroffenen Substanzen verringert sich, was bestenfalls quantitativ ausschlägt, nicht aber qualitativ das Problem an der Wurzel löst.

    Zusätzlich muss Aufklärung betrieben werden, z.B. hinsichtlich der langfristig degenerativen Risiken des “Kickens” mit Hilfe von Rauschstoffen. Zudem muss die Jugend-Prohibition von Suchtstoffen überdacht und ggf. verschärft werden.

    Das geht immer nach hinten los. Verkrampfte Zeigefinger führen erst richtig zum Exzess.

    Okay, es mag auch verantwortungslose Menschen geben, die das sogar noch witzig bzw. “unvermeidlich” finden oder als gelungenen Beitrag zur Überwindung der kapitalistischen Ordnung verstehen.

    Wenn ich heute noch mal 15 wäre, würde ich diese Welt wahrscheinlich auch nicht mehr nüchtern ertragen 😉
    Mit Verantwortungslosigkeit hat das nichts zu tun. Du solltest dir erst gar nicht einbilden, für diese Menschen “verantwortlich” zu sein und dich in ihr Leben einmischen zu dürfen.

    Ich gehe im Gegensatz zu drogenpolitisch Bornierten davon aus, dass das Schädigungspotential (etwas, das manche Drogenfreunde bereits prinzipiell bestreiten möchten…) eines Suchtstoffes sehr unterschiedlich ausfallen kann, abhängig von den Konsumgewohnheiten, aber auch stark abhängig von den pharmazeutischen und toxikologischen Eigenschaften sowie vom (unterschiedlichen) Suchtpotential des jeweiligen Stoffes.

    Mal abgesehen davon, dass ich bekanntermaßen den Suchtbegriff für empirisch mehr als grenzwertig halte (und Bedürfnisse eine Grundlage, nicht ein Problem des menschlichen Daseins sind), hängt sehr viel von den je unterschiedlichen Menschen ab. Der eine kann mit Heroin gut umgehen, der nächste kriegt das nicht gebacken.
    Weder der eine noch der andere sind übrigens dir untertan.

    Vernünftige und realitätsnahe Drogenpolitik bedeutet auch Schutz vor Drogen – und zwar in einem realistischen Rahmen. Einen totalen Schutz kann es nicht geben, zumal strikte Prohibitionsregime oft mehr Nachteile als Vorteile aufweisen.

    Viel Prohibition – viele Nachteile. Wenig Prohibition – immer noch Nachteile. Keine Prohibition – Freiheit.

    Unser beider Grundunterschied ist aber autoritär (irgendwer ist berufen, Menschen vor sich selbst zu schützen) vs. libertär (Herrschaft von Menschen übereinander minimieren).

  13. Kann jemand der hier Anwesenden mal eine oder mehrere fundierte Abhandlungen zum Thema “Suchtpotential” nennen? So oft dieser Begriff auch verwendet wird, wissenschaftliche und seriöse Informationen darüber und z.B. wie mensch es bei unterschiedlichen Substanzen mißt, kenne ich kaum.

  14. Keine Ahnung, ob der Wikipedia-Artikel zu Abhängigkeitspotential eine seriöse Quelle ist, von da aus kann man weitersurfen. Mehr kann ich gerade nicht heraussuchen, nächste Woche wieder mehr Zeit.

  15. Ihc kann keine publizistischen Schwächen bei Frau Fromme erkennen. Ihre persönlichen Anfeindungen sind peinlich.
    Natürlich ist Meth hochgefährlich.

  16. Bin zufällig auf diesen Eintrag gestoßen:
    mein Eindruck: Schwachsinn

    Zwei Beispiele:
    (1)
    “Es drängt sich der Eindruck auf, dass Fromme weniger wirklich interviewen möchte, sondern lieber die Stichworte des Arztes aufschreibt, der in erster Linie mit denjenigen zu tun hat, die eben nicht mehr mit der Droge klarkommen.”

    Ha, ha, ha.
    Es geht um Drogen im Sinne von Suchtmittel.
    Wer kommt den mit Suchtmitteln klar?
    Wenn es so was wie “Klarkommen mit einem Suchtmittel” überhaupt gäbe, wären es ja gar keines mehr.

    oder
    (2)
    “und der Suggestivfrage zum Eingang
    Fromme: Wird die Droge Methamphetamin
    unterschätzt, Herr Härtel-Petri?”

    Das ist doch keine Suggestivfrage!
    Eine Suggestivfrage wäre es gewesen, wenn sie gefragt hätte: “Warum wird die Droge Methamphetamin unterschätzt?”

    Mein Fazit (wie ein vorheriger Kommentator schon bemerkt hat): peinliche persönliche Anfeindungen

  17. Hi Konrad,

    ich kenne Claudia Fromme nicht persönlich und lege da auch keinen gesteigerten Wert drauf. Ich habe damals Claudia Frommes Drogen-Artikel in der Süddeutschen (leider gar auf dem Titelblatt) gelesen und mich ziemlich geärgert. Sicherlich kann es sein, dass ich damals zu Überreaktionen neigte, aber ich finde, dass Ihre Position einer Nachfrage bedarf:

    Sind für Sie Drogen jederzeit Suchtmittel oder gestehen Sie Nutzer/innen von Drogen auch zu, dass Sie diese so nutzen können, dass die Droge nicht als “Suchtmittel” (im bösen Sinne) zu verstehen ist?

    Schöne Grüße

    Seeliger