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	<title>zeitrafferin &#187; studenten</title>
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	<description>Julia Seeliger</description>
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		<title>Uni brennt: Studentenproteste überall</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Nov 2009 22:39:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia Seeliger</dc:creator>
				<category><![CDATA[sozialstaat]]></category>
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		<category><![CDATA[bildungsstreik]]></category>
		<category><![CDATA[hochschule]]></category>
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		<description><![CDATA[Den heutigen (freien) Tag habe ich vor dem Computer verbracht und mir ein paar Gedanken zu den Studierendenprotesten gemacht. Bei Twitter lässt sich minutiös nachvollziehen, was in den Hörsälen &#8211; oder zumindest: bei den Menschen, die sich bei einem internetfähigen Gerät und einer geistigen Nähe zu den Studierendenprotesten befinden &#8211; passiert. So begegnet man dort [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="tweetmeme_button" style="float: right; margin-left: 10px;">
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			</a>
		</div>
<p>Den heutigen (freien) Tag habe ich vor dem Computer verbracht und mir ein paar Gedanken zu den Studierendenprotesten gemacht. <a href="http://twitter.com/#search?q=%23unibrennt">Bei Twitter</a> lässt sich minutiös nachvollziehen, was in den Hörsälen &#8211; oder zumindest: bei den Menschen, die sich bei einem internetfähigen Gerät und einer geistigen Nähe zu den Studierendenprotesten befinden &#8211; passiert.</p>
<p>So begegnet man dort Wasserstandsmeldungen jeder Art, ob da jetzt welche mitteilen, dass auch Köln und das Saarland besetzt sind, dass sich die Uni Bonn für sich für <em>den friedlichen Verlauf und das geordnete Verlassen des Hörsaals</em> <a href="http://twitter.com/UniBonn/status/5803702242">bedankt</a>, in Jena hingegen Pfefferspray eingesetzt wurde und in Essen <a href="http://www.ruhrbarone.de/demonstierende-studenten-und-schuler-von-der-politzisten-eingekesselt/">Kinder festgenommen</a>. Man begegnet Funktionären der Julis und der Jungen Union, die sich ihrem Unverständnis mit <a href="http://twitter.com/olpen/status/5805197710">Regionalexpressbesetzungs-Tweets</a> Luft machen. In München tritt Hanns Söllner auf, und die Sportfreunde Stiller, und überhaupt wird überall ständig gefeiert und Bier und Rotwein getrunken.  </p>
<p><a href="http://derstandard.at/fs/1256745052913/Kommentar-Der-notwendige-Protest?sap=2&#038;_pid=14762774%23pid14762774">In einem Kommentar</a> zum Kommentar &#8220;<a href="http://derstandard.at/fs/r381/Kommentare">Der notwendige Protest</a>&#8220;, verfasst von der &#8220;Standard&#8221;-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid wurde angemerkt</p>
<hr />
<ul>
<li>Kleine Nachhilfe zur Zuständigkeit im Bildungsbereich: Ö -> Bund, D -> Länder</li>
<li>große Töne der Solidarisierung mit den Studierenden spucken: in Ö -> Landespolitiker, in D -> Bundespolitiker</li>
</ul>
<hr />
<p>und das erscheint mir im Moment auch ganz plausibel. Wahrscheinlich sind die Verantwortlichkeiten in Deutschland noch komplizierter, so dass man sie noch besser von sich wegschieben kann, ich habe darüber aber noch nicht nachgedacht. </p>
<p>Auf jeden Fall stellt Schavan jetzt trickreich eine Bafög-Erhöhung <a href="http://www.n-tv.de/politik/85-000-Studenten-protestieren-article592542.html">in Aussicht</a>. Das sollte man aber nicht als Erfolg feiern. Im Gegenteil; man sollte man sich bewusst machen, woran es an deutschen Hochschulen krankt und dass die Probleme gravierend sind.<br />
<span id="more-3537"></span><br />
In vielen Bundesländern existieren <strong>Studiengebühren</strong>. Diese werden aber nicht sonderlich ambitioniert in die Lehre investiert. In Nordrhein-Westfalen wurden zum Beispiel mit den Studiengebühren <a href="http://www.ftd.de/wissen/:nrw-bank-stuetzt-zinsen-mit-geld-aus-studiengebuehren/340399.html">die Zinsen der NRW-Bank gestützt</a>. Die Uni Köln baute von dem Geld <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/2-bildungsstreik-heisser-herbst-an-deutschlands-unis-1522566.html">offenbar ein Fitnessstudio</a>. Was an meiner Fachhochschule mit den &#8220;Studienbeiträgen&#8221; neben der Stützung der NRW-Bank angestellt wurde, habe ich <a href="http://julia-seeliger.de/studiengebuhren-bringen-nichts/">hier</a> offengelegt.</p>
<p>Wichtiger Kritikpunkt ist auch der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bologna-Prozess#Kritik">Bologna-Prozess</a> und die damit eingeführten <strong>Bachelor- und Masterstudiengänge</strong>. Die Internationalisierung des Studiums, die versprochen wurde, entpuppte sich als kompletter Flop. Nicht nur das Auslandsstudium wurde erschwert, auch der Wechsel zwischen deutschen Hochschulen wurde mit der Bologna-Novelle schwieriger.</p>
<p>Was auf den ersten Blick praktisch erscheint, eine Flexibilisierung des Studiums &#8211; beispielsweise indem man nach dem Bachelor-Abschluss erst einmal arbeitet, Erfahrungen sammelt und sich mit dieser Lebens- und Joberfahrung über den Master weiter spezialisiert &#8211; scheint in der Praxis nicht zu funktionieren. Die neuen Abschlüsse werden auf dem Arbeitsmarkt offenbar nicht als berufsqualifizierend anerkannt. Außerdem ist der Zugang zu den Master-Studiengängern hart limitiert.</p>
<p>Zudem, so die Kritiker, sind die Curricula offenbar nicht entsprechend angepasst worden, der Umfang des zu bewältigenden Stoffs sei vielerorts viel zu hoch. So, wie es aussieht, wurden die Inhalte der Diplom- und Magisterstudiengänge einfach ein wenig gequetscht und dann irgendwie in die sechs Semester Bachelor hineingestopft. Man könne auch weniger auswählen, klagen die Studierenden, insbesondere, wenn man die neuen Studiengänge mit den nun fast beerdigten Magisterstudiengängen vergleicht. </p>
<p>Übrigens: Kaum ein Wissenschaftler wird diese Zerstückelung seines Fachgebiets in marktgerechte Häppchen gutgeheißen haben. Ich kenne hierzu keine Studien, aber es erscheint mir menschlich logisch. Zu denken: Dass das Wissenschaftliche verloren geht. Sechs Semester &#8211; und dann fertig für&#8217;s Labor, die Denkerstube oder den Gerichtssaal?  </p>
<p>&#8220;Der Bachelor&#8221; steht symptomatisch für etwas, was schon länger schief läuft an den Hochschulen. Es ist nicht nur die vermurkste Bologna-Strategie, die heute so viele auf die Straßen und in die Hörsäle trieb.</p>
<p>Es sind die Studiengebühren, es sind die zu vollen Hörsäle, es sind die zunehmenden Schwierigkeiten, den Lebensunterhalt zu bestreiten &#8211; und für Arbeit bleibt keine Zeit mehr, seit die Stundenpläne voller geworden sind. Leute, die intensiver an dem Thema Hochschulpolitik arbeiten, sagen mir, man müsse die Institution Hochschule und ihre Infrastruktur stärken. Mich hat es nie gestört, auf hässlichen Holzbänken zu sitzen, aber das ist es wohl auch nicht, was die Studierenden stört, sondern eher, dass man für manche Pflicht-Übungen mancherorts Extra-Gebühren bezahlen muss. </p>
<h2>Offene Fragen</h2>
<p>Mich würde an dieser Stelle interessieren, ob unsere neue schwatz-gelbe Bundesregierung für die Gesamtsituation irgendeine Rolle spielt, ob man die Proteste als politisch links ansieht. Immerhin sprach die Junge Union bereits wieder von 68, und vielleicht hat das auch einen wahren Kern, denn es gab ja bereits Solidarisierungen durch die Eltern-Generation, zum Beispiel viele Lehrende und auch die Bildungsgewerkschaft GEW. Oder aber, was ja mal interessant und neu wäre: Sind die Proteste &#8220;postideologisch&#8221;? Welche Fragestellungen außer den oben genannten spielen noch eine Rolle? Wie stellt man sich die internationale Vernetzung vor &#8211; immerhin gibt es ja auch besetzte Unis in Turin, Genf und irgendwo in Polen (<a href="http://maps.google.com/maps/ms?hl=de&#038;ie=UTF8&#038;oe=UTF8&#038;source=embed&#038;msa=0&#038;msid=116283369278129786033.0004778dfa81fb402d565&#038;ll=49.781264,12.348633&#038;spn=11.357555,23.291016&#038;z=5">Karte</a>).</p>
<h2>Fachgerecht blockieren</h2>
<p>Allen Protestierenden möchte ich die <a href="http://www2.gruene-jugend.de/uploads/demofibel_kl.pdf">Demofibel</a> (PDF) der Grünen Jugend (ich war da mal aktiv) ans Herz legen, auch hier findet sich <a href="http://www.eco-action.org/direct/">eine kleine Blockadefibel</a>. </p>
<p>Diese oder andere Tipps zum Versammlungsrecht, zum Umgang mit der Polizei und zu den Rechten des Einzelnen sind sicherlich für den 10.Dezember, wenn die Kultusministerkonferenz unter dem Motto &#8220;Nachsitzen&#8221; <a href="http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5hQN9fOWT3b0i4HOqZOcKhehv0cEw">blockiert werden soll</a>, nicht nachteilig. </p>
<p>10. Dezember in Bonn. Ich freue mich.</p>
<p>Und nicht vergessen: <a href="http://www.tagesschau.de/inland/studentendoping100.html">Bleibt sauber</a>!</p>
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