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	<title>zeitrafferin &#187; falter</title>
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		<title>Jenseits des Papiers</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Oct 2009 18:17:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia Seeliger</dc:creator>
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<p>Für den &#8220;<a href="http://www.falter.at">Falter</a>&#8221; habe ich einen Debatten-Beitrag verfasst. Hintergrund ist der Leitartikel des Falter-Chefredakteurs Armin Thurnherr &#8220;Warum ich mich weigere, das Internet als Medium wirklich ernst zu nehmen&#8221;. Jetzt hat der Falter hierzu eine Debatte gestartet und auch mich um einen 2000-Zeichen-Artikel gefragt.</p>
<hr />
<h2>Jenseits des Papiers</h2>
<p>Selbstverständlich provokativ formulierte Armin Thurnherr die Titelzeile „Warum ich mich weigere, das Internet als Medium ernst zu nehmen.“ Ich vermute, der geschätzte Kollege meinte mit dieser Formulierung nicht die Kabel und Server, die das Internet ausmachen, sondern Online-Medien – Blogs, Webseiten, oder Dienste wie Twitter. </p>
<p>In der Netzwelt sind so einige zuhause, die meinen, dass die Informationsproduktion dort schon heute den klassischen Journalismus ersetzen kann. Das ist nicht richtig, da hat Armin Thurnherr recht. Zu gutem Journalismus gehört nicht nur das Verfassen flotter Texte, sondern auch eine umfassende, aufwändige und meist sehr teure Recherche, die sich nicht in der Benutzung der Suchmaschine Google erschöpft. </p>
<p>Gleichwohl ist zweierlei zu konstatieren. Erstens: Journalismus wird sich verändern müssen, wenn er im Post-Papier-Zeitalter noch wettbewerbsfähig sein will. Zweitens: Das Netz birgt großen Reichtum, der täglich weiter wächst. Eine Debatte jenseits der Beschränkung auf das so genannte „Geistige Eigentum“ muss ernsthaft geführt werden.<br />
<span id="more-3425"></span><br />
Nicht durch die Krücke Urheberrecht, sondern durch Qualität, Charakter und Innovation muss der Journalismus in Zukunft glänzen. Neue, authentische Geschäftsmodelle wollen entwickelt werden. Die eine Zeitung wird Paid-Content-Kanäle anbieten, die andere sollte eher auf ausgeklügelte Supporter-Modelle setzen. Die Frage, wie hochkarätiger Auslandsjournalismus in Zukunft finanziert werden kann, ist bisher nicht geklärt. </p>
<p>Auch muss dem Rück-Kanal in Zukunft mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Damit sind nicht die ungeliebten und häufig fruchtlosen Leser-Kommentare gemeint, die auf den Online-Portalen der Zeitungen vielfach möglich sind. Relevante Informationen, die nicht allgemeinverständlich verfügbar sind, müssen für die Öffentlichkeit aufbereitet werden. Der klassische Journalismus sollte vom Wissen der für ihn bislang gesichtslosen Leser-Masse zu profitieren suchen und gemeinsam danach trachten, das Verborgene öffentlich zu machen. Hierbei können eine leistungsfähige Web-Software und ein gutes Community-Management-Konzept helfen.</p>
<p>Der Wissens-Reichtum im Netz ist so groß wie nie in der Menschheitsgeschichte zuvor – und er wächst exponentiell weiter. Die politische Linke begrüßt das, und auch manche Liberale wenden sich mit dem Argument der Innovation gegen allzu arge Beschränkungen des Zugangs zu Wissen. Schon Thomas Jefferson sagte: “Wer eine Idee von mir empfängt, mehrt dadurch sein Wissen, ohne meines zu mindern.“ Jefferson verglich Ideen mit einer Fackel, die ja auch nicht weniger strahle, nur weil jemand anderes die seinige daran entzünde.  </p>
<p>Allzu restriktive Beschränkungen beschneiden die Chancen, die sich der Read-Write-Gesellschaft erst jetzt, im digitalen und vernetzten Zeitalter, eröffnen. Wissen, auf dem man nicht aufbauen kann, ist für den Fortschritt wertlos. Es ist Zeit für ein Urheberrecht, das die Bedürfnisse von Urhebern, Verwertern und Verbrauchern neu austariert. Diese Chance darf nicht verschenkt werden. Der Diskurs hierzu ist erst ganz am Anfang.</p>
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