Julia Seeliger
  • Twitter: Schlimmer als die Polizei!

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    14. December 2019 | Trackback | Internet ausdrucken
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    Bei Facebook scheine ich schon länger ein Zutrittsverbot zu haben, jetzt hat es zeitrafferin bei Twitter erwischt. Ich darf da nicht mehr rein. Die Rücksetz-Mails funktionieren auch nicht mehr. Twitter will mich weghaben!

    Stein des Anstoßes ist ein Tweet, bei dem ich schreibe, eine Frau möge sich doch mal ins Gesicht schlagen lassen. Traurige Wahrheit ist nämlich, dass mir letztens ein Mann ins Gesicht geschlagen hat, als ich gemeinsam mit einer anderen Frau versucht habe, ihn vom Betreten unseres Hauses abzuhalten.

    Den Whisky-Cola-saufenden späteren Schläger mit sichtbarem Migrationshintergrund (Achtung: SS-Methode!) hatte ich in der Fußgängerzone noch überholt, mich gefreut, dass die schöne Weihnachtsbeleuchtung aufgehängt wurde und davon ein Foto gemacht. An der Tür traf ich dann eine andere Frau, die bei einem Nachbarn zu Gast war. Ich wollte sie noch in die ihr unbekannte WG bringen, als uns auffiel, dass die Haustür nicht zu war, dass da jemand lauerte.

    Wir versuchten den dreisten Mann wegzudrücken, was nicht funktionierte. Als ich seine Füße im Türrahmen entdeckte, wollte ich das Problem fixen und diese Barriere beseitigen, dafür musste ich mich ein wenig vorwagen – in dem Moment der Schlag.

    Mit dem Schlag schoss natürlich sofort das Adrenalin in mich hinein und außerdem war der Schlag weniger schlimm als so manches, was ich beim Judo erlebt habe oder auch bei den Pferden. Wenn einem zum Beispiel ein Pferd mit dem Kopf gegen den Kopf schlägt, dann ist das auch nicht von schlechten Eltern.

    Ein Schlag wie von einem Pferd

    Auf jeden Fall war ich nicht gerade verängstigt und bin gleich hinterher vor die Haustür gerannt und habe mit dem Schläger ein bisschen gekämpft und ihn danach durch die halbe Bonner Innenstadt verfolgt, soweit das in meinem hohen Alter möglich ist, ihn zwar am Busbahnhof verloren, er wurde jedoch von der Polizei gestellt. Letzten Montag war ich bei der Polizei und habe ihn identifiziert.

    Als ich von der Polizei wiederkam, war mein Twitteraccount gesperrt. Danke. Schon eine ziemliche Ironie des Schicksals. Als Gewaltopfer ist man wirklich immer und überall ganz unten. Danke!

    Danke Twitter für die unverhältnismäßige Einschränkung meiner Rede-, Kunst- und Handlungsfreiheit. Angesehen davon, dass meine informationelle Selbstbestimmung auch bedeutet, dass ich meine Tweets löschen kann – auch das ist nicht mehr möglich. Als Opfer von Vergewaltigung und vielfacher sexueller Belästigung finde ich es auch originell, dass Twitter gerade unter dem Label “Belästigung und Missbrauch” meine Redefreiheit einschränken will, ja, ganz konkret: Leute wie mich weghaben.

    Twitter. Bei euch schreibt Donald Trump – einer der gewalttätigsten und übergriffigsten Männer der Welt. Und mich, eine kleine Frau, die sich Tag für Tag müht, mit der Gewalt der Welt klarzukommen, der sie ausgesetzt war und ist, wollt ihr zum Schweigen bringen?

    Ja, so sieht es aus.

    Dann muss ich wohl wirklich wieder bloggen.


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One Response to “Twitter: Schlimmer als die Polizei!”

  1. Deine Blogtexte sind eh ein größerer Genuß als das “Rumgetwitter”. Allerdings wissen anscheinend nocht nicht viele, dass Du hier wieder schreibst. Oder bist Du mittlerweile wieder ganz woanders 🙂 ?