Benutzen gestattet?
Beim Surfen auf eine Website zieht sich der Browser eine Kopie der Seite, genauso, wenn beim Ansehen eines Videos auf Youtube. Jedes im Netz geklickte eBook ist eine Kopie. Ein Buch auf die „alte“ Art und Weise zu lesen, bringt einen nicht in solche Zwiespältigkeiten: Bücher können verliehen werden und es wird keine Kopie erstellt – allerhöchstens im Kopf, sagt Creative-Commons-Pionier Lessig, „aber erzählt das bloß nicht den Anwälten“. Rechtlich wäre es im Prinzip notwendig, beim jedem Klick im Netz den Urheber – im amerikanischen Rechtsraum den Copyright-Inhaber – um Erlaubnis zu fragen.
Bei jedem Klick um Erlaubnis zu fragen, ist nicht nur aufwändig, sondern, wie die Beispiele DRM und „Trusted Computing“ zeigen, es nimmt dem Nutzer auch die Anonymität. In Zeiten, in denen sich das Leben mehr und mehr ins Internet verlagert, bedeutet das einen großen Schritt hin zur Überwachungsgesellschaft.
Ohne freie Inhalte keine Kreativität
Aber ständig nachfragen zu müssen, lähmt auch Kreativität: Je höher die Hürden, die es zu überwinden gilt, um einen Inhalt nehmen und weiterverwenden zu können, desto weniger Neues wird auf der Basis von Altem geschaffen – denn es sind ja weniger Inhalte im Materialpool vorhanden, so die berechtigte Grundannahme der Verfechter einer „Freien Kultur“. Kreative sind überdies nicht immer mit den Feinheiten des Urheberrechts vertraut und lassen im Zweifel lieber die Finger von einem Inhalt, wenn die Gefahr einer Urheberrechtsverletzung nicht auszuschließen ist.
Befinden sich dagegen ausreichend viele frei lizensierte Inhalte im globalen Wissens-Pool, so ist es unkompliziert und rechtlich klar, wem es erlaubt ist, das Material zu verwenden und sogar, je nach Lizenz, darauf aufzubauen. Dafür wurden die Creative Commons Lizenzen erfunden.
„Some rights reserved“ – die Idee Creative Commons
„Wir haben die Idee von der Free Software Foundation gestohlen“, erzählt Lessig von den Anfängen der Creative-Commons-Bewegung im Jahr 2001. Damals gründete Lessig zusammen mit James Boyle und Michael Carroll – beide ebenfalls Internet- und Urheberrechtsexperten –, dem Professor Hal Abelson, Computerwissenschaftler vom MIT und dem Cyberlaw-Experte Eric Saltzman die Non-Profit Organisation Creative Commons. Mit dabei war auch der Public Domain Web-Verleger Eric Eldred – und, nicht zu vergessen, Harvard-Mitarbeiter und Studenten.
„Some rights reserved“ („ Einige Rechte vorbehalten“) – das ist der eigentlich verblüffend simple Gedanke von Creative Commons. Im Vergleich zum „All rights reserved“ („Alle Rechte vorbehalten“) des Copyrights – in Kontinentaleuropa des Urheberrechts – setzt Creative Commons auf modulare Lizenzen, aus denen sich die Kreativen genau die Lizenz für ihr Werk zusammenstellen können, die für sie am sinnvollsten ist – und die ihren Werten am ehesten entspricht.
Frei lizensieren kostet nichts – um Inhalte mit Creative-Commons-Lizenzen zu versehen, muss kein Geld bezahlt werden. Creative Commons ist jedoch kein Anwaltsbüro: Rechtsberatung oder gar Unterstützung bei Gerichtsverfahren gibt es bewusst nicht. Und, Creative Commons ist keine Verwertungsgesellschaft: Wer mit frei lizensierten Inhalten Geld verdienen möchte, muss sich schon selbst darum kümmern, dass die Kohle reinkommt. Eine zentrale Datenbank mit Creative-Commons-Inhalten aufzubauen, ist ebenfalls nicht im Sinne der Idee. Fazit: Creative Commons setzt auf selbstbestimmte Internet-Benutzer und dezentrale Strukturen und liefert lediglich die juristischen „Werkzeuge“. Bei „Registered Commons“ ist es möglich, seine Werke zu registrieren.










